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Karneval und Corona: Jeckes Treiben streng nach Leitfaden

Karneval und Corona : Jeckes Treiben streng nach Leitfaden

Nein, dass es bis zum Höhepunkt des Straßenkarnevals im kommenden Februar kein Corona mehr oder bereits einen Impfstoff dagegen geben wird, glaubt AKV-Präsident Werner Pfeil nicht wirklich. Deshalb werde Karneval in Aachen in der kommenden Session eben anders gefeiert. Aber es wird gefeiert.

Das stand für die Öcher Jecken und den Aachener Karnevalsverein (AKV) bereits im Mai fest, als mit Guido Bettenhausen der designierte Aachener Karnevalsprinz vorgestellt wurde. Und während dieser inzwischen bereits die Hemden des – auf neun Mitglieder reduzierten - Hofstaats mit dem Prinzen-Logo bestickt, die Homepage fertiggestellt, die Orden und Pins entworfen sowie eine Sommerresidenz im CHIO-Sommergarten eingerichtet hat, verzichten Städte wie Mönchengladbach, aber auch Düren und Eschweiler komplett auf eine Tollität.

Doch wie, wo und mit wem die jecke Truppe in der Session Karneval feiern kann, dass wissen weder der designierte Prinz, noch AKV-Präsident Pfeil oder der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), Frank Prömpeler, ganz genau. Deshalb begrüßen die Aachener Karnevalisten auch, dass die Staatskanzlei einen landesweiten Leitfaden für Karnevalsveranstaltungen unter Corona-Bedingungen erstellen möchte.

„Das ist sicherlich sinnvoll“, meint Werner Pfeil, während sein präsidialer Kollege des AAK, Frank Prömpeler, dazu sagt: „Uns ist es lieber, dass geordnet gefeiert werden kann als ungeordnet.“ So erhofft er sich spätestens im September konkrete Aussagen in dem Leitfaden darüber, was im Karneval erlaubt ist und was nicht.

„Wenn ich sehe, dass private Feiern mit 150 Gästen wieder erlaubt sind, dann muss das doch auch im Karneval möglich sein. Viele kleinere Vereine haben doch gar nicht mehr Besucher“, sagt er. „Doch müssen dann 80 Besucher den Saal verlassen, wenn die Oecher Penn einmarschiert?“, fragt Prömpeler und hofft, dass solche Punkte in dem Leitfaden geklärt werden.

Die Planungen für die Sessionseröffnung, die der AAK nach den guten Erfahrungen der letzten Jahre erneut auf Sonntag, 8. November, vorziehen möchte, laufen laut Prömpeler unterdessen wie gewohnt, „aber alles unter dem Vorbehalt, dass es Einschränkungen geben oder auch eine kurzfristige Absage geben kann.“

Trotz oder gerade wegen der Unwägbarkeiten, die Corona mit sich bringt, fordert der AAK-Präsident seine rund 50 Mitgliedsvereine auf, mutig zu sein. „Vielleicht machen sie sich mal Gedanken, wie man Karneval auch feiern kann und probieren neue Formate statt der normalen Sitzung aus“, sagt Prömpeler. „Vielleicht kann man auch mal mit Tanzgruppe oder Spielmannszug vor ein Altenheim ziehen, oder man schließt sich mit mehreren Vereinen zusammen und organisiert eine gemeinsame Aktion“, schlägt er vor.

Zu neuen Formaten bei der Prinzenproklamation und der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ ist auch der AKV gezwungen. „Gemäß der Coronabedingungen planen wir die Prinzenproklamation am 8. Januar mit 420 Gästen im Eurogress“, kündigt AKV-Präsident Werner Pfeil an, ein entsprechendes Hygienekonzept inklusive. „Und das soll dann die Vorlage auch für die Ordensverleihung an Iris Berben am 30. Januar sein.“

Nach wie vor sei aber auch im Gespräch, die Proklamation gemeinsam mit Fastelovvendsschau der Prinzengarde, die im Jahr ihres 111-jährigen Bestehens den Karnevalsprinzen stellt, auszurichten. „Wir könnten uns aber auch vorstellen“, verrät Pfeil, „beide Sitzungen einzeln mit jeweils 420 Gästen auszutragen. So könnten mehr Karnevalisten in den Genuss einer Sitzung kommen.“ Dann würde die Prinzengarde einen Tag nach der Proklamation am Samstag, 9. Januar, im Eurogress feiern. Zudem sollen beide Sitzungen, die normalerweise mit jeweils rund 1400 Zuschauern ausverkauft sind, live im Internet übertragen werden.

Wie so viele andere müsse auch der AKV während der Coronavirus-Pandemie auf Sicht fahren. „Wir müssen einfach sehen, wie die Fallzahlen im Januar aussehen und was dann möglich ist.“ Denkbar sei auch, eine Warteliste zu erstellen, für den Fall, dass im Januar doch mehr als 420 Gäste zugelassen werden könnten.

Mit Blick auf die Sessionseröffnung oder die Umzüge kann sich Pfeil dezentrale Veranstaltungen, wie sie in Köln geplant seien, vorstellen. Der Jurist und FDP-Landtagsabgeordnete warnt davor, unvorsichtig zu werden. „Wir müssen da über vieles nachdenken“, sagt Pfeil. Auch über den Ausschank von Alkohol, auf den man unter Umständen verzichten sollte. Der AKV jedenfalls hat sämtliche Partyveranstaltungen wie After-Show-Partys und Empfänge bereits abgesagt.