In Aachen erhält Hugo Horiot den Euregio-Schüler-Literaturpreis 2019

Euregio-Schüler-Literaturpreis : Preisträger Hugo Horiot plädiert für das Recht aufs Anderssein

Die Jugend liest, singt, musiziert, komponiert und hält engagierte Reden. Dies belegt der Euregio-Schüler-Literaturpreis des Vereins „EuregioKultur“, mit dem Hugo Horiot am Donnerstagabend im Ballsaal des Alten Kurhauses für sein autobiografisches Werk „Der König bin ich“ ausgezeichnet wurde.

Außergewöhnlich ist der Preis, weil er rund 300 Schülerinnen und Schüler aus 17 Städten in der Euregio animiert, sechs Bücher zu lesen, miteinander über ihren literarischen Wert zu streiten und sich schließlich auf einen Autor als Preisträger zu einigen. „Sie beschäftigen sich mit Literatur und erfahren so sehr viel über die Menschen in den Nachbarländern“, erklärte Hildegard Kaluza, Leiterin der Abteilung Kultur im Kultur- und Wissenschaftsministerium NRW, in Vertretung für Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

In diesem Jahr konnte Horiot die Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren am meisten überzeugen. Sie gaben dem französischen Schriftsteller und Schauspieler mit Asperger-Syndrom den Zuschlag für den mit 5000 Euro dotierten Preis.

Tanja Wansel von der Sparkassen-Bürgerstiftung für die Region Aachen, die den Preis für den Autor und die Übersetzung ins Deutsche finanziert, vertraut nicht erst seit diesem Jahr auf das Urteil der Schüler-Jury: „Ihr habt immer ein untrügliches Gespür für das beste Buch.“ Horiot habe die jungen Menschen überzeugt, „weil er sich aus dem Anderssein befreit, seine Besonderheit aber zugleich bewahrt“. Gerade das beschäftige Jugendliche.

Kein schnelles Urteil über Menschen erlauben

Die Schülerinnen und Schüler überzeugte zum einen Horiots fesselnde Sprache, die den Leser authentisch und nachvollziehbar, ehrlich und direkt in das Leben des vierjährigen Hugo mitnehme. „Mit einem Gehirn eines Erwachsenen, der die Betrügereien und Winkelzüge genau durchschaut“, wie die Laudatorinnen berichteten. „Er macht uns klar, dass wir weniger schnell urteilen sollten über Menschen und Taten“, sagte Iris Troost vom Stella Maris College aus dem niederländischen Meerssen.

Und Anna Ulrich vom Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg meinte: „Es ist eine Abrechnung mit den Barrieren der Gesellschaft.“ Emy Stassen vom Lütticher Collège Saint-Louis lobte Horiots Mut, seine geheimsten Gedanken dem Leser zu offenbaren. „Damit macht er uns zu Komplizen, denn wir können seine Gefühle teilen.“

Horiot spürt diese Solidarität: „Schreiben ist ein Akt des Widerstands gegen Mittelmäßigkeit, Barbarei, Dummheit, Dogmen, Intoleranz und Ignoranz. Anderssein betrifft jeden von uns“, erklärte der Preisträger in seiner Dankesrede.

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