Hospiz am Iterbach in Aachen erhält wichtige Kühldecke

Hospiz am Iterbach: Mehr Zeit für den letzten Moment im Leben

Im Hospiz am Iterbach können sich Familien dank neuer technischer Voraussetzungen angemessen von ihren Angehörigen verabschieden. Die Aachener Bank unterstützt dies.

Kaum zwei Minuten hat die Besuchergruppe Zeit, dann kommt die freundliche, aber bestimmte Aufforderung: „Darf ich Sie bitten, das Zimmer zu verlassen.“ Der neue Gast ist angekommen. So heißen die Menschen, die in einem Hospiz die letzte Station ihres Lebens beginnen. Der Bedarf an Zimmern ist enorm. Es gebe kaum einen freien Moment, berichtet Simone Rüttgers von der Pflegedienstleitung des Hospizes am Iterbach. Und so werfen die Besucher noch einen schnellen Blick auf die Kühldecke mit dazugehörigem Aggregat und räumen das Feld. Der neue Gast kann das Zimmer mit Blick ins grüne Itertal beziehen.

In einem Hospiz herrschen andere Gesetze, wer (noch) nichts damit zu tun hatte, weiß nicht um die Bedeutung einer Kühldecke, die viel mehr ist als eine Decke. Für Familien kann sie eine ganz wichtige Rolle beim Abschied von Angehörigen spielen. Nicht alle Gäste eines Hospizes haben ihre Familie in direkter Nähe. Und tatsächlich schaffen es die Angehörigen oft nicht rechtzeitig ans Sterbebett. Dann ist die Zeit zum Abschied nehmen zu kurz, oft brutal kurz, denn der natürliche Prozess des toten Körpers schreitet voran.

Dank der ersten Kühldecke im Hospiz am Iterbach kann die Zeit zum Abschied nehmen deutlich ausgeweitet werden. Biografien erhalten einen würdigen Schlusspunkt. Rund 5000 Euro koste eine solche Kühldecke, erklärt Maja Schmidt von der Firma Transatlantic, einem Familienunternehmen aus dem Taunus, das auf solche Produkte spezialisiert ist.

Neuanschaffung für ein würdiges Abschiednehmen: Maja Schmidt (Hersteller), Jens Ulrich Meyer (Aachener Bank), Franz-Heinz Flohr (Freundeskreis) testen mit Thomas Kleiner und Simone Rüttgers (beide Pflegedienstleitung, von links) die Neuanschaffung. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Tatsächlich sind derartige Anschaffungen nicht in den Etats der Hospize trotz aller Notwenigkeit vorgesehen. Sie werden von den Fördervereinen der Hospize – hier der Freundeskreis – übernommen. Beim Freundeskreis Hospiz am Iterbach sah man das Crowdfunding-Projekt „Spendenbütt“ der Aachener Bank, die schon lange eine Nähe zur Aachener Hospizbewegung pflegt, als ideales Instrument, um die notwendigen Mittel zu akquirieren. „So können Projekte finanziert werden, die es sonst nicht gibt“, erklärt Jens Ulrich Meyer, Vorstand der Bank. Seit einem Jahr gibt es die „Spendenbütt“, 25 Projekte konnten so finanziert werden. Einzelspenden verdoppelt die Bank bis zum Erreichen des Finanzierungszieles.

Die Kühldecke, hinter der sich ein ganzes technisches System verbirgt, ist aus besagten Gründen für das Hospiz sehr bedeutend. Noch immer engagieren sich zahlreiche Menschen, um die Restfinanzierung des Projektes in der Voreifel auf die Beine zu stellen. Das unterstreicht den bürgerschaftlichen Gedanken des Hospizes, der sich genauso in der Hospizstiftung wie im Crowdfounding wiederfindet.

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