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In Aachen haben einige Straßenschilder bald Untertitel

Straßennamen auf Öcher Platt : Über die Tolbetstroeß in Richtung Kriem

Auf ein Bier in die Ponk oder doch eher shoppen in der Tolbetstroeß? Wer an dieser Stelle nur Bahnhof versteht, für den hat der Verein Thouet-Mundartpreis bald eine Lösung. 17 Straßen im Innenstadtbereich sollen Untertitel auf Öcher Platt erhalten.

Die Tolbetstroeß hat auch schon bessere Tage gesehen. Dafür ist der Pärvesch so schön wie eh und je. Auch auch die Kriem kann sich durchaus sehen lassen. Wer an dieser Stelle nur Bahnhof versteht, gehört vermutlich einer von zwei Gruppen in Aachen an: den Zugezogenen oder der jüngeren Generation Öcher Mäddchere und Jonge, bei der die Mundart zunehmend in Vergessenheit gerät.

Eine nicht nur sprichwörtliche Orientierungshilfe in Sachen Öcher Platt will der Verein Thouet-Mundartpreis mit „untertitelten“ Straßenschildern umsetzen. Für insgesamt 17 Straßen im Innenstadtbereich sind Ergänzungsschilder auf Öcher Platt geplant. Dann dürfte auch jedem sofort klar sein, dass mit Tolbetstroeß selbstverständlich die Adalbertstraße gemeint ist, und dass der Puppenbrunnen in der Kriem, der Krämerstraße, zu finden ist, nur einen Steinwurf vom Domhof (Pärvesch) entfernt.

Geboren wurde die Idee in Süddeutschland, berichtet Ägid Lennartz, Vorsitzender des Vereins Thouet-Mundartpreis, auf Anfrage unserer Zeitung. Im Freiburger Raum habe er vor rund drei Jahren gesehen, dass viele Straßenschilder durch Schilder in Mundart ergänzt werden. Auch in den Niederlanden, in Belgien und im Eifelstädtchen Monschau finden sich ähnliche Beispiele. „In Aachen gibt es so schön klingende Straßen auf Öcher Platt“, schwärmt er. Diese sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Im vergangenen Jahr hatte Lennartz die untertitelten Straßenschilder erstmals in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte vorgestellt – zur einhelligen Begeisterung der Bezirksvertreter. Am Mittwoch, 6. Februar, soll das Konzept beschlossen werden (17 Uhr, Sitzungssaal des Rates). Die Kosten für das Unterfangen übernimmt der Mundartverein.

Mit dem Thouet-Mundartpreis setzt sich der Verein für den Erhalt des Aachener Dialekts ein und zeichnet jedes Jahr einen Botschafter der Mundart aus, zuletzt Elfriede Schultz. „Über Zuspruch können wir uns eigentlich nicht beschweren“, sagt Lennartz. „Doch wir würden das Publikum gerne etwas verjüngen.“ Der Vorsitzende hofft, nicht zuletzt mit den Straßenschildern wieder mehr Menschen fürs Öcher Platt interessieren zu können, und zwar nicht nur Einheimische, sondern auch Auswärtige wie Studenten und Touristen.

Wie genau die Schilder aussehen werden, das wird sich am Mittwoch entscheiden. Während der Thouet-Mundartpreis schwarz-gelbe Schilder favorisiert, empfiehlt die Verwaltung eine blau-weiße Farbgebung. „Eine Ausführung in Gelb-Schwarz bzw. Schwarz-Gelb würde nach Ansicht der Abteilung Stadterneuerung und Stadtgestaltung des Fachbereiches Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen zu einem unruhigen und unübersichtlichem Erscheinungsbild der innerstädtischen Ausschilderung führen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. „Damit würde diese Ausführung aus stadtgestalterischer Sicht auch der in Aachen gewünschten Leitlinie qualitätsvoller und möglichst einheitlicher Gestaltung der Straßenräume entgegenstehen, wie sie auch im Gestaltungshandbuch Aachen verankert ist.“ Rechtlich sei schwarze Schrift auf gelben Grund jedoch möglich.

Ob blau oder gelb: Lennartz freut sich auf ein Straßenschild ganz besonders: die Rommenejjjäjßje. Mit fünf „j“ werde das Schild für die kleine Romaneygasse zwischen Hof und Hühnermarkt fast schon länger als die Straße selbst, scherzt der Vereinsvorsitzende. Und vielleicht führt allein die Herausforderung dieses Zungenbrechers dazu, dass sich in Zukunft wieder mehr Menschen in Aachen am Öcher Platt versuchen.