In Aachen werden E-Scooter zentral und mit grünem Strom geladen

E-Scooter in Aachen : Das Verteilystem muss sich noch warmrollen

Finden, fahren, parken: So geht der neue E-Scooter-Trend

Seit knapp einer Woche gehören auch in Aachen E-Tretroller zum Stadtbild. Der Ansturm auf die lachsfarbenen Flitzer war gerade in den ersten Tagen so groß, dass das Aachener Start-up UZE Mobility mit dem Einsammeln und Aufladen der Fahrzeuge gar nicht hinterherkam.

Im Hochschulviertel musste man am Mittwochnachmittag schon etwas länger suchen. Nur vereinzelt standen einige der lachsfarbenen E-Scooter bereit, um ihre „Gäste“ von A nach B zu bringen. Ganz anders in der Innenstadt und im Frankenberger Viertel: Wer hier mit einem elektrisch betriebenen Scooter losrollen wollte, hatte eine große Auswahl. Vor ein paar Tagen sah das noch anders aus. Vor allem am Wochenende und auch noch am Montag machten sich die Voi-Scooter rar. Ein Blick in die App des skandinavischen Unternehmens zeigte: Von den 300 E-Tretrollern standen zeitweise nur 50 zur Verfügungen. Der Grund: Das Unternehmen UZE Mobility kam mit dem Aufladen nicht hinterher.

Das Aachener Start-up ist für die Verfügbarkeit der E-Scooter verantwortlich. Es sammelt abends Fahrzeuge mit niedrigem Ladestand ein, lädt sie in einer zentralen Halle auf und verteilt sie am nächsten Morgen wieder in der Stadt. In Aachen geht man mit diesem Modell bewusst einen anderen Weg als in Städten wie Köln oder München. Dort sind sogenannte Juicer oder auch Hunter unterwegs. Sie sammeln auf selbstständiger Basis E-Tretroller ein und laden die Akkus zu Hause auf – mit dem eigenen Auto und dem eigenen Strom. Bezahlt werden sie pro aufgeladenem Roller. Die Kosten für Sprit und Strom zahlen sie selbst.

In Aachen hingegen werde alles „aus einer Hand“ eingesammelt, betont Sebastian Thelen. Der Geschäftsführer und Mitbegründer von UZE Mobility legt Wert darauf, dass man in Aachen in Zusammenarbeit mit der Stadt und Voi auf ein „komplett nachhaltiges Konzept“ setze. Ein fester Mitarbeiterstamm transportiert abends die E-Tretroller mit elektrisch betriebenen Streetscootern. Und der Strom, der am Ende in den lachsfarbenen Flitzern lande, sei selbstverständlich auch grün. Passend dazu haben die Verantwortlichen auch den Namen für das Projekt gewählt: „The green hunter“ – zu deutsch: der grüne Jäger.

Zentraler Ladeort für die E-Scooter: Niklas Lindholm vom Aachener Start-up UZE Mobility koordiniert die Logistik rund um die elektrisch betriebenen Fahrzeuge. Foto: ZVA/Harald Krömer

Und die haben seit Freitag ganz schön viel zu tun. „Der Ansturm war größer, als wir gedacht hatten. Wir haben es gar nicht geschafft, so viele E-Scooter einzusammeln“, räumt Thelen im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Mittlerweile habe man jedoch einen Rhythmus gefunden, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Die verregneten Tage dürften ihr Übriges dazu beigetragen haben. Trotzdem suche das Unternehmen weiter händeringend nach Studenten und Hilfskräften, die das „The green hunter“-Projekt unterstützen wollen – zwar nicht unbedingt als festangestellte Mitarbeiter, aber zumindest auf Stundenbasis.

Die Zwischenbilanz fällt positiv aus

Alles in allem zieht Sebastian Thelen eine überaus positive Bilanz: „Wir sind überrascht, wie diszipliniert die Aachener sind“, sagt er mit Blick auf die Orte, an denen seine Mitarbeiter die E-Scooter einsammeln. Im Gebüsch sei zwar auch schon mal ein Gefährt gefunden worden. Doch davon abgesehen habe man noch keine außergewöhnliche Fundorte zu vermelden. Ein Blick in die App zeigt jedoch: Auch außerhalb der offiziellen Parkzone werden immer mal wieder verfügbare E-Tretroller angezeigt. Und auch in den Sozialen Netzwerken wird heftig und kontrovers über die Fahrzeuge diskutiert.

Nicht nur die Aachener beobachten offensichtlich genau, wie die elektrisch betriebenen Flitzer in der Kaiserstadt an den Start gehen. Auch darüber hinaus sei die Aufmerksamkeit groß, weiß Thelen. Mit Blick auf das „The green hunter“-Projekt sei Aachen nämlich Referenzstadt. „Das gibt es in dieser Form mit grünem Strom noch nicht“, so der gebürtige Aachener. Sobald die Prozesse hier eingeübt seien und sich bewährt hätten, wolle man das nachhaltige Konzept dann in andere Städte tragen.

Mehr von Aachener Zeitung