Aachen: Integration und Nachhaltigkeit: Honigproduktion für und mit Migranten

Aachen : Integration und Nachhaltigkeit: Honigproduktion für und mit Migranten

Auch wenn an diesem Tag noch keine einzige Biene zu sehen ist, sind diese doch wichtig für unsere Umwelt. Hans-H. Kasten vom Rotary Club Aachen-Frankenburg ist in großer Sorge, weil in China Pflanzen schon von Hand bestäubt werden müssten, da es dort nahezu keine Biene mehr gebe, wie er erklärt.

Und der Schwerpunkt der sozialen Arbeit des Rotary Clubs Aachen-Frankenburg liegt auf dem Feld der Flüchtlingshilfe. Mit dem Projekt „Bees for Refugees“ des Vereins der Bienenfreunde — Euregio Aachen e.V. werden beide Aspekte verbunden.

Damit das Projekt, das voraussichtlich in vollem Umfang Anfang April startet, überhaupt möglich ist, spendete der Rotary Club Aachen-Frankenburg 3000 Euro. Ziel des Projekts sei es, die Integration zu fördern und den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, dass sie, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, das erworbene Wissen auch einsetzten können, erläutert Tulga Tocsöz, Geschäftsführer des Vereins der Bienenfreunde.

In regelmäßigen Lehreinheiten bringen Experten den Flüchtlingen beispielsweise bei, welche Krankheiten Bienen bekommen können und welche Hygienevorschriften bei der Honigproduktion zu beachten sind. Zusätzlich gibt es Sprachunterricht. In Zweier-Teams kümmern sich die Flüchtlinge dann um jeweils ein Bienenvolk. Vom Spendengeld werden Behausungen für die Bienen gekauft, Bienenvölker und entsprechende Ausrüstung. Alles bleibt Eigentum des Vereins. „Wenn die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren, können andere mit dem Bienenvolk weiterarbeiten“, sagt Toksöz.

Damit Flüchtlinge überhaupt von dem Projekt erfahren, verteilt Toksöz Flyer in Flüchtlingsheimen und zentralen Anlaufstellen. „Die Zweier-Teams, die gebildet werden, sollen aus Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern bestehen“, betont Toksöz. Ihm ist das wichtig, da das Projekt auch die Kommunikation untereinander fördern soll. Teil des Projekts sind schon zwölf Flüchtlinge aus mehreren Herkunftsländern, unter anderem aus Afghanistan und Nigeria.

Aigbe Ben aus Nigeria nimmt schon an den Schulungen teil. Er erklärt, dass er das Projekt sehr interessant findet und möglichst viel über Bienen lernen will. In Deutschland sei das Imkereihandwerk besser als in Afrika. In seiner Heimat würde man die Bienen meistens verbrennen oder töten, um an den Honig zu kommen, schildert Ben. An dem Projekt, das dafür sorgt, dass die Bienen zukünftig auch noch an sonnigen Tagen unterwegs sind, können geflüchtete oder migrierte Menschen teilnehmen — aber genauso auch Bürger aus unserer Region. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

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