Aachen: Jetzt wird es ganz schön „Schreech”: „rohestheater” feiert Premiere

Aachen: Jetzt wird es ganz schön „Schreech”: „rohestheater” feiert Premiere

Es fängt alles ganz harmlos an. Gemütlich trudeln die vier Protagonisten in ihrem Proberaum ein. Nicht jeder ist gleich bei der Sache: Einer fegt zunächst den Raum, ein anderer widmet sich lieber dem Waffelteig als seinem Text. Doch als der Einsatz ertönt, beginnen die Proben zum Theaterstück - Theater im Theater also.

Die Regisseurin Sarah Mehlfeld hat sich aus den Romanen „Alice im Wunderland” und „Hinter den Spiegeln” von Lewis Carroll bedient. Neues gibt es für das Publikum jedoch allemal zu sehen, nicht zuletzt eine Alice, die von vier Männern abwechselnd gespielt wird. Überhaupt sucht man vergebens nach festen Rollen in Carrolls neu aufgelegter Geschichte. Der Zuschauer muss sich von Szene zu Szene neu auf die Interpretation der Charaktere einstellen. Angesichts der vielfältigen Situationskomik rückt das aber in den Hintergrund.

Eine Ebene zurückgeworfen

Umso überraschender erscheinen die Unterbrechungen im Stück, wenn der Zuschauer eine Ebene zurückgeworfen wird und sich plötzlich in der Anfangsumgebung wiederfindet. Von einer Sekunde zur nächsten verwandeln sich Alice und das weiße Kaninchen zurück in die vier jungen Männer, die an ihrem Theaterstück arbeiten, für das ihnen einfach nicht der richtige Titel einfallen will.

Noch ist das Stück nicht fertig, an verschiedenen Stellen wird improvisiert. Die Schauspieler haben Selbstzweifel, streiten sich, sind kurz davor alles hinzuschmeißen, lassen sich nur allzu schnell ablenken und rappeln sich dann doch wieder auf, um die nächste Szene zu proben.

Bei jedem Probenabschnitt tauchen die Männer tiefer in das Stück ein und haben zunehmend Schwierigkeiten, den Weg zurück in die Realität zu finden - ja überhaupt zwischen Realität und Spiel zu unterscheiden. Unter die lustige Grundstimmung von „Schreech” mischt sich nun Besorgnis um die Männer, die sich immer hemmungsloser in ihr Schauspiel hineinsteigern und dabei die Grenzen zur Irrationalität überschreiten. Zum Äußersten kommt es während der finalen „Teeparty”, bei der einmal mehr deutlich wird, wie nah Komik und Tragik oft beieinander liegen.

Debüt am Regiepult

Mit der Premiere von „Schreech” in der Mies-van-der-Rohe-Schule feierte Mehlfeld ihr Debüt als alleinige Regisseurin. Das „rohestheater” präsentiert erneut ein sehenswertes, kreatives Stück mit Timo Schmitz, Gerhard Gumprecht, Stefan Schilling und Dirk Thal in den Hauptrollen. „Es ist schön zu sehen, dass die Leute über das lachen, woran wir ein Dreivierteljahr gearbeitet haben”, freut sich Mehlfeld. Das Stück ist noch am 7., 8. und 9. Juni jeweils um 20 Uhr zu sehen.

Mehr von Aachener Zeitung