Instrumentalverein Eilendorf feiert 150-jähriges Bestehen

Jubiläum in Eilendorf : 150 Jahre alt, aber quicklebendig

Der Instrumentalverein Eilendorf begeht sein 150-jähriges Bestehen und das 50-jährige Bestehen seines Jugendorchesters. Zum Jubiläum gibt es im Mai ein großes Fest, natürlich mit viel Musik.

Als im Jahre 1869 der Nirmer Instrumentalverein gegründet wurde, hätten es sich die Gründerväter wohl nicht träumen lassen, dass ihre Nachfahren als Instrumentalverein Eilendorf (IVE) im Mai 2019 das 150-jährige Bestehen feiern würden. Nun aber wird es zum Jubiläum eine Riesenfete geben, bei der – wie könnte es anders sein – die Musik im Vordergrund steht.

Zum Auftakt des Jubiläums wird am Sonntag, 19. Mai, um 11.15 Uhr eine Festmesse in St. Severin gefeiert, die von dem befreundeten Musikverein Hahn musikalisch gestaltet wird. Ein Wochenende voller Musik erwartet die Eilendorfer dann von Freitag, 24. Mai, bis Sonntag, 26. Mai. Als Ausrichter des gleichzeitig stattfindenden Musikfests der Städteregion Aachen feiert der Instrumentalverein unter der Schirmherrschaft von Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp im und am Festzelt auf dem Vereinshof in der Nirmer Straße.

Am 24. Mai könnte man anlässlich des großen Jubiläumskonzerts, das um 19.30 Uhr stattfindet, frei nach Heinz Erhardt „noch’n Jubiläum“ sagen, denn das Jugendorchester des IVE blickt auf sein 50-jähriges Bestehen zurück und will sich natürlich in Hochform präsentieren. Die darf man aber ebenso beim Musikschulorchester, das wie üblich zum Auftakt spielen wird, und beim großen sinfonischen Blasorchester erwarten, wenn deren Mitglieder die Gäste zu einem Streifzug durch beliebte und allseits bekannte Melodien einladen.

Mit weiteren Highlights wird die Jubiläumsfeier am Samstag fortgesetzt. Dann gibt es für die Musiker Gelegenheit, an einem fünfstündigen Workshop „Leichte Musik“ teilzunehmen, in dessen Rahmen ein Projektorchester gebildet werden soll.

Unter der Leitung des Niederländers Peter Kleine Schaars, eines ausgewiesenen Kenners der Materie, ist es das Ziel, von ihm arrangierte leichte Stücke von Swing bis Big-Band-Stil zu interpretieren, die geschriebenen Noten musikalisch schön umzusetzen und einen tollen Klang zu entwickeln.

„Brings“ ist schon ausverkauft

Wer „Kölsch Rock“ sagt, muss auch „Brings“ sagen. Am Samstagabend wird die nicht nur im Karneval angesagte Kultband „us Kölle“ ab 20 Uhr das bereits ausverkaufte Festzelt in der Nirmer Straße rocken. Einlass ist bereits ab 18 Uhr, und bis zum Konzertbeginn von „Brings“ gibt es ein „Warm Up“ mit DJ Buchty.

Am Sonntag findet ab 11 Uhr ein musikalischer Frühschoppen statt, der von verschiedenen Musikvereinen der Städteregion gestaltet wird. Um 14 Uhr setzt sich dann am Vereinshaus in der Nirmer Straße ein großer Festzug in Bewegung, der mit sieben Musikkapellen und etlichen Eilendorfer Vereinen durch den Ortskern marschieren und gegen 15.30 Uhr wieder am Vereinshaus eintreffen wird. Gleich danach beginnt im Festzelt das Abschlusskonzert des Projektorchesters, in dem die Ergebnisse des Workshops präsentiert werden, ehe dann mit einer zwanglosen „After Party“ die Jubiläumsfeier ausklingt.

Höhen und Tiefen

Wie aus den Annalen des Instrumentalvereins hervorgeht, hatten die Musiker ihren ersten größeren Auftritt, als sie 1871 die aus dem Deutsch-Französischen Krieg zurückkehrenden Soldaten mit klingendem Spiel empfingen. Bereits 1870 hatte Hubert von Hoegen die Nachfolge eines Herrn Karnatz als Dirigent angetreten, eine Aufgabe, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1926 wahrnahm.

Auf dieser Aufnahme des Instrumentalvereins Eilendorf aus dem Jahr 1953 dominieren die Streicher das Orchester. Foto: Archiv IVE

In dieser Zeit wurden die Grundlagen für ein florierendes Orchester geschaffen, zu dem mittlerweile auch eine große Streichergruppe gehörte.Josef Kaussen, ein ausgezeichneter Musiker, der von 1926 bis 1939 die Stabführung hatte, führte das Orchester zu neuen Höhen, und es gab Aufführungen mit Werken der Klassik wie etwa Beethovens Sinfonien Nr. 1 und Nr. 5.

Im Jahr 1927 kam das Ende des Nirmer Instrumentalvereins, als er sich mit dem Musikverein „Germania Eilendorf“ zum Instrumentalverein Eilendorf 1869 zusammenschloss. Auch für den IVE bedeutete der Zweite Weltkrieg eine schmerzhafte Zäsur. Erst 1948 wurde er durch den Dirigenten Josef Beitz wiederbelebt, der bis 1972 die musikalischen Geschicke des Vereins leitete und eine Periode großer Erfolge einleitete. Dies wurde schließlich 1970 mit der Verleihung der Pro-Musica-Plakette durch Bundespräsident Gustav Heinemann gewürdigt.

Eigene Formen der Nachwuchsarbeit entwickelte der IVE bereits vor 50 Jahren mit der Gründung eines Jugendorchesters, aber vor allem mit der Einrichtung einer Musikschule im Jahre 1995, deren Konzept es ist, Kinder bereits im Kleinkindalter zunächst spielerisch in der musikalischen Früherziehung an die Musik und das Spielen eines Instruments heranzuführen.

Ein Konzept, das sich sehr bewährt hat, so dass der IVE heute 109 meist junge Musiker in drei Orchestern zählt, die auf hohem Niveau erfolgreich sind. Davon künden zahlreiche vordere Plätze bei Wertungsspielen etwa im Rahmen der Bundesmusikfeste wie zuletzt 2013 in Chemnitz unter Leitung der jetzigen Dirigentin Jonneke Hanssen-Moerke.

Aber natürlich ist der IVE keine elitäre Musiktruppe sondern Mitgestalter des Lebens im Stadtbezirk, was man beim Karnevalszug, bei Schützenfesten, der Eröffnung des Weihnachtsmarktes, den Martinsumzügen oder der Totenehrung am Volkstrauertag erleben kann. So zeigt sich der IVE auch 150 Jahre nach der Gründung als quicklebendig und bestens gerüstet auch die nächsten großen Jubiläen in 25 und 50 Jahren in alter Frische zu feiern.

Mehr von Aachener Zeitung