Im Schulausschuss der Städteregion wird hitzig diskutiert

Scharfer Disput im städteregionalen Schulausschuss : „Hier geht es doch nicht um Auschwitz!“

Als die ersten Bilder auf der Leinwand erschienen, kehrte Ruhe ein im Mediensaal des Städteregionshauses. Das Berufskolleg Herzogenrath präsentierte sein Filmprojekt „Bilder im Kopf“, in dem Schüler von ihren Erfahrungen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau berichteten.

Es waren beeindruckende und bedrückende Impressionen, die der Streifen dokumentierte. Und wohl auch deshalb erschien die einstündige Diskussion, die sich die Mitglieder des städteregionalen Schulausschusses zuvor geliefert hatten, in einem sehr ungünstigen Licht.

Ausgelöst worden war sie durch einen Antrag der FDP-Fraktion, die die Verwaltung auffordern wollte, ein Konzept zur Zwischenfinanzierung von Fahrten der städteregionalen Berufskollegs an Erinnerungs- und Gedenkstätten zu erarbeiten. Solche Fahrten werden seit dem vergangenen Jahr vom Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst

. Allerdings vergehen zwischen der Antragstellung und der Auszahlung mitunter Monate. „Und das kann für Berufskollegs, die oftmals keinen potenten Förderverein haben und wo die Eltern aufgrund des Alters ihrer Kinder selten eine enge Bindung zur Schule haben, ein großes Problem sein“, begründete Claudia Cormann den Vorschlag der Liberalen. Fahrten drohten auszufallen. Oder Lehrer müssten das Geld privat vorstrecken.

Auf positive Resonanz stieß der Antrag nicht bei allen Fraktionen. Während sich SPD, Linke und Piraten argumentativ der FDP anschlossen, lehnte sie die schwarz-grüne Mehrheit kategorisch ab. Und die Verwaltung hatte schon in ihrer Mitteilungsvorlage darauf hingewiesen, dass sie nicht zuständig sei, weil es sich um eine Angelegenheit des Landes handele. Auf dieser Basis wurden dann die Argumente ausgetauscht – und mit zunehmender Dauer des Disputes nicht nur die.

„Was hier vorgeschlagen wird, ist ein Systembruch“, bestätigte Wolfgang Königs (CDU) die Haltung der Verwaltung. Karin Schmitt-Promny (Grüne) verwies darauf, „dass hier andere Lösungen gefunden werden müssen“. Und ihre Fraktionskollegin und Ausschussvorsitzende Elisabeth Paul betonte: „Hier geht es nicht um Auschwitz, sondern um ein schulorganisatorisches Problem.“

Das brachte Doris Harst in Rage: „Was Sie hier vorbringen, ist heuchlerisch. Gerade in Zeiten zunehmenden Rechtsextremismus und Antisemitismus müssen wir doch solche Exkursionen zu Erinnerungsstätten unterstützen, wann immer wir können“, forderte die SPD-Sprecherin. Und fügte dann empört hinzu: „Schämen Sie sich!“

Nun sah sich Markus Terodde zur Intervention veranlasst: „Ich finde es nicht angemessen, wie über das Thema gesprochen wird“, warf der Dezernent ein. Und wies anschließend den Einwand der FDP zurück, dass die Bezirksregierung – anders als von der Verwaltung dargestellt – sehr wohl eine Zuständigkeit der Städteregion für die Zwischenfinanzierung festgestellt habe. Teroddes Kollege Nico Kosanke beließ es nicht bei diesem Hinweis: „Hier werden Dinge behauptet, die glatt gelogen sind“, echauffierte sich der Leiter des Schulverwaltungsamtes in Richtung der Freien Demokraten.

In der Sache blieben alle Fraktionen beharrlich. Was dazu führte, dass der Verwaltung nicht der von der Opposition geforderte Arbeitsauftrag erteilt wurde. Claudia Cormann zeigte sich enttäuscht: „Es ging doch nur darum, dass sie in Ruhe prüft, ob es eine Möglichkeit gibt, Schulen, die Probleme haben, die Kosten für solche Exkursionen vorzustrecken, bei der Überbrückung zu helfen.“

Unterdessen verließ Thomas Stephan sichtlich irritiert den Saal. „Es war in keiner Weise abgesprochen, dass unsere Schule hier als Grundlage für diese Diskussion dienen sollte“, betonte der Leiter des Berufskollegs Herzogenrath. Richtig sei, dass die Vorfinanzierung von Fahrten für viele Schulen eine Herausforderung darstelle. „Aber was uns angeht, haben wir eine gute Lösung gefunden, ohne dass ein Kollege privat ins Risiko gehen musste.“

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