Tod eines Säuglings in Alsdorf: Ist auch ein anderer Täter möglich?

Tod eines Säuglings in Alsdorf : Ist auch ein anderer Täter möglich?

Es war der Tag der medizinischen Gutachter im Prozess um den Tod des kleinen Ben aus Alsdorf. Der erst sechseinhalb Monate alte Junge war am 9. März in den Händen des Notarztes nach einem 43-minütigen Kampf gestorben.

Der 37-jährige Vater des Kindes ist wegen Kindestötung angeklagt, beteuert aber, er habe seinem kleinen Sohn nichts angetan.

Die Erkenntnisse der Rechtsmedizinerin lassen Grausames erahnen. Die Kölner Oberärztin Sibylle Banaschak machte am Freitag in ihrem Gutachten deutlich, dass die Kopfverletzungen des Babys von einer besonderen Massivität gewesen seien. Äußerlich sei der Leiche des verstorbenen Jungen nichts anzusehen gewesen. Erst ein CT des Kopfes, so Banaschak, habe eine Obduktion dringend angezeigt.

Sie ergab Schreckliches: Im Kopf des Kindes befand sich ein Ödem – eine bis zur Schädeldecke reichende Gehirnschwellung. Deren Ursache war „die Einwirkung stumpfer Gewalt“ auf die rechte Seite des Kopfes, beschrieb die Rechtsmedizinerin den Vorgang, der zu einer dann tödlichen Gehirnschwellung führte.

Die Gewaltanwendung habe einen Bruch des Schädels verursacht. Sie sei so stark gewesen, dass ein acht Zentimeter langer Riss der Schädeldecke zu verzeichnen war, ein Riss, der sich „über die Schädelnaht und den noch weichen Bereich der Fontanelle fortgesetzt habe. „Es war eine flache und gerade Gewaltanwendung, die auf die noch sehr bewegliche Schädelschale des Kindes einwirkte, sie war sehr erheblich“, sagte die Sachverständige.

Da der Angeklagte Vater am Tag vor dem Tod mit dem Kind alleine war – die Mutter musste zu einem kleinen Eingriff ins Eschweiler Krankenhaus – klagte ihn die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags an.

Doch ist die unzweifelhafte Gewalteinwirkung auf den Kopf des Kindes wirklich nur dem Zeitraum zuzuordnen, in dem der Vater mit dem Kind alleine war? Zu Klärungsversuchen zog das Gericht den Kölner Intensiv-Kinderarzt André Oberthür zu Rate. Er und die Rechtsmedizinerin datierten auf drängendes Nachfragen der Verteidigung hin den frühestmöglichen Tatzeitpunkt auf etwa 16 Uhr am Vortag des Todes, am Samstagmorgen starb das Kind. An diesem Vortag war der Säugling noch bei den Großeltern untergebracht, gegen 16.30 Uhr holte der Vater den Jungen ab.

Alles wird sich nun in den kommenden Verhandlungstagen um die eine Frage drehen: Gibt es medizinisch ein Zeitfenster, das einen anderen Täter als den Vater zulässt? Der Prozess wird am 28. August im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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