Aachen: Jetzt zählt nur noch eins: Ab an die Urnen!

Aachen : Jetzt zählt nur noch eins: Ab an die Urnen!

Wenn am Sonntag Abend pünktlich um 18 Uhr die Wahllokale schließen, ist die Bundestagswahl 2017 für rund 177.000 wahlberechtigte Aachener zwar sozusagen gelaufen. Für knapp 1500 von ihnen geht die Arbeit aber erst richtig los. In den insgesamt 161 Urnenwahlbezirken und den 33 Briefwahlbezirken heißt es dann: Wahlurnen auskippen, Stimmzettel sortieren und zählen, zählen, zählen.

Bis dahin zählt freilich nur eins: das Votum des Bürgers. Ein Spitzenwert steht jedoch schon jetzt fest: Bis Freitagmittag hatten 55.200 Aachener beim Wahlamt Briefwahlunterlagen beantragt. Ein Rekord, der beweist, dass immer mehr Menschen ihre zwei Kreuze schon vor dem Wahlsonntag setzen wollen. 2013 hatten noch 46.500 Öcher diese Option gewählt.

Auf die Wahlhelfer in den Briefwahlbezirken kommt am Sonntagalso ein dicker Stapel Papier zu, den es auszuzählen gilt. Doch die Stadt hat vorgesorgt: „Wir haben die Briefwahlvorstände personell verstärkt“, erklärte Rita Klösges vom städtischen Presseamt am Freitag auf AZ-Anfrage. Denn auch wenn die ausgefüllten Briefwahlunterlagen mitunter schon seit Wochen im Wahlamt lagern: Vor 18 Uhr darf keine einzige Stimme gezählt werden. „Wenn an den Stellen etwas durchsickern sollte, könnte das das Wahlverhalten der Bürger beeinflussen“, erklärte Klösges.

Bis Sonntag, punkt 18 Uhr, können Briefwahlunterlagen noch im Briefkasten am Blücherplatz eingeworfen werden. Stimmzettel, die danach abgegeben werden, werden hingegen nicht mehr berücksichtigt. Das gleiche gilt für Briefwahlanträge, die erst am Samstag oder auch am Wahltag gestellt werden. Mit einer Ausnahme: „Bei einer nachgewiesenen plötzlichen Erkrankung kann die Briefwahl auch noch bis Sonntag, 15 Uhr, beantragt werden“, betonte Rita Klösges.

Für alle anderen gilt: Ab ins Wahllokal. Und zwar am Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Prinzipiell kann man seine Stimme auch ohne Wahlbenachrichtigung abgeben. Vorausgesetzt, man kann sich mit seinem Personalausweis oder Reisepass ausweisen.

Ganz wichtig: Wer Briefwahlunterlagen beantragt, diese aber nicht erhalten hat, kann seine Stimme nicht direkt im Wahllokal abgeben. Denn mit dem Antrag erhält man gleichzeitig einen sogenannten Sperrvermerk im Wählerverzeichnis. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass keine Stimmen doppelt abgegeben werden können.

Apropos doppelt: Am Sonntag hat jeder Wähler zwei Stimmen. Man darf also nur jeweils ein Kreuz in den vorgesehenen Kreisen in der linken und der rechten Spalte machen. Mit der Erststimme wird über den Direktkandidaten entschieden. Dieses Jahr bewerben sich in Aachen acht Parteivertreter um das Mandat.

Mit der Zweitstimme wird die Landesliste einer Partei gewählt. Die Entscheidung muss eindeutig erkennbar sein. Ist ein Wahlzettel nicht ausgefüllt, dann ist er ungültig — ebenso wenn er Kommentare oder Kritzeleien enthält. Ein weiteres „No-Go“ in der Wahlkabine: Fotos. Ein Selfie für das Facebook-Profil oder den Instagram-Account ist also ausdrücklich verboten.

Auf den einschlägigen Party-Plattformen jenseits des Internets dürfte der Perlwein unterdessen bereits kaltgestellt sein — wenige Stunden bevor desgleichen für sieben Bewerber aus dem Dreiländereck fällig wird. So viel ist garantiert, schon bevor die Kaiserstädter an die Urnen schreiten.

Es kann eben nur eine(n) geben: Welcher der acht örtlichen Bundestagskandidaten sich am frühen Sonntagabend mit dem sprichwörtlichen Lorbeer des direkt ins Berliner Parlament entsandten Mandatsträgers bekränzen darf, ist freilich nur eine von vielen spannenden Fragen rund um die Bundestagswahl 2017, „Tatort“ Aachen. Aber allemal Anlass genug, auch einmal zurückzuschauen: Wie hießen — jedenfalls zwischen Walheim und Horbach — die Sieger, wie die Verlierer im bislang letzten großen Rennen um die Mehrheiten?

Seltsam vielleicht, aber auf den Tag genau vor vier Jahren lautete die AZ-Schlagzeile an dieser Stelle: „Henke triumphiert, Schmidt jubelt“. Aus gutem Grund. Rudolf Henke (CDU) sicherte sich das Direktmandat 2013 zum zweiten Mal in Folge vor seiner prominenten Konkurrentin Ulla Schmidt (SPD). 40,8 Prozent der Erststimmen konnte der Christdemokrat für sich verbuchen. Schmidt erhielt nur 35,3 Prozent, schraubte ihr persönliches Ergebnis gegenüber 2009 damit aber um immerhin 5,3 Prozentpunkte nach oben.

Drei schafften 2013 den Sprung

Auch bei den — letztlich entscheidenden — Zweitstimmen landete die CDU mit 36,6 Prozent klar auf dem Siegerpodest, schnitt allerdings etwas schlechter ab als auf Bundesebene, wo sie mit 41,5 Prozent triumphierte. Die Genossen erzielten in Aachen mit 27,3 Prozent immerhin 1,6 Prozent mehr als im Gesamtergebnis (25,7 Prozent). Platz drei ging mit 13,1 Prozent der Zweitstimmen klar an die Grünen (bundesweit landeten sie mit 8,4 Prozent knapp hinter der Linken), gefolgt von der Linken mit 7,7 Prozent sowie der FDP mit 6,3 Prozent.

Wobei der Sprung über die berühmte Fünf-Prozent-Hürde den Liberalen mit 4,8 Anteilspunkten auf Bundesebene bekanntlich knapp misslang. Während Andrej Hunko für die Linke als dritter Aachener die Fahrkarte nach Berlin buchen konnte — nämlich ebenso wie Schmidt per Listenplatz. Weitere nennenswerte Ergebnisse erzielten die Piraten mit 3,5 Prozent Zweitstimmen — sowie die AfD, die beim Polit-Debüt auf Bundesebene in Aachen auf 3,1 Prozent kam.

Apropos Quoten: Die Wahlbeteiligung lag in der westlichsten Großstadt der Republik seinerzeit bei 74,69 Prozent — immer noch besser als im Bundesschnitt mit gerade einmal 71,5 Prozent. Bleibt also nur eine klare „Wahlempfehlung“: Gehen Sie hin!