Aachen: Hörsaalzentrum erst Ende 2016 startklar?

Aachen : Hörsaalzentrum erst Ende 2016 startklar?

Eigentlich sollte das neue Hörsaalzentrum an der Claßenstraße bereits im Herbst 2013 eröffnet werden — passend zum Erstsemesteransturm, den der doppelte Abiturjahrgang auch in Aachen mit sich brachte. Doch zuerst sorgten Planungspannen für Verzögerungen, dann ließen Vergabestreitigkeiten die Baustelle lange ruhen.

Zwar laufen die Arbeiten an dem Gebäude, das mit 4000 Plätzen eines der größten und modernsten Hörsaalzentren in Europa werden soll, mittlerweile wieder, doch ist der Zeitverzug enorm.

Möglicherweise wird der Bau nun sogar erst zum Wintersemester 2016/17 im Lehrbetrieb genutzt werden können, wie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) als Bauherr auf Anfrage erklärte — auch wenn BLB-Sprecher Bernd Klass dieser Information ein „spätestens“ hinzufügt. „Wir bemühen uns natürlich, dass das Gebäude früher bezugsfertig ist.“

Das würde wohl auch die RWTH Aachen als Nutzerin des Zentrums freuen. Denn noch Anfang April, als der BLB den Fortgang der Bauarbeiten in Aussicht stellte, hatte er verkündet, dass man als Ziel eine Fertigstellung zum Wintersemester 2015/16 im Auge habe. Und davon ging man bis jetzt laut RWTH-Sprecherin Renate Kinny in der Hochschule auch noch aus — allerdings als „frühestmöglicher Zeitpunkt“ einer Fertigstellung.

Dass die Arbeiten auf der Baustelle nun endlich wieder auf Hochtouren laufen können, liegt daran, dass die drei Beschwerden von Baufirmen gegen das Vergabeverfahren des BLB nun allesamt erledigt sind. Monatelang dauerte die Klärung dieser Streitigkeiten vor der Vergabekammer der Bezirksregierung in Köln, wobei sich laut BLB eines der drei sogenannten „Nachprüfungsverfahren“ wegen der Insolvenz einer Firma erledigte, während eine weitere Beschwerde von der Kammer als unzulässig zurückgewiesen worden sei.

Ein Unternehmen konnte sich allerdings wegen einer fehlerhaften Vergabe erfolgreich „einklagen“: Die Lüftungstechnik des Hörsaalzentrums werde nun von einer Firma gebaut, die zunächst wegen fehlender Eignung ausgeschlossen worden sei. Doch dies habe die Vergabekammer, so der BLB, als nicht gerechtfertigt angesehen.

Ein erstes Mal war der Zeitplan für das Großprojekt schon vor Baubeginn ausgebremst worden. Denn der erste Entwurf des dänischen Architekturbüros „schmidt hammer lassen“ ließ sich nicht im vorgegebenen Kostenrahmen von immerhin 45 Millionen Euro realisieren. Es musste also abgespeckt werden, doch die Einsparungen dürften durch die weiteren Verzögerungen wieder aufgezehrt sein. Schließlich mussten als Ersatz am Republikplatz und an der Schinkelstraße zwei provisorische Gebäude mit Hörsälen und Seminarräumen hochgezogen werden.

Die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 4,5 Millionen Euro — immerhin zehn Prozent der Gesamtkosten des neuen Hörsaalzentrums, in dem auf 14.000 Quadratmetern elf Hörsäle, 16 Seminarräume, eine Pausenhalle mit Café, Bereiche für die Physiksammlung sowie Lager- und Arbeitsräume Platz finden sollen. Wenn all das fertig ist — laut BLB also spätestens in gut zwei Jahren — werden die teuren Notbauten übrigens wieder abgebaut.

Mehr von Aachener Zeitung