1. Lokales
  2. Aachen

Jessica von Hertzberg aus Aachen spendet Stammzellen

Stammzellen-Spende : Wichtige Hilfen über alle Grenzen hinweg

Neben den weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus finden weiterhin die lebensnotwendigen Stammzellentnahmen statt – denn Blutkrebs macht keine Corona-Pause. Wie die Spende auch zu Zeiten der Corona-Krise erfolgt, zeigt das Beispiel von Jessica von Hertzberg aus Aachen.

Im Februar 2020 erfuhr die junge Frau, dass sie als Spenderin für einen Blutkrebspatienten in Frage kommt. Für die 27-Jährige ist es selbstverständlich zu helfen, auch in Zeiten des Coronavirus. Und so sagte sie die Spende gerne zu.

Doch ganz unbeeinflusst von dem Corona-Virus blieb ihre Spende nicht. Ursprünglich war von den Ärzten geplant worden, dass Jessica Knochenmark entnommen werden sollte. Alle nötigen Voruntersuchungen waren gemacht worden und der Termin war bereits auf Ende März festgelegt. Mit einem Anteil von 75 Prozent vermittelt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Spenden an Patienten im Ausland. Mittlerweile weiß Jessica, dass ihre Spende an einen Mann aus Brasilien ging.

Die Grenzschließungen und Flugausfälle, die viele Länder wegen der Corona-Krise vornehmen, stellt auch die DKMS immer wieder vor neue Herausforderungen. So war auch in Brasilien nicht klar, ob Jessicas Spende auf direktem Wege ankommen würde. Bevor ein Patient eine Spende erhält, wird sein gesamtes Immunsystem heruntergefahren. Diese Maßnahme ist notwendig, aber auch lebensbedrohlich, sollte im Anschluss keine Spende stattfinden.

In Jessicas Fall entschieden sich die Ärzte etwa eine Woche vor ihrer Spende dazu, anstatt Knochenmark zu entnehmen, eine periphere Stammzellspende durchzuführen, um besser auf spontane Einreiseänderungen in Brasilien reagieren können.

Die DKMS empfehlt aktuell, ebenso wie die meisten internationalen Stammzellspenderdateien und Fachgesellschaften, dass nach Möglichkeit vor Beginn der Patientenkonditionierung Stammzellspenden von unverwandten Spendern kryokonserviert werden sollten. Unter „Kryokonservierung“ versteht man das Aufbewahren von Zellen oder Gewebe durch Einfrieren in Stickstoff. Dies ist zum Beispiel ein gängiges Verfahren für Nabelschnurblutspenden. Dadurch ist gesichert, dass das Spendertransplantat am vorgesehenen Tag für die Transplantation auch wirklich zur Verfügung steht.

Im Vorfeld der Spende versuchte sich Jessica zu schützen, um eine Corona-Infektion zu vermeiden. Jessica arbeitet in einem Wohnheim für Erwachsene mit Behinderungen. Dort wurden allgemeine Vorkehrungen gegen das Virus getroffen und abseits der Arbeit versuchte sie, sich möglichst wenig außerhalb ihrer Wohnung aufzuhalten.

Ursprünglich hatte sie vor, zu ihrer Spende in Köln mit dem Zug zu fahren. Doch da sie das Infektionsrisiko als zu hoch einschätzte, fuhr ihr Freund sie am Morgen der Spende mit dem Auto. Allerdings durfte ihre Begleitung sie nicht mit zur Spende begleiten, sondern musste im Warteraum bleiben. Das gehörte zu den Vorsichtsmaßnahmen der Klinik. Vor der Spende sollte Jessica einen Fragebogen ausfüllen, indem sie zu Krankheitszeichen von Covid-19 befragt wurde. Anschließend konnte es losgehen und ihr wurden über mehrere Stunden die Stammzellen aus ihrer Blutbahn entnommen.

Jessica freut sich, dass sie gerade in Krisenzeiten einem Patienten helfen konnte. Ihre Familie und auch die Bewohner des Wohnheims, in dem sie arbeitet, waren sehr interessiert an der Spende und sie bekam viel Anerkennung dafür. Doch für sie ist es selbstverständlich, Menschen in Not zu helfen.

Es gab keinen Moment, in dem Jessica die Spende nicht hätte machen wollen. Jetzt hofft sie, dass der Patient in Brasilien die Spende erhalten hat und möglichst schnell wieder gesund wird.

(red)