Aachen: Hotelier-Sohn gegen Verkauf an NPD

Aachen: Hotelier-Sohn gegen Verkauf an NPD

Weil sein Vater das Hotel Hesse am Marschiertor an die rechtsextreme NPD verkaufen will, hat sich Marco Elsen jetzt an die Stadt Aachen gewandt. Der 40-Jährige, der bis 2003 das Restaurant des Hotels an der Friedlandstraße bewirtschaftete und sich im Streit vom Familienbetrieb löste, will das Hotel - anstelle eines Verkaufs - selbst betreiben.

„Meine verstorbene Großmutter Kunigunde, die das Hotel 40 Jahre geführt hat, und ich als ältester Enkel distanzieren uns auf Schärfste von jeglichen rechtsradikalen Gedanken und Verbindungen zur NPD”, schrieb Elsen an die AZ. Und er fügt hinzu: „Es verletzt mich und enttäuscht mich zutiefst, dass ein Traditionshaus wie das Hotel Hesse am Marschiertor benutzt wird, um wirtschaftliche und rechtsradikale Absichten zu unterstützen.” Mit seinem Vater hat Marco Elsen nach eigenen Angaben seit sieben Jahren kein Wort mehr gewechselt. Nun könnte die Stadt vermitteln.

Dem Vernehmen nach will der 64-jährige Hotelier Ralf Elsen sein Drei-Sterne-Haus mit 19 Zimmern, Restaurant und Hofgarten für rund 900.000 Euro loswerden - egal an wen. Dieser überhöhte Preis sei unter anderem Kreditverpflichtungen nach teuren Renovierungsmaßnahmen geschuldet, heißt es.

Preistreiberei?

Stadtrat, Verwaltung und OB-Büro wägen derzeit ab, ob das von der NPD offen bekundete Kaufinteresse lediglich der Preistreiberei dient - oder ob tatsächlich Maßnahmen gegen die Übernahme eines Hotels durch die rechtsextreme Partei in die Wege geleitet werden müssen. Die Aachener Fraktionsspitzen haben derweil über mögliche Strategien gegen die Hotel-Übernahme durch rechtsextreme Kräfte beraten. Oberbürgermeister Marcel Philipp steht deswegen in Kontakt mit Vater und Sohn Elsen.

Laut NPD ist nach dem Kauf des Hotels Hesse die Einrichtung eines „Schulungszentrums” geplant. Gleichzeitig soll der „normale Hotelbetrieb” nach Auskunft des hiesigen NPD-Chefs Willibert Kunkel weitergeführt werden. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband sowie die demokratische Parteienlandschaft Aachens hatten sich entsetzt über diese Pläne gezeigt.

Dass die NPD - unabhängig vom befürchteten Hotelkauf - in der Kaiserstadt einen Fuß auf den Boden kriegt, darf indes bezweifelt werden. Bei den jüngsten Landtagswahlen erhielt sie exakt 491 Stimmen - und damit deutlich weniger als die Tierschutzpartei.