Aachen: Idee der Grünen: Polizeiwache ins neue Bordell am Büchel

Aachen : Idee der Grünen: Polizeiwache ins neue Bordell am Büchel

Der Konflikt scheint kaum lösbar: Die Investoren wollen nur dann zig Millionen in die Entwicklung des zentralen „Altstadtquartiers Büchel“ pumpen, wenn das neue Großbordell von der ebenfalls neuen Wohnbebauung baulich und optisch abgeschottet wird. Das jedoch hält die Polizei aus Sicherheitsgründen für ein Ding der Unmöglichkeit.

Und weil er keinen gangbaren Weg aus dem Dilemma sieht, bastelt Oberbürgermeister an einer Liste mit Alternativstandorten fürs Rotlichtmilieu. Was wiederum die Politik wütend macht, weil sie mit breiter Mehrheit im Rat (außer der FDP) längst beschlossen hat, dass die Bordelle in der City bleiben sollen. Steht die Entwicklung dieses so wichtigen Stücks Innenstadt also vor dem Scheitern?

Die Grünen gehen jetzt jedenfalls in die Gegenoffensive: „Eine Lösung ist machbar“, ist Ratsherr Michael Rau überzeugt. Man müsse die widerstreitenden Argumente abwägen und könne letztlich auch zu Kompromissen kommen. Und die Grünen machen da auch Vorschläge, etwa wenn es um die Sicherheitsargumente der Polizei geht, die nachvollziehbar seien, so Rau. „Da erwarte ich von der Polizei Präsenz vor Ort“, betont der Planungspolitiker. So werfen die Grünen die Idee in den Ring, die Polizei könne just im neuen „Laufhaus“ eine Wache eröffnen. „Geld- und Personalmangel lasse ich als ständiges Argument jedenfalls nicht gelten“, so Rau.

Er betont, dass man jetzt in dem seit zehn Jahren und nach mehrfachen Fehlversuchen im Fokus stehenden Thema im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens „verdammt weit gekommen“ sei. Ziel muss es nach Ansicht der Grünen bleiben, die Rotlichtmeile Antoniusstraße vor Ort zu verkürzen und die Bordelle in besagtem zentralen Haus und zum Teil auf der anderen Straßenseite Richtung Mefferdatisstraße zu konzentrieren.

„Veränderung, Verkleinerung, Verbesserung der Situation — auch für die Prostituierten“ — so lautet die Losung der Grünen. Rau verteidigt die Haltung der breiten Ratsmehrheit: „Wir arbeiten seit Jahren an dem Thema und sind nicht dumm und naiv, wie es uns bisweilen unterstellt wird.“ Konfliktpotenzial sehe auch die Politik, und auch am Thema Kriminalität blicke man nicht einfach vorbei. „Es gilt, das zu verbessern. Dafür muss es Lösungen geben und einen Ausgleich der Interessen.“

Gänzlich lösen können werde man diese Konflikte hingegen nie. „Auch nicht auf der grünen Wiese. Es ist unglaublich naiv, so etwas zu glauben“, sagt Rau. Andere Städte seien damit bereits gescheitert. Zudem lebe eine Innenstadt auch von „Brüchen“. Rau: „Es kann wie beim Monopoly nicht nur die Schlossallee geben, es muss auch die Turmstraße geben.“ Bis im Altstadtquartier alles fertig ist, werde es zehn, 20 Jahre dauern — wobei als Voraussetzung für die Verkleinerung des Rotlichtbezirks zunächst das neue Bordellhaus gebaut werden soll. Jetzt müssten die weiteren Planungsschritte folgen.

Eine volle Breitseite bekommt der OB ab: „Es ist unverantwortlich, die Planung derart zu torpedieren. Peinlich ist das Versteckspiel mit der ominösen Standortliste. Das ist der totale Vertrauensverlust.“ Philipp mache sich „zum Sprecher der Investoren“. Die Politik sei darüber „geschockt“ und zunächst quasi sprachlos gewesen. Alle Beteiligten müssten gemeinsam an Lösungen arbeiten, sonst werde dort „gar nix mehr passieren“. Rau: „Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.“

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