Aachen: „In der Pratsch“: Schwarz-gelb, frech und vor allem unorthodox

Aachen: „In der Pratsch“: Schwarz-gelb, frech und vor allem unorthodox

Warum jetzt? So mögen sich viele Alemannia-Fans angesichts der neuen Ausgabe des Fanmagazins „In der Pratsch“ fragen. Die Antworten geben die Autoren sofort, weil „bei unserer abgemergelten Tante Alemannia mal wieder kräftig Tamtam in der maroden Hütte ist“.

Dass dabei auf dem Titelbild mit Tobi Mohr ausgerechnet einer der wenigen fußballerischen Lichtblicke abgebildet ist, habe keine tiefere Bedeutung.

Wie üblich wird nicht jedem der Inhalt des (Non-Profit-)Magazins gefallen — und das ist Grundprinzip seit dem ersten Erscheinen. Einen Schwerpunkt bildet der gescheiterte Versuch, mit dem Gespann Benbennek/ Klitzpera eine neue sportliche Führung zu installieren. Ein Nachteil ist zugleich ein Vorteil: Offensichtlich haben viele Spieler aus dem Nähkästchen geplaudert — dies aber inkognito. Wäre interessant zu wissen, wer was gesagt hat. Aber genau das hätte den Informationsfluss versiegen lassen. Die Darstellung der sich verhärtenden Fronten zwischen Mannschaft und sportlicher Führung wird überaus detailfreudig dargestellt, im permanenten Hin und Her zwischen Führungsspielern und Gremien. „Die Meuterei“, so der Name des Kapitels, erhellt den auch in der Alemannia-Geschichte kaum vergleichbaren Konflikt bis zum Ende im Chaos. In ganz schlechtem Licht erscheint dabei Trainer Benbennek.

Zwischen den Hauptkapiteln gibt es eine überaus witzige Darstellung von „Ballfahrtsorten“. Fotograf Carl Brunn hat sich dazu auf das inzwischen bebaute Gelände des alten Tivolis begeben und Stellen historischer Spielszenen festgehalten. Zum Beispiel den Quadratmeter zwischen zwei Gullideckeln, vom dem aus 2004 Stefan Blank den Ball an Oliver Kahn vorbeidrosch, oder den Vorgarten, in dessen Vorgänger 1997 Mario Krohm im legendären „Ballwurf“-Spiel im Pokal an Waldhof Manheim scheiterte.

Inhaltliches Highlight der Ausgabe ist das Interview mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Christian Steinborn, der es „nach wie vor als Ehre empfindet, für diesen Verein tätig sein zu dürfen“. Er will nicht „länger auf alten Kamellen herumkauen“. Steinborn räumt ein signifikantes Defizit ein, das aber gegenfinanziert sei. Kern des Beitrags ist die Frage eines möglichen Investors, dem Steinborn offen gegenübersteht — nicht zuletzt, wenn die grundsätzliche 50+1-Regel zu den Fremdanteilen an einem Verein einmal kippt. Es dürfte spannend für den Fan werden.

Erhältlich ist das Fanmagazin bei: Buchhandlung Gerhards, In der Schaf 14, Baesweiler; Bürobedarf Kogel, Hauptstraße 17, Simmerath; „Dumont“, Zollernstraße 41, Aachen; Mayersche Buchhandlung, Buchkremerstraße 1-7, Aachen, Moonen, Peterstraße 20-24, Aachen; Tabak Jurewicz, Bismarckstraße 107, Aachen.

(hpl)