Aachen: Hotel Brülls am Dom weicht dem Hühnerdieb

Aachen: Hotel Brülls am Dom weicht dem Hühnerdieb

Das „Hotel Brülls am Dom“ ist Geschichte. Buchstäblich. Das Traditionshaus in der Rommelsgasse, direkt neben dem Couven-Museum, zählte seit 1951 zu den ersten und bekanntesten Hotels der Kaiserstadt — und verwandelt sich gerade in eine der modernsten Herbergen der City.

Da, wo Josef-Günter Brülls und seine Ehefrau Hannelore zuletzt ihren Gästen die Zimmerschlüssel in die Hand drückten, läuft bald alles elektronisch und digital. „Dabei wird dieses Schmuckstück im Herzen der Altstadt nichts von seinem besonderen Charme verlieren“, versichert Ralf Wetzler.

Und Dunja Kahlen betont: „Als Boarding House wird das Haus am Hühnerdieb eine tolle Zukunft haben.“ Beide gehören zur Geschäftsführung des Veranstaltungs- und Konferenzzentrums Schloss Rahe in Laurensberg. Als die Brülls ihr Hotel in dritter Generation aus Altergründen verkaufen wollten, griffen die Lokalmatadoren zu.

Das Konzept entwickelt sich in Aachen zusehends zum Trend: Anders als in einem herkömmlichen Hotelbetrieb kommt ein Boarding House — das auf Deutsch etwas altbacken Fremdenpension hieße — weitgehend ohne Personal aus. „Man bucht sein Zimmer via Internet, bezahlt online, erhält dann einen Zahlen-Code auf sein Handy, dessen Kombination vor Ort das entsprechende Zimmerschloss öffnet“, erklärt Wetzler.

Wer zum Beispiel für eine Woche bucht, bekommt auch nicht täglich, sondern nur zwei Mal pro Woche Besuch vom Zimmermädchen. „Nur so rechnet sich das“, sagt Kahlen. Dafür sind die Preise günstig. Unmittelbar neben ihrem Schloss Rahe, in der Rathsmühle, läuft das Geschäft mit dem dortigen Boarding House seit Anfang des Jahres prächtig.

Als Pioniere in Sachen Boarding eröffneten Sabine und Hans-Ulrich Brüll an der Vaalser Straße schon Ende 2010 das Campus-Boardinghouse. „Das rennt wie Schmitz‘ Katze“, sagt Brüll — nicht zu verwechseln mit dem Ehepaar Brülls.

Ab Dezember soll nun das Haus am Hühnerdieb mit seinen zwölf Zimmern wieder Gästen offenstehen. Bis dahin wird renoviert. An der Fassade verschwanden die Gitter, es gab einen neuen Anstrich, innen ersetzen helle, warme Töne und clevere Ausstattungsdetails allzu rustikale Einrichtungsstücke — auch die „Puppenstube“. Schon am 1. November öffnet im Erdgeschoss ein neues italienisches Restaurant: „Al Triangolo“.

Auf dem Hotelsektor wartet die Stadt unterdessen auf das neue Hotel an der Sandkaulstraße. Der Abriss des Bunkers ist in wenigen Wochen abgeschlossen. Mehr als 150 Gästezimmer sollen 2015 bezugsfertig sein.

Über 870.000 Übernachtungen von 379.000 Gästen zählte Aachen laut Tourist Service 2012 in 52 Hotels mit 3760 Betten. Im Karlsjahr 2014 und zur Reit-EM 2015 rechnet man mit Zuwächsen — vielleicht sogar mit den höchsten Buchungszahlen der Stadtgeschichte.

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