Aachen: Inda-Gymnasium: Schüler beschäftigen sich mit den Heiligtumsfahrten

Aachen: Inda-Gymnasium: Schüler beschäftigen sich mit den Heiligtumsfahrten

Tuchheiligtümer — was ist das eigentlich? Und warum werden diese nur alle sieben Jahre ausgestellt? Diese Fragen beschäftigten die Schüler des Inda-Gymnasium in den letzten Wochen. Der Grund: Als erste Schule probierten einige Kurse des Gymnasiums das „Reisepaket Glaubensstoff“ aus.

Das Buch erzählte ihnen von der Geschichte und Bedeutung der neun Tuchheiligtümer in Aachen, Kornelimünster und Mönchengladbach — passend zur Heiligtumsfahrt im Sommer.

Im Gegensatz zu seinem Zwilling, dem „Reisebuch“ enthält das „Reisepaket“ didaktische Hinweise, und die einzelnen Kapitel lassen sich herausnehmen. Vier Gruppen aus den Jahrgangsstufen 6 bis 12 testeten die Arbeit mit dem Buch im Religionsunterricht. „Wir möchten auch Lehrer aus Nachbarschulen anregen“, sagte Maria Cremers, eine der vier Autoren.

Die Ergebnisse des Inda-Gymnasiums konnten sie sich während einer Präsentation direkt schon mal anschauen. „Meine 6. Klasse hat direkt gefragt, ob wir da auch noch was zu machen“, erzählte Doris Nellessen-Wefers, Fachvorsitzende für katholische Religion am Inda-Gymnasium. Die Sechstklässler wurden nämlich selbst von den Oberstufenschülern für deren Filmprojekt zu den Heiligtümern befragt. Und wurden neugierig. Die Schüler der Jahrgangsstufe 12 haben in ihrem Kurzfilm erst den jüngeren Schülern die Gelegenheit gegeben, Fragen zu den Tuchheiligtümern zu stellen. Anschließend haben sie Experten wie den Propst Dr. Ewald Vienken dazu befragt.

Vor sieben Jahren sind die Oberstufenschüler bereits als Fünftklässler zum Aachener Dom gepilgert, auch jetzt beschäftigt sie wieder die Heiligtumsfahrt im Jahr 2014. „Zwischendurch hatten wir eine kleine Krise und haben uns gefragt, ist das Thema nicht zu weit weg“, berichtete Nellessen-Wefers. Denn die Schüler diskutierten weit über die eigentlichen Tuchheiligtümer hinaus. Die 6. Klasse hat sich zum Beispiel mit der Fußwaschung beschäftigt. Welche Gedanken gingen vielleicht den Strafgefangenen durch den Kopf, während Papst Franziskus ihnen die Füße wusch? Die Siebtklässler schrieben „Elfchen“, kleine Gedichte aus elf Wörtern zu den Reliquien. Ein etwas dunkleres Thema beschäftigte die 10. Klasse: Sie analysierten die „Stalingrad-Madonna“, eine Madonnenzeichnung, die 1942 in der Schlacht um Stalingrad entstand. Auch heute noch gebe es Menschen, die Mut und Hoffnung nötig haben. Andere Schüler schrieben Essays zum Thema „religiöse Sehnsucht“. Sie waren sich einig — auch in einer sich wandelnden Welt bedeute für sie religiöse Sehnsucht die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander und etwas, was einem Hoffnung gibt.

„Ihr habt ganz viel Lebensstoff in unseren Glaubensstoff gebracht und dafür danken wir euch“, sagte Autorin Maria Cremers. Die Sorge, dass die Themen sich zu weit vom buchstäblichen Glaubensstoff entfernt hat, brauchten sich die Lehrer also gar nicht machen. „Wir sind wirklich begeistert, was die Schüler auf die Beine gestellt haben“, bekräftigte der Autor Rainer Oberthür.