Aachen: Im Parkhaus ist allzuoft Akrobatik gefragt

Aachen: Im Parkhaus ist allzuoft Akrobatik gefragt

Sabine Günther muss sich in die Enge getrieben fühlen. Viel Platz bleibt der Aachenerin im Parkhaus Büchel jedenfalls nicht. Links die graue Betonsäule, auf der rechten Seite ein Auto. Jetzt ist fahrerisches Können gefragt.

Rückwärts lenkt sie ihren Kleinwagen in die schmale Parklücke, haarscharf mit dem Außenspiegel am Beton vorbei. Die erste Herausforderung ist gemeistert, doch das nächste Problem steht sprichwörtlich vor der Tür.

Denn die Fahrertür lässt sich nur einen Spalt breit öffnen - schon titscht sie an das benachbarte Fahrzeug. „Das ist einfach besch... und super nervig! Man hat dauernd Angst, gegen ein anderes Auto zu stoßen. Die Plätze müssten viel breiter sein”, ärgert sich Sabine Günther. Und dann ist neben Fahr- auch noch Körperakrobatik gefordert, um sich durch den kleinen Spalt zu zwängen.

Die Größe der Parktaschen sorgt bei vielen Aachenern immer wieder für Verärgerung. „Die Garagenverordnung ist aus den 1970er Jahren, und die gesetzlichen Vorgaben sind nicht mehr zeitgemäß. Die Stellplatzbreite in deutschen Parkhäusern, insbesondere in sehr alten, innerstädtischen Objekten, ist sehr problematisch”, erklärt Dr. Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt ADAC Nordrhein.

1998 wurde die bis dahin gültige Garagenverordnung in die „Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten” - kurz Sonderbauverordnung - umbenannt. „Mit der neuen Verordnung hatte man die Chance etwas zu verändern, aber der Landtag hat nichts Neues beschlossen”, bedauert Suthold.

Die Bedingungen für einen Einstellplatz blieben somit gleich: Er muss mindestens fünf Meter lang und 2,30 Meter breit sein. Und 2,50 Meter breit, wenn beide Längsseiten einen Abstand von weniger als 0,10 Metern zu begrenzenden Wänden, Stützen sowie anderen Bauteilen oder Einrichtungen aufweisen, heißt es in Paragraf 122 der aktuellen Verordnung. „Die Autos sind in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt aber 20 bis 30 Prozent breiter geworden”, erklärt Suthold das Dilemma.

Ein Beispiel: Der erste VW Golf von 1974 war 3,705 Meter lang und 1,610 Meter breit. Der aktuelle VW-Golf Style hat eine Länge von 4,199 Metern und eine Breite von 1,779 Metern - inklusive Außenspiegel von 2,048 Metern - und ist damit fast 17 Zentimeter breiter. Der ADAC fordert daher seit über zehn Jahren eine Verbreiterung der Parktaschen auf 2,50 Meter, bei Stellplätzen, die durch eine Säule verengt sind, auf 2,75 Meter. Zudem plädiert der Verband für schräge Platzmarkierungen, um das Einparken zu vereinfachen.

Der mit zehn öffentlichen Parkobjekten und rund 7000 Stellplätzen größte Parkhausbetreiber in Aachen ist die Aachener Parkhaus GmbH (Apag). Eine Vergrößerung der Stellplätze kommt für den Betreiber nicht in Frage. „Gerade in der Vorweihnachtszeit ist der Parkdruck in der Innenstadt enorm groß. Am Wochenende haben wir Auslastungen von 100 Prozent. Würden wir aus drei Parktaschen zwischen den Säulen zwei machen, hätten wir ein Drittel weniger Parkplätze, was den Parkdruck nochmals erhöhen würde”, erklärt Herbert Sliwinski, Technischer Geschäftsführer der Apag.

„Aus zwei mach einen”

Und dann würde die Kundenfreundlichkeit zu Lasten der Kunden gehen. Zudem sei solch eine Forderung wirtschaftlich nicht vertretbar, argumentiert Sliwinski. „Dadurch hätten wir bei einer Vollauslastung 30 Prozent weniger Einnahmen, und dann könnten wir gleich die Türen zu machen.”

Nachvollziehbar ist diese Argumentation, helfen tut sie beim Aus- und Einsteigen allerdings nicht. Mit Einkaufstüten beladen, versucht auch Sandra Oebel in ihren Kombi zu steigen. „Ich kriege ja die Fahrertür kaum auf. Gerade wenn man eingekauft hat, ist es besonders schlimm, und man muss sehr aufpassen, die anderen Autos nicht zu zerkratzen.”

So mancher Fahrzeugführer umgeht das Problem indessen auf seine eigene Art und Weise. Frei nach dem Motto „Aus zwei mach einen” beansprucht er gleich zwei Parktaschen für sich. „Wenn jeder in seiner vorgegebenen Markierung parken würde, wäre die Größe der Stellplätze völlig ausreichend”, kontert Sliwinski.

In den Augen von Dr. Roman Suthold bekommen die Parkhausbetreiber von Seiten des Gesetzgebers zu wenig Druck, ihre Stellplätze zu verbreitern. „Die Kunden aber hätten die Macht, etwas zu ändern, indem sie die engen Parkhäuser meiden.” Viele nehmen aber aufgrund der oftmals guten und zentralen Lage der alten Parkhäuser die schmalen Stellplätze in Kauf.

Die Apag erfülle in allen ihren Objekten „auf jeden Fall” die geltende Verordnung, versichert Sliwinski. „Und bei Parkhäusern, die wir in Zukunft neu bauen werden, können wir den Forderungen des ADAC nachkommen und breitere und schräge Stellplätze einrichten.”