Aachen: Im Eis tauen Kinderherzen auf

Aachen: Im Eis tauen Kinderherzen auf

So niedrig wie an diesem Nachmittag ist der Altersdurchschnitt bei einer Vorstellung im Theater Aachen wohl selten: Mehrere Hundert Kinder zwischen fünf und elf Jahren bevölkerten die Sitzplätze im Großen Haus, die ganz Kleinen thronten auf extra Sitzkissen, um freien Blick auf die große Bühne zu haben.

Sie alle warteten gespannt auf den Auftritt der „Schneekönigin“, die im gleichnamigen Weihnachtsmärchen, das derzeitig im Theater Aachen aufgeführt wird, ihr Unwesen treibt.

Möglich gemacht hat diesen außergewöhnlichen Theaterbesuch der „Nele und Hanns Bittmann“-Verein, der gegründet wurde, um bedürftigen Kindern in Notsituationen schnell und unkompliziert zu helfen. Wie bereits im vergangenen Jahr kaufte man kurzerhand eine komplette Vorstellung — insgesamt 850 Plätze —, um diese Aachener Kindergärten, Grundschulen, Kinderheimen und sozialen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Kinder wurden mitgenommen auf die fantasievoll inszenierte Reise der kleinen Gerda, die ihren Freund Kay aus dem Eispalast der herrschsüchtigen Schneekönigin befreien möchte.

Offene Münder, große Augen, Gekicher und auch Zwischenrufe waren dabei nicht unüblich. Keine Frage: Die jungen Theaterbesucher waren innerhalb kürzester Zeit Teil des Märchens und gingen den abenteuerlichen Weg mit. „Für viele ist dies der erste Theaterbesuch überhaupt. Bei dieser Aktion können sie Kultur mitnehmen, diese wertschätzen und ein paar schöne Stunden genießen“, so Frank Prömpeler vom „Nele und Hanns Bittmann“-Verein.

Im Publikum saß auch die neunjährige Laura aus der dritten Klasse der KGS Passstraße, die ganz begeistert war, auch wenn sie schon öfter im Theater war: „Die Schauspieler sind alle so schön verkleidet, und es macht Spaß, mit so vielen Kindern im Theater zu sitzen.“ Ihre Klassenlehrerin Ute Brinkopp-Rode freute sich ebenfalls über den „Betriebsausflug“: „Dieser Nachmittag ist einfach schön und ein tolles Erlebnis für die Kinder. Wir sind heute mit der ganzen Schule hier — immerhin 230 Kinder.“

In der Pause ist das Gewusel im Foyer groß. Die Kinder unterhalten sich angeregt darüber, wie das Stück wohl ausgehen mag, andere spielen ein paar Szenen aus dem ersten Teil nach, ein Freigetränk gibt es auch noch für jeden. Theater kommt bei den Kids offensichtlich an! Auch bei den Kleineren. Der sechsjährige Tobias von der Kita Düppelstraße ist ganz hin und weg von der theatralischen Darbietung und kann es kaum abwarten, wieder auf seinen Platz zurückzukehren, um zu sehen, wie das Stück weitergeht.

Als Gerda ihren Freund Kay endlich befreien konnte und der Vorhang schließlich fiel, wurde laut applaudiert, und auch die „Zugabe“-Rufe der kleinen Aachener wurden mit dem „Räuberlied“ belohnt. Das große Finale wartete aber am Ausgang des Theaters. Denn dort verteilte Prömpeler zum Abschied an jedes Kind — und auch manchen Erwachsenen — einen Weckmann, die allesamt von der Firma Nobis für diesen Nachmittag gespendet wurden. Und der eine oder andere wird sich mit Sicherheit noch lange an den funkelnden Eisstab der Schneekönigin und die lustigen Schmetterlinge im verwunschenen Garten der Frühlingsherrscherin erinnern.

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