Aachen: Initiative: „Ich und meine Stadt - Zukunft gestalten“

Aachen: Initiative: „Ich und meine Stadt - Zukunft gestalten“

Wie sieht die Welt aus, in der ich zukünftig leben will? Diese Frage wirft die Initiative „Ich und meine Stadt — Zukunft gestalten“ des Landesverbandes der Volkshochschulen in Nordrhein-Westfalen auf.

Mit einer Ausstellung, Lesungen und der Homepage www.campus-fuer-nachhaltigkeit.de nimmt sich der Verband des Themas Nachhaltigkeit an. Die Ausstellung unter dem gleichnamigen Titel ist derzeit in der VHS Aachen zu sehen. Konzipiert hat sie der Künstler Andrés Ginestet.

Der gebürtige Katalane mit Wohnsitz in Wuppertal beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren in seiner Arbeit mit den Themen Gewalt, Frieden und Emanzipation. Als Friedensvermittler hat er die Krisenherde der Welt besucht. „Was unserer Gesellschaft fehlt, ist die emotionale Bildung“, ist er überzeugt.

Vom Kopf ins Herz

Gefühle sind auch das zentrale Thema seines Bildzyklusses. Sieben Tryptichen stellen im mittleren Teil jeweils einen Oberbegriff in Gestalt einer tanzenden Frau dar. Offenheit, Inspiration, Schöpfungskraft, Demut, Kommunikation, Glück und Emanzipation. Diesen Begriffen zugeordnet sind auf dem linken und rechten Flügel verschiedene Nachhaltigkeitsthemen, wie Raumplanung, Gesundheit, Umwelt. Die linke Seite zeigt jeweils die kommunale, die rechte die globale Ebene. Diese Seite zeigt auch an, wie viele Erden die Menschheit verbraucht, läuft alles so weiter wie bisher.

Die Reihenfolge, in der die Bilder angebracht sind, ist nicht beliebig. „Ohne die Demut läuft beispielsweise die Schöpfungskraft ins Leere, weil wir Begonnenes nie zu Ende führen könnten. Ohne Offenheit gibt es keine Inspiration“, so Ginestet. Bewusst hat er sich in der Gestaltung für ein entschleunigendes Konzept entschieden. „Je schneller Prozesse laufen, desto undurchsichtiger und auch gefährlicher werden sie. Das Thema Nachhaltigkeit fordert die Langsamkeit heraus. Der Betrachter braucht Zeit, um sich emotional und rational auf die Bilder und Texte einzulassen.

„Die längste Reise sind die 40 Zentimeter, die vom Kopf ins Herz zurückgelegt werden“, so Ginestet. Um seine Betrachter emotional zu erreichen, bedient sich Ginestet symbolischer Andeutungen. So tragen einige seiner Tänzerinnen die Gesichtszüge bekannter Schauspielerinnen. Die „Kommunikation“ etwa hat die Augen- und Nasenpartie von Liv Tyler, die „Emanzipation“ trägt die Züge von Uma Thurman. Jedem Tryptichon ist außerdem ein Begleittext zugeordnet.

Emotionaler Prozess

Mit seiner Gestaltung will Ginestet vor allem das jüngere Publikum ansprechen. „Ich möchte einen emotionalen Bildungsprozess in Gang setzen, je früher wir damit ansetzen, desto besser.“ Neben der Ausstellung, die zuvor unter anderem in Gelsenkirchen, Bonn und Bergisch-Gladbach gastierte, wird von einem Rahmenprogramm mit Lesungen begleitet. So ist am Mittwoch, 14. Mai, um 20 Uhr der SZ-Redakteur Franz Kotteder mit seinem Buch „Billig kommt uns teuer zu stehen“ zu Gast. Am Donnerstag, 15. Mai, wird der Autor Ulrich Grober den Begriff Nachhaltigkeit unter die Lupe nehmen.

Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundessstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai in der zweiten Etage vor dem Café in der Volkshochschule, Peterstr. 21-25, zu sehen. Der Zutritt zur Ausstellung sowie der Besuch der Lesungen ist kostenlos.

(kaa)
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