Aachen: „Illegal“ von Björn Bicker feiert Premiere im Theater Aachen

Aachen: „Illegal“ von Björn Bicker feiert Premiere im Theater Aachen

Sie kommen aus Kriegsgebieten, sind vor Armut geflohen oder nach dem Studium einfach hier geblieben. Wir nehmen ihre Arbeit als Pflegekräfte, Putzfrauen oder Bauarbeiter gerne in Anspruch. Eigentlich sollten wir wissen, dass sie da sind, doch wir nehmen sie nicht wahr.

Sie versuchen unsichtbar zu sein, denn sie haben keine Papiere. Sie leben in ständiger Angst vor den hiesigen Behörden, haben keine Krankenversicherung und zahlen immer bar. Niemand interessiert sich für sie, denn sie sind illegal hier. „Illegal“ heißt in dem Fall: Sie haben das Pech, auf der falschen Seite der Welt geboren zu sein.

Der Theaterautor und Dramaturg Björn Bicker („Deportation Cast“) hat ihnen mit seinem Stück „Illegal“ eine Stimme gegeben. „Aufgrund der jüngsten Ereignisse haben wir Bickers Theaterstück noch ganz spontan in unseren Spielplan mit aufgenommen“, sagt Dramaturgin Inge Zeppenfeld und bezieht sich damit unter anderem auf die Anschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte aber auch auf die teils lebensgefährlichen Wege, die viele Flüchtlinge in Kauf nehmen, um nach Europa zu gelangen.

Gezeigt werden drei verschiedene Geschichten von Flüchtlingen, die aus völlig unterschiedlichen Gründen und Lebenssituationen heraus gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück oder auch einfach nur Schutz im Ausland zu suchen. Das Stück „Illegal“, bei dem Katja Blaszkiewitz erstmals am Theater Aachen Regie führt, möchte nicht nur auf die schwierige Lage von Kriegs-, Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam machen, sondern auch den Blick der Bevölkerung auf die Flüchtlinge verändern.

„Dieses Denken, dass beispielsweise sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge ‚uns’ die Arbeitsplätze wegnehmen, soll mit diesem Stück aufgebrochen werden“, so Blaszkiewitz. „Es gibt in Bickers Stück zwei wichtige Themen, die als ‚feststehende moralische Größen’ immer wieder in Frage gestellt werden: Das ist zum einen das Gesetz und zum anderen die Grenze“, sagt Zeppenfeld. Nach dem Stück, so die Hoffnung des Ensembles, „wird man mit verändertem Blick durch die Stadt gehen“.

Dazu soll beitragen, dass es ab der zweiten Aufführung am 2. Mai im Anschluss an das gut einstündige Stück immer wechselnde Programmpunkte in Zusammenarbeit mit Aachener Initiativen und städtischen Einrichtungen zum Thema „Flüchtlinge in Aachen“ geben wird.

So werden beispielsweise Vertreter der Bürgerinitiative Lebensraum, des Cafés Zuflucht, des Projektes „Aachener Hände“, Amnesty International (Safe me), der Bundespolizei oder die Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen nach dem Theaterstück anwesend sein und verschiedene Aachener Aspekte der Flüchtlingsthematik auf die Bühne bringen.

Die Premiere des Theaterstücks „Illegal“ von Björn Bicker findet am Freitag, 24. April, um 20 Uhr in der Kammer des Theaters Aachen statt. Weitere Vorstellungen: 2., 5., 9., 23. und 26 Mai; 12. und 24. Juni; 1. und 3. Juli.

Tickets gibt es im Kundenservice Medienhaus in der Großkölnstraße 56 (gegenüber der Nikolauskirche, 10 bis 19 Uhr) sowie im Verlagsgebäude an der Dresdener Straße (8 bis 18 Uhr).

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