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In Aachen bedienen sich Vermieter auch unlauterer Mittel

Erhöhung und Kündigung : Mieterschutzverein Aachen mahnt zur Vorsicht

„Im Moment wird alles versucht“: Das sagt der Mieterschutzverein über den angespannten Wohnungsmarkt in Aachen. Denn längst nicht jede angekündigte Mieterhöhung oder Kündigung habe Hand und Fuß. Gerade Studenten, die erstmals allein wohnen, sollten vorsichtig sein.

Die Aussage ist klar, die Wirkung beim Adressaten nachhaltig: „Andernfalls kann die Mieterhöhung seitens des Eigentümers eingeklagt werden.“ Je nach Ausmaß kann eine so angekündigte Mietsteigerung schnell zur sprichwörtlichen Schnappatmung führen – erst Recht, wenn der Kenntnisstand des Mieters im Mietrecht ebenso gering ausfällt wie der monatliche Geldeingang auf dem Konto.

So war es zumindest bei Maike S. (Name von der Redaktion geändert) der Fall. Als die 22 Jahre alte Studentin jüngst diesen Satz in einem Schreiben einer Aachener Immobilienagentur las, war die Sorge groß. „Das kann ich mir nicht leisten. Ich muss ausziehen“, war der erste, verzweifelte Gedanke. So schildert es zumindest Maikes Mutter im Gespräch mit unserer Zeitung. Für eine junge Studentin sei eine Erhöhung der Kaltmiete von rund 350 auf 400 Euro – also um etwa 15 Prozent – nicht einfach wegzustecken.

Besonders perfide sei an diesem Sachverhalt aber vor allem eins: Die Mieterhöhung ist nicht rechtens, da bereits eine Staffelmiete vereinbart wurde. Pro Jahr erhöht sich die von Maike S. zu zahlende Miete demnach sowieso schon um zehn Euro. So steht es im Mietvertrag, der unserer Zeitung vorliegt.

Dass eine vertraglich vereinbarte Staffelmiete eine darüber hinaus gehende Mieterhöhung ausschließt, bestätigt Hans Knops, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Aachen, auf Anfrage unserer Zeitung. Zumindest sofern die Wohnung nicht modernisiert wurde. Und das sei bei der vorliegenden Wohnung im Aachener Süden nicht der Fall, wie Maikes Mutter beteuert. Sie vermutet dahinter Kalkül: „Wohnraum soll auf Kosten von Armen und Studenten teurer werden.“ Die Einverständniserklärung werde die Tochter auf Drängen der Mutter deshalb nicht unterschreiben. Und es im Zweifel darauf ankommen lassen, ob der Vermieter tatsächlich die angekündigten Rechtsmittel einlegt.

Dass der Vermieter im Fall von Maike S. offensichtlich versucht hat, eine unrechtmäßige Mieterhöhung durchzusetzen, überrascht Hans Knops nicht. „Im Moment wird alles versucht“, sagt er. Schließlich könne man in Aachen mit Wohnungen viel Geld verdienen. So würden aktuell etwa viele Kündigungen, zum Beispiel wegen vermeintlichen Eigenbedarfs, ausgesprochen, obwohl rein rechtlich dafür die Voraussetzungen nicht gegeben seien. „Das ist Methode“, betont Knops. Sein Rat lautet deshalb: einen kühlen Kopf bewahren und sich beraten lassen.

Das gilt insbesondere für junge Menschen, die wenig Erfahrung im Umgang mit Vermietern und Verträgen haben. Über den Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der RWTH Aachen können sich Studenten kostenlos beim Mieterschutzverein beraten lassen. Auch darüber hinaus bietet der Asta eine Wohnberatung an.

Dort landen sie in der Regel bei Saskia Wennmacher. Die Sozialreferentin des Asta im Studierendenparlament weiß, wie schwierig es für Studenten sein kann, eine Wohnung in Aachen zu finden. Vor allem bei ausländischen Studenten, die aus dem Ausland versuchen, eine Wohnung zu finden, sei zu beobachten, dass Vermieter „die schwierige Situation ausnutzen“, berichtet sie. Im Extremfall seien die Wohnungen dann oft in einem schlechten Zustand – oder existierten teilweise auch gar nicht. „Ein häufiges Problem ist auch, dass die Vermieterin oder der Vermieter von den Studierenden eine Kaution und eine Bürgschaft fordert, obwohl beides kombiniert nicht erlaubt ist.“ Angesichts der angespannten Wohnsituation in Aachen – vor allem zum Semesterbeginn – kämen dem viele nach, um überhaupt eine Wohnung zu bekommen.

Hat man die eigenen vier Wände endlich gefunden, sollte man laut Wennmacher den Mietvertrag genau prüfen: Wird eine Mindestmietdauer festgelegt? Dann sollte man sich am besten erneut auf die Suche begeben: „Bei solchen Verträgen kommt es häufig vor, dass die Miete viel zu hoch beziehungsweise die Wohnung in keinem ordentlichen Zustand ist“, spricht sie aus Erfahrung. Apropos ordentlich: Ein Übergabeprotokoll beim Einzug sollte auf jeden Fall angefertigt werden. Nur so könnten sich Mieter dagegen absichern, dass der Vermieter „im Nachhinein Geld von der Kaution für Schäden einbehält, die nicht existieren oder nicht von der Mieterin oder dem Mieter verursacht wurden.“