Aachen: IG Metall demonstriert gegen Verkaufspläne bei Philips

Aachen : IG Metall demonstriert gegen Verkaufspläne bei Philips

Die Gewerkschaft sieht Rot: Die Angestellten von Philips in Aachen bangen um ihre Arbeitsplätze. Daher hatte die IG Metall zum Protest aufgerufen. Doch nicht ganz so viele wie erhofft waren am Samstag vor der Werkspforte erschienen: Gerade einmal 60 Leute, Frauen und Kinder mitgezählt, versammelten sich in Rothe Erde.

Ende Juni teilte der Philips-Konzern nüchtern mit, zwei Firmenbereiche in Aachen würden bis Mitte 2015 verkauft. Sie sollen in ein neues Unternehmen aufgehen. Betroffen von solchen Plänen sind 1300 von insgesamt 1800 Mitarbeitern bei Philips in Aachen. Die IG Metall ist alarmiert. Die furchtbaren Massenentlassungen bei Philips vor zehn Jahren mit 1400 vernichteten Arbeitsplätzen sind noch schlecht in Erinnerung.

Deshalb also am Samstag, 15 Uhr, der Aufzug mit Familien, mit Kind und Kegel, vor dem Werkstor. Auf die erneut gefahrvolle Situation soll aufmerksam gemachen werden. Die IG Metall-Fahnen und rote Schirmkappen werden verteilt. Männer, Frauen, Kinder tragen blaue T-Shirts mit weißer Schrift vorn: „Mutter Philips verkauft uns.“ Auf dem Rücken steht: „Aber wir wollen weiter arbeiten!!!“ Bei den Kindern heißt es: „Aber Papa & Mama wollen hier weiter arbeiten.“

Der neue IG-Metall-Bevollmächtigte Achim Schyns ergreift das Wort. „Philips will verkaufen“, ruft Schyns in die Menge, „aber wie sieht der neue Investor aus?“ Hinter der Frage steckt die Angst: „Wird ein neuer Investor die Bereiche in der neuen Firma weiterführen oder plant er, nur das Geld aus der Firma rauszuholen, um sie dann sang- und klanglos zu schließen. Achim Schyns warnt: „Ich fürchte, Philips will sich die Hände nicht schmutzig machen. Aber wir nehmen Philips nicht aus der Verantwortung raus.“

Der Standort Philips sei mit 1800 Beschäftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Weshalb es wichtig sei, beim Kampf um die Philips-Arbeitsplätze andere mit ins Boot zu nehmen — etwa die städtische Wirtschaftsförderung, die RWTH, die Landesregierung, Parteien. Schyns erinnert an die Situation bei Talbot vor anderthalb Jahren: „Die wollten zumachen, aber wir haben uns gewehrt.“ Heute seien bei Talbot die Hallen voll wie er es dort noch nie gesehen habe. „Das Beispiel Talbot zeigt: Kampf kann sich lohnen!“ Beifall brandet auf.

Die Kundgebung vor dem Werkstor sei nur „ein Auftakt, ein erstes Zeichen“, es komme noch mehr, so Schyns. „Wir werden uns hier noch öfter sehen“, meint auch Marko Jansen, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Gleichwohl ist er ein bisschen fassungslos. „Sechzig stehen hier wie eine Eins, aber ich bin enttäuscht, dass es nicht mehr sind. Die anderen haben es noch nicht verstanden. Sprecht mit den Leuten“, fordert er die Kolleginnen und Kollegen auf.

Karl Spekl, Standortleiter von Philips Aachen, ist fast unbemerkt zum Werkstor gekommen. Er hat ein bisschen zugehört, spricht aber nicht zu den Versammelten. Im Gespräch mit der AZ sagt er: „Ich habe den Wunsch verstanden, mehr zu erfahren. Es gibt aber nicht mehr an Neuigkeiten.“ Bei der Frage, wie die bisherigen Firmenbereiche zu entflechten seien und wie das neue Unternehmen funktionieren könne, handele es sich um einen „langen Prozess, einen Prozess, der seine Zeit braucht, der sich bis ins erste Halbjahr 2015 hinziehen wird. Viele Entscheidungen stehen an, wir müssen warten, ich auch“.

Er sei zuversichtlich, so Spekl, dass die Philips-Bereiche „für die Investoren, die sich beteiligen wollen, ein attraktives Geschäft“ seien. Die 60 „Aufrechten“ stellen schließlich ihre roten Fahnen am Werkstor ab. Auf Firmengelände findet das Sommerfest statt. Philips hat eingeladen. „Wir haben keinen Grund zum Feiern. Deshalb gehe ich da nicht hin“, murrt ein älterer Kollege. „Ich auch nicht“, nickt noch einer. Andere schon: Wagen auf Wagen fährt durchs Tor. Zum Sommerfest bei Philips.