Aachen: Inge und Hubert Geulen: Plötzlich selbst im Rampenlicht

Aachen: Inge und Hubert Geulen: Plötzlich selbst im Rampenlicht

Stehende Ovationen. Minutenlang. 400 Gäste feiern Inge und Hubert Geulen, die Mullefluppet-Preisträger 2011, auf der Bühne des Saalbaus Kappertz. Zwei Menschen, die sonst andere auf die Bühne bringen.

Peter Alexander, Die Flippers, Harry Belafonte, Charles Aznavour - nur einige der internationalen Stars, die Hubert Geulen und seine Frau in ihr Saaltheater nach Eilendorf geholt haben. Nun stehen sie selber im Rampenlicht zwischen all den Gratulanten, lauschen dem Beifall. Sichtlich gerührt von so viel Zustimmung. Da fließt sogar das ein oder andere Freudentränchen.

Bevor das Ehepaar an diesem Punkt angelangt ist, durchlebt es Momente, die vielleicht zu den ungewöhnlichsten in ihrem Leben zählen dürften. Aber ein echter Mullefluppet hält das aus. So nahm Geulen es gelassen, als ihn das Kuratorium schon vor einigen Wochen aufs Glatteis führte. Das Saaltheater Geulen solle in ein Freudenhaus umfunktioniert werden, ließ man als Gerücht verbreiten. Geulens Telefone standen nicht mehr still.

Das Fernsehen stand gar vor seiner Tür. Er wusste freilich von nichts. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die in das Verwirrspiel eingeweiht war. Der Kultur-Veranstalter war am Ende umso überraschter, als das Kuratorium rund um AZ-Redakteur und Mullefluppet-Schöpfer Manfred Kutsch die Intrige auflöste, Hubert und Inge Geulen den Mullefluppet-Preis antrug.

Doch zurück zur Preisverleihung. Auch dort ist der mitunter schwierige Weg noch nicht zu Ende. Denn die Laudatio, die Manfred Kutsch im Saalbau Kappertz hält, lüftet das eine oder andere Geheimnis und beantwortet unangenehme Fragen: Wie ticken die beiden hinter dem Vorhang ihres Lebens? Wieso hat die sonst so lebenskluge Inge ausgerechnet den Hubert geheiratet? Was war da wirklich, als der damals noch junge Hubert Geulen bei Romy Schneider im Bett lag?

Kutsch plaudert aus dem Nähkästchen, über Inge und Hubert Geulen, die die Kriterien des Mullefluppets - Hilfsbereitschaft, Humor, Schlitzohrigkeit und Liebe zu Aachen - erfüllen: „Zwei Öcher Legenden erhalten heute den Mullefluppet-Preis. Zwei Menschen, die das Showbusiness nach Aachen brachten, lange bevor es das Eurogress gab. Zwei Gastgeber, die dem gesamten Spektrum unserer Gesellschaft eine Heimat gaben.”

Schon längst hat das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt die Herzen der Zuschauer im Saal erobert. Mit seiner persönlichen Dankesrede wird die Sympathie noch ein wenig größer. Während auf den beiden Leinwänden, die links und rechts neben der Bühne hängen, Bilder aus vergangenen großen Zeiten des Saaltheaters flimmern, kramt Hubert Geulen in seinen Erinnerungen. „D’r Jung ist verrückt geworden”, hat sein Vater mal zu ihm gesagt. Aber Geulen hat seinen Traum gelebt.

Er erinnert sich noch gut, als Udo Jürgens das erste Mal anreiste: „Ich weiß noch, Udo sagte: Die Häuser wurden immer kleiner, die Lichter immer dunkler. Wo hat mein Management mich da bloß hingeschickt?’” Nach Eilendorf. Daraus entstanden ist eine lange Freundschaft. Allein 40 Konzerte spielte Udo Jürgens im Saaltheater. Da ließ es sich der Star nicht nehmen, Hubert Geulen auch zum Mullefluppet-Preis zu gratulieren - per Videobotschaft. Ein Weltstar schickt persönliche Grüße in die „Kappertz-Hölle”. So etwas hat es noch nie gegeben.

Eine echte Sensation ist der Auftritt von „The Secrets”. Die Band war über zwölf Jahre lang fest am Saaltheater Geulen engagiert. Und steht bei der Preisverleihung nach 33 Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Bühne. Obwohl im Vorfeld relativ wenig Zeit zum Proben blieb, klingt das Ensemble, als hätten es nie aufgehört, miteinander Musik zu machen. „Wir sind praktisch von den Toten auferstanden - nur für euch, Inge und Hubert. Ihr wart mehr für uns. Wir waren ganz einfach gute Freunde. Das war eine geile Zeit”, sagt Klaus-Walter Kern, bevor „The Secrets” zu ihren originalen (!) Instrumenten greifen und jene legendäre Melodie spielen, mit der sie vor Jahren die Gäste bei Geulen begrüßten. Am Schlagzeug verstärkt wird das Trio - Klaus-Walter Kern, Mike Steinhammer und Schorsch Slomka - von René Brandt, seit Jahren ständiges Mitglied der Mullefluppet-Combo. Den Familienbanden sei Dank: Brandt ist der Schwiegersohn von Keyboarder Kern.

Das fast dreistündige Programm ist eine liebevolle Hommage und ein besonderes Dankeschön an die Preisträger, die Eilendorf für internationale Stars schmackhaft machten. Randvoll mit Lokalkolorit, abwechslungsreich, überaus bunt und liebenswürdig. Das Publikum ist begeistert. Nicht nur von den sympathischen Preisträgern. Auch vom Moderatoren-Duo Manfred Kutsch und dem Aachener Kultur-Veranstalter Christian Mourad, das flott durch das Programm führt. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, diesen Abend zu einem ganz besonderen zu machen.

Beim Duo „Grosjean und Hermanns” alias Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur der Aachener Zeitung, und Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters - in dieser Konstellation übrigens ohnehin nur beim Mullefluppet zu sehen -, sitzt jede Pointe. Das Kuratorium selbst setzt sich auf der liebevoll dekorierten Bühne, auf der die Konterfeis all jener Stars zu sehen sind - von Karel Gott bis Howard Carpendale -, die in Eilendorf auftraten, gekonnt in Szene.

Zum großen Finale stehen alle Beteiligten wieder auf der Bühne. Mittendrin die Preisträger Inge und Hubert Geulen, immer noch sichtlich gerührt von so viel Zuspruch. Sie genießen, ganz ohne zu mullen. Aber so fluppt et ja auch, wa!