Aachen: Im Café Plattform wird es zum Jahresende eng

Aachen: Im Café Plattform wird es zum Jahresende eng

Während — noch — eine milde Wintersonne über dem Dreiländereck strahlt, schauen viele mit Bangen auf kommende Tage, in denen die Thermometer-Werte wieder erheblich absacken könnten. Und auch auf teils massiv gesunkene Spendeneinnahmen.

Im Café Plattform der Caritas an der Hermannstraße fehlt noch ein fünfstelliger Betrag, um die Jahresbilanz auch in finanzieller Hinsicht zufriedenstellend abzuschließen. „Ob es an den Katastrophen etwa auf den Philippinen liegt oder am sommerlichen Hochwasser in Ostdeutschland, wissen wir natürlich nicht“, sagt Simone Holzapfel, Leiterin der Einrichtung für Wohnungslose. „Auf jeden Fall haben wir noch ein beträchtliches Loch im Budget.“

Die Sonne lacht, der Frost ist übers eine oder andere nächtliche Gastspiel bislang kaum hinausgekommen. Haben Sie aktuell noch Platz für Hilfesuchende?

Holzapfel: Im Prinzip sind wir bereits mehr als voll belegt. Aber wir weisen grundsätzlich niemanden ab, der einen Schlafplatz sucht. Momentan sind unsere 16 Betten allesamt vergeben, aber wir stellen zusätzlich Klappbetten auf. Zuletzt haben fast 30 Menschen im „Plattform“ übernachtet.

Ist die Zahl der Klienten übers Jahr gesehen im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen?

Holzapfel: Genau Zahlen kann ich da zwar nicht vor Anfang nächsten Jahres mitteilen. Ich schätze aber, dass wir in diesem Jahr unterm Strich rund 20 Prozent mehr Besucher gezählt haben. Es gab viele Wochen, in denen die Auslastung sehr hoch gewesen ist. Übrigens kommen auch immer mehr Frauen zu uns.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Holzapfel: Wir suchen, ehrlich gesagt, noch nach Antworten. Im Augenblick können wir keine geben, obwohl wir darüber auch mit den Kollegen aus anderen Einrichtungen für Wohnungslose intensiv gesprochen haben.

Gibt es einen Zusammenhang mit der verstärkten Einreise von Menschen aus EU-Ländern in Osteuropa?

Holzapfel: Wir haben generell in der Tat auch einen größeren Zulauf von Menschen zu verzeichnen, die aus diesen Ländern gekommen sind. Allerdings kommen verstärkt auch deutsche Frauen zu uns. Ich habe den Eindruck, dass die Not insgesamt schlichtweg noch größer geworden ist.

Sie müssen also verstärkt um Spenden werben?

Holzapfel: So ist es. Obwohl wir einen sehr engagierten Förderverein haben und die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Region durchaus groß ist, haben wir aktuell ein Defizit von rund 20 000 Euro. Wir sind für jeden Euro, der den Menschen im Café Plattform unmittelbar zugute kommt, dankbar.

(mh)
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