Jahresausstellung „Die Pflanzenwelt auf dem Lousberg“

Ausstellung „Die Pflanzenwelt auf dem Lousberg“ : Als Napoleon die Schafsweide zum Berg-Park machte

Eines vorweg: Der Lousberg ist ein Park und kein Waldrücken. Das möchten Sibille Spiegel und Prof. Heinz W. Hallmann von der „Lousberg Gesellschaft“ gleich klarstellen. Die beiden arbeiten zusammen mit Martin Heinrichs vom „Sozialwerk Aachener Christen“ an einem, wie sie es nennen, „Berg-Park“, der neben eindrucksvollen Aussichtspunkten auch eine vielfältige Vegetation zu bieten hat.

Bei der diesjährigen Ausstellung „Die Pflanzenwelt auf dem Lousberg“ will die „Lousberg-Gesellschaft“ diese Vegetation in den Mittelpunkt rücken und über die Eigenheiten des vom Menschen geschaffenen Parks aufklären. Deshalb wurde Vegetationskundler Dr. Wolfram Kunick vor drei Jahren beauftragt, die Bäume, Wiesen und Pflanzen des Bergs genauer unter die Lupe zu nehmen. Kunick machte sich seitdem immer wieder auf den Weg rauf auf den Berg und entdeckte dabei ganz exotische Pflanzenarten: „Es war spannend zu sehen, wie die Flora zusammengesetzt ist. Von über 300 Arten sind rund 130 keine Pflanzen, die schon im 19. Jahrhundert auf dem Lousberg zu finden waren.“

Da nämlich, genauer gesagt 1807, erlebte der Lousberg, wie wir ihn heute kennen, seinen Startschuss. Auf Anweisung von Napoleon höchstpersönlich wurde aus einer kahlen Schafsweide Stück für Stück ein ansehnlicher Park. Die spätere Umsetzung der Ideen von Gartenarchitekt Maximilian Weyhe (1815) sind in den Alleen und Lindengruppen des Bergs noch heute erkennbar. Mit der Erweiterung des Parks um 1900 fanden auch exotische Laub- und Nadelbäume den Weg auf den Berg. So entstand aus der bewussten Bepflanzung und der natürlichen Weiterentwicklung der Flora der Mix aus heimischen und fremdländischen Pflanzen, den Kunick im Rahmen der „Pflanzenwelt auf dem Lousberg“ vorstellt.

Gleichzeitig dient die Ausstellung, die von der NRW-Stiftung unterstützt wird, auch als Appell. Spiegel spricht von einer „Anreicherung der Vegetation“, die in den kommenden Jahren notwendig sei, damit der Park weiterhin so schön und so gut besucht bleibe. Die Stadtverwaltung hingegen argumentiere in Bezug auf die gewünschte Flora-Ergänzung mit dem Schutz der Natur. Einer „Natur“, die rein geschichtlich gar nicht so natürlich ist und auch nur deshalb entstehen konnte.

Nun fragen sich Spiegel, Heinrichs, Hallmann und Kunick, die den Lousberg als dynamisches Denkmal sehen, wie sie mit der Stadt wortwörtlich auf einen grünen Zweig kommen könnten. Vielleicht bildet hier die Ausstellungseröffnung am Sonntag eine gute Gelegenheit zum Dialog. Der Eisbrecher stünde dann schon fest: „Der Lousberg ist übrigens kein Wald, sondern ein Park.“

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