Aachen: Im Kulturtopf brodelt es weiter

Aachen: Im Kulturtopf brodelt es weiter

Steht der Musikbunker Aachen vor dem Aus?

Der Deckel bleibt drauf; im großen Kulturtopf, heftig befeuert von der aktuellen Verteilungsdebatte zwischen Sparflamme und Kostenexplosionen, brodelt es weiter. Will heißen: Nach den jüngsten Diskussionen um die Förderung der freien Initiativen hat der Kulturausschuss des Rates am Donnerstag erneut seinen Willen bekundet, die städtischen Mittel für die unabhängigen Einrichtungen aufzustocken.

Wie und in welchem Umfang, blieb dabei zwar noch offen. Immerhin aber steigt der Druck im Kessel zusehends — obwohl oder gerade weil der Kulturbetrieb jetzt auf Antrag der Grünen besagten Deckel erstmals gelüftet hat, um den Politikern einen genaueren Einblick in die Entwicklung der einzelnen Unterbudgets im Paket der Subventionen zu ermöglichen.

Denn in punkto Finanzgebaren liegt bei manchen Akteuren offensichtlich einiges im Argen — auch wenn die städtischen Kassenhüter bei einem Gesamtzuschuss von 16,5 Millionen Euro für den Kulturbetrieb anno 2013 unterm Strich voraussichtlich immer noch rund 437.000 Euro unter „Haben“ verbuchen können. So zeigt die jüngste Bilanz, dass vor allem das Ludwig Forum sein Budget 2013 heftig überstrapaziert hat — unabhängig vom umstrittenen Beschluss zur Umgestaltung des Museums-Foyers, die mit 300.000 Euro veranschlagt ist. Mit rund 242 000 Euro muss die Stadt laut Prognose über die kalkulierten Fördermittel von 2,04 Millionen hinaus in die Bresche springen, um die Verluste im Haus an der Jülicher Straße aufzufangen.

Rote Zahlen schreiben auch die übrigen Museen, allerdings im Ganzen voraussichtlich „nur“ rund 23.000 Euro, sowie die Musikschule (knapp 136.000 Euro) und die Stadtbibliothek (64.500 Euro). Ausgerechnet in die Route Charlemagne flossen an der Schwelle zum Karlsjahr 2014 umgekehrt fast 730.000 Euro weniger als geplant. Weil das Projekt rund ums Centre Charlemagne nicht ganz so flott in die Zielgerade eingebogen ist wie erhofft, wurden diese Mittel also frei. „Amtshilfe“ können zudem vor allem das Stadtarchiv (mit einem Plus von knapp 154.400 Euro), die Barockfabrik (plus 43.800) und der Kulturservice (plus 34.500) leisten, um Defizite in einzelnen Sparten durch Überschüsse in anderen auszugleichen.

Sanktionen „problematisch“

Anlass genug für die Grünen, grundsätzlich mehr „Haushaltsdisziplin“ einzufordern. Zwar sei eine gewisse Flexibilität in Sachen Einnahmen und Ausgaben unabdingbar. „Aber es sind immer dieselben, die ihre Budgets überziehen“, monierte Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram. „Die Einen leben quasi auf Kosten der Anderen.“ Dem „internen Ausgleich“ der Mittel sei daher konsequent Einhalt zu gebieten. CDU und SPD gaben zu bedenken, dass Sanktionen gegenüber einzelnen Häusern „problematisch“ und letztlich wenig sinnvoll seien. Kurzum: Über den kurzfristig erfolgten Vorstoß bestehe noch Beratungsbedarf.

Einigkeit bestand jedoch darin, dass ein Lastenausgleich künftig vorrangig zugunsten der freien Kulturgruppen erfolgen müsse, weil die in besonderem Maße chronisch unterfinanziert seien. Zwar blieb es zunächst bei Absichtserklärungen. Doch davon könnte zunächst vor allem der jüngst ins politische Sperrfeuer geratene Musikbunker profitieren (siehe Info). Über einen Antrag der Grünen, die Mittel für den Verein sofort auf 10.000 Euro zu verdoppeln, soll in einer der nächsten Ausschusssitzungen entschieden werden — nachdem die neue Kulturdezernentin Susanne Schwier ihr Amt Mitte Februar angetreten hat.

Ansonsten folgte der Ausschuss den Vorschlägen der Verwaltung zur Verteilung der Fördermittel für die freien Initiativen einstimmig. Sie erhalten somit insgesamt genau 249.379 Euro aus dem Stadtsäckel. Das Das Da Theater soll derweil mit Hilfe externer Mittel über den derzeitigen „Sockelbetrag“ von 40.000 Euro hinaus unterstützt werden, um sein Angebot für die Jugend stemmen zu können. „Wir sind zuversichtlich, dass wir entsprechende Zusagen von OB Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg erhalten“, sagte Theaterchef Tom Hirtz am Freitag auf Anfrage. Wie und in welchem Umfang die Finanzspritze erfolge, werde sich in den kommenden Tagen herausstellen.

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