Aachen: Initiative: Polizei blockiert neue Konzepte für den Kaiserplatz

Aachen: Initiative: Polizei blockiert neue Konzepte für den Kaiserplatz

Sind die Tage, in denen der Kaiserplatz vor allem als politisch betonierte Plattform der Drogenszene identifiziert wird, endgültig gezählt?

Werden die Einrichtungen der Suchthilfe neu geordnet, um auf Basis der Städteregion „dezentralere” Strukturen aufzubauen - und so das Viertel vom explosiven sozialen Druck aus Prostitution, Dealerei und Vandalismus zu entlasten? Folgt man jüngsten Verlautbarungen der Initiative Kaiserplatz, so drängt sich der Eindruck auf. Umso massiver gerät Polizeipräsident Klaus Oelze einmal mehr in die Schusslinie der Bürger: Nach wie vor lehne der Behördenchef jegliche Veränderung vor Ort rundweg ab.

„Jetzt geht es endlich Schlag auf Schlag”, frohlockt der Vorsitzende der Initiative, Volkmar Klein, auf deren Homepage (www.kaiserplatz-aachen.de). Einhellig hätten die OB-Kandidaten aller Parteien jüngst bei einer Diskussion mit Schülern der Kaufmännischen Schule Beeckstraße bekundet, dass „die Drogenszene am Kaiserplatz untragbar” sei, und Maßnahmen zur Entschärfung der Lage in Aussicht gestellt.

Fest steht einstweilen allerdings nur soviel: Erstmals haben die OB-Kandidaten von SPD und Grünen, Karl Schultheis und Hilde Scheidt, vergangene Woche klar signalisiert, dass die Zustände rund um St. Adalbert nicht länger geduldet werden sollen. Und Oelze wies die Kritik der Initiative am Freitag auf AZ-Anfrage mit Nachdruck zurück: „Einzig und allein die Politik wäre für eine Verlegung der Hilfsangebote und damit auch die Verlagerung der Drogenszene verantwortlich.” Und: „Wenn die Politik mit einem alternativen Konzept auf uns zukommt und uns einbezieht, werden wir gern unsere Stellungnahme hierzu abgeben.” Bislang aber sei niemand in diesem Sinne an die Ordnungshüter herangetreten.

Ein solches Konzept freilich müsste auch eine klare Antwort auf die Frage enthalten, wie es zu verhindern sei, dass die Polizei die Abhängigen wieder gleichsam durch die halbe Stadt vor sich hertreibe, wie Polizeisprecher Paul Kemen jüngst unterstrichen hatte.

Und damit steht ein entscheidender Knackpunkt weiter im hart umfochtenen Raum rund um St. Adalbert. „Wir müssen auch über andere Standorte nachdenken”, bekräftigte Schultheis zwar einmal mehr gegenüber unserer Zeitung. Die entscheidenden Weichenstellungen dazu müssten möglichst rasch und im Schulterschluss mit den Kreisgemeinden erfolgen. „Wir sind dankbar, dass es bereits positive Signale aus dem Kreis gegeben hat.”

Allein: Zwar habe er „durchaus bereits einige Ideen”, wie dies erfolgen könne, ohne dass es abermals zur unkontrollierten Auflösung der Szene komme. Vernünftige Ansätze seien aber nur im Gespräch mit allen Beteiligten - Suchthilfe, Bürgern und Behörden - zu entwickeln. Schultheis: „Es geht nicht darum, irgendetwas zu zerschlagen, sondern um sachgerechte Lösungen im Sinne aller Beteiligten.”

Da mag CDU-Konkurrent Marcel Philipp freilich nicht widersprechen. „Das fordern wir seit Jahren und haben darüber immer wieder intensive Gespräche mit der Bürgerinitiative geführt. Aber jetzt posaunen SPD und Grüne etwas heraus, was so dünn ist wie Wasserbrühe. Schließlich hatten sie jahrelang Gelegenheit, an den untragbaren Zuständen etwas zu verändern. Von konkreten Ansätzen ist nach wie vor nichts zu sehen.” Und: „Diese reine Wahlkampf-Show machen wir jedenfalls nicht mit. Wir setzen auf vernünftige gemeinsame Lösungen - und dabei muss die Meinung der Bürger eine hohe Priorität erhalten.”