Multifunktionshalle: Jetzt wird’s konkret

Multifunktionshalle : Jetzt wird’s konkret

Plötzlich könnte Bewegung kommen in die seit Jahren festgefahrene Situation: Nach Informationen unserer Zeitung hat die Stadt Aachen erstmals einen konkreten Plan für den Bau einer neuen Sport- und Veranstaltungshalle auf den Tisch gelegt. Und der weicht von allen bisher in die Diskussion gebrachten Modellen ab.

Im Fokus der Überlegungen steht das Grundstück des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Hubert-Wienen-Straße. Hier soll nach den Vorstellungen der Verwaltung eine Multifunktionshalle gebaut werden. „Die vorgesehene Nutzung ergibt sich aus der politischen Beschlusslage, den Sportpark Soers an dieser Stelle erweitern zu wollen“, erklärt der städtische Pressesprecher Bernd Büttgens auf Anfrage unserer Zeitung.

Tatsächlich war das Gelände schon lange vor dem Ende März vollzogenen Umzug der Polizei an die Neuenhofstraße in Forst immer wieder als potenzieller Standort für eine Halle im Gespräch gewesen. Die Idee ist also keinesfalls neu. Erstmals aber reagiert die Stadt jetzt offiziell auf das schon 2015 vom damaligen Städteregionsrat Helmut Etschenberg unterbreitete und von seinem Nachfolger Tim Grüttemeier zuletzt vor drei Wochen noch einmal bestätigte Angebot für eine Kooperation.

Denn die Städteregion spielt in den Planungen der Stadt „eine wesentliche Rolle“, wie Büttgens betont. Konkret soll sie „auf der anderen Seite der Krefelder Straße“ ein Berufskolleg bauen und so „eine zusätzliche Synergie bei der gemeinsamen Nutzung einer neuen Sporthalle“ ermöglichen, wie der Pressesprecher weiter ausführt.

Über die genaue Lage des Grundstückes kann vorerst nur spekuliert werden. Denkbar ist zum Beispiel ein jenseits des Kreuzungsbereiches Krefelder Straße/Prager Ring/Eulersweg in Richtung Strangenhäuschen gelegenes Terrain, auf das es vor drei Jahren schon einmal der französische Sportartikel-Riese Decathlon abgesehen hatte. Die Stadt will das nicht bestätigen. „Ich kann aber bestätigen, dass es passende Grundstücke im Bereich der Krefelder Straße gibt, die in städtischem Besitz sind und auf denen man in die Planung für einen Schulbau einsteigen kann“, sagt Bernd Büttgens.

Weit fortgeschritten sind dem Vernehmen nach die Verhandlungen mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes, das Eigentümer des ehemaligen Polizeipräsidiums ist. Nach Angaben von Silke Schenck, Leiterin der Abteilung Presse und Kommunikation beim BLB, hat die Stadt ihr Nutzungskonzept für das Areal dargelegt – und damit wohl überzeugen können. „Vorrangiges Ziel der Stadt ist es jetzt, die Liegenschaft zu erwerben“, äußert sich Bernd Büttgens zuversichtlich. Und Schenck verweist auf die haushaltsrechtliche Option, dass Städte und Gemeinden direkt und ohne öffentliche Ausschreibung landeseigene Grundstücke erwerben können – vorausgesetzt, sie sind für einen „kommunalen Zweck“ vorgesehen. Der wäre zweifelsfrei gegeben, wenn die Stadt eine solche Halle bauen und Vereinen und Schülern zur Verfügung stellen würde.

So könnte es denn auch etwas werden mit der vom benachbarten PTSV Aachen lang ersehnten neuen Spielstätte für die „Ladies in Black“. Die Bundesliga-Volleyballerinnen dürfen ihre Heimbegegnungen nur dank einer Sondergenehmigung des Verbandes in der Sporthalle Neuköllner Straße austragen und müssen für Play-Off-Spiele ins belgische Maaseik umziehen. Das wird auch in der kommenden Saison wieder der Fall sein.

Die Städteregion wiederum hätte die Möglichkeit, zumindest eines ihrer beiden innerstädtischen Berufskollegs in einen modernen Neubau zu verlagern und so auf eine aufwendige und millionenschwere Sanierung der Bestandsgebäude zu verzichten. Als erster Kandidat für einen Umzug gilt das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in der Lothringerstraße. Im Gegenzug könnten sich dort für die Stadt Aachen interessante städtebauliche Perspektiven eröffnen.

Tim Grüttemeier wollte sich auf Anfrage nicht zu der neuen Entwicklung äußern, unterstrich aber noch einmal, dass es bis Ende des Jahres eine konkrete Lösung geben müsse, wenn sich die Städteregion beteiligen soll. Immerhin ist der Städteregionsrat aber optimistisch, dass das gelingen könnte: „Wir sind wirklich in konstruktiven Gesprächen.“ Offen bleibt somit vorerst auch, in welcher Form sich die Städteregion beim Bau einer Multifunktionshalle einbringen könnte.

Klarer ist unterdessen der weitere Weg, der in den Erwerb des Polizeipräsidium-Areals münden soll. Im dritten Quartal, kündigt Silke Schenck an, wird es ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren geben. „Danach erscheint eine Veräußerung unmittelbar an die Stadt Aachen möglich.“

Mehr von Aachener Zeitung