Aachen: Im Das Da Theater: Ein Horror-Eichhörnchen und viel Chaos

Aachen: Im Das Da Theater: Ein Horror-Eichhörnchen und viel Chaos

Das Unvorstellbare ist wahr geworden. Mutti macht den Laden dicht. Dabei ist Mutti, eigentlich Gisela, doch eine Institution in der Kölner Südstadt. Für Daniel, einer ihrer treuesten Kunden, eine Katastrophe. Oder doch eine ganz große Chance?

Im Rahmen des Theaterdinners erzählt das Das Da Theater in seiner aktuellen Produktion „Milchschaumschläger“ die Geschichte von Daniel, der sich seinen Traum vom eigenen Café erfüllt. In der Scheune auf Gut Hebscheid genossen die Besucher neben einem fünf Gänge Menü das Geschehen auf der aufgebauten Bühne. Tobias Steffen, der in seiner Rolle Daniel dem ein oder anderen Gast bereits aus den Inszenierungen „Macho Man“ und „Der Boss“ bekannt war, nahm die Anwesenden mit in seine chaotische Welt, in der „Deko-Horroreichhörnchen“ auf kläffende Hunde namens Mussolini treffen.

Aber von vorne: Etwas überstützt unterschreibt Daniel einen Pachtvertrag und ist ab sofort Nachfolger von Muttis Imbiss und neuer Café-Besitzer. Unterstützung erhält er von seiner Frau Aylin, die wiederum ihre Bekannte Sibel kurzerhand als Kellnerin engagiert. Sibel, eine echte „pretty woman“, kann zwar mit ihrem Aussehen punkten, ihre Sprachkenntnisse lassen allerdings zu wünschen übrig. Aber egal, Hauptsache die neue Kellnerin sieht gut aus. Der schwule griechische Koch Christos komplementiert das Team.

Auf die „rheinisch-türkische“ Art

Aufgeregt fiebert Daniel der Eröffnung entgegen. Seine intellektuellen 68er Eltern, mitsamt Oma Berta treffen auf Aylins türkische Großfamilie. Das „deutsche Horroreichhörnchen“, das Daniel zur Einweihung von seinen türkischen Verwandten geschenkt bekommt, beobachtet das Treiben von der Theke aus. Jupp Süffels, seines Zeichens Brauereimeister, füllt kurzerhand den Mann vom Ordnungsamt ab und entstehende Konflikte werden auf „rheinisch-türkische Art“ beigelegt. Kulturübergreifendes Chaos zwischen Latte Macchiato und Cappuccino.

Das Stück aus der Feder von Moritz Netenjakob und in der Bühnenfassung von Maren Dupont, überzeugt nicht nur durch die Erzählform des Protagonisten, der durchgehend alleine auf der Bühne steht, sondern auch durch die vielen musikalischen Einlagen. Zwischen den jeweiligen Akten wurden die Gäste kulinarisch verwöhnt. Gestärkt verfolgten sie anschließend mit, wie Daniel Höhen und Tiefen innerhalb seines Gastronomen-Daseins erlebt und eine Wendung vollzieht, mit der anfangs niemand rechnete.

Was die Kochshow „Auf zack mit Schlack“ damit zu tun hat und welche Nachricht Aylin für Daniel hat, wird nicht verraten. Es sei aber gesagt, dass Tobias Steffen in der Rolle des „Milchschaumschlägers“ durch seine unglaublich sympathische Art das Publikum im Handumdrehen verzaubert hat und die Geschichte durch seine Erzählart so lebendig macht, dass man am liebsten Stammgast seines Cafés wäre.

Denn wo sonst ergänzen sich ein „Horroreichhörnchen“ und eine Integrationsspeisekarte so gut, dass selbst das Ordnungsamt, ein Udo-Lindenberg-Verschnitt und der kläffende Hund Mussolini gemeinsam gutes „Süffels“-Bier trinken?