HIV und Hepatitis: Anonyme Tests auf Geschlechtskrankheiten in Aachen

Aachener Ärzte klären über HIV und Hepatitis auf : Der Kampf gegen hinterlistige Krankheiten geht weiter

Mit „Test 2 Multiply“ haben Aachener Ärzte und die Aids-Hilfe Aachen ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen, um sich auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Die Resonanz ist so groß, dass die Aktion nach der Pilotphase weitergeführt werden soll.

Ob beim Gesundheitsamt der Städteregion oder im Praxiszentrum Blondelstraße: Seit Jahren gibt es in Aachen mehrere Anlaufstellen, um sich auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Doch das reicht nicht aus, wenn es nach Dr. Heribert Knechten und Dr. Daniel Beer aus der Praxis an der Blondelstraße, nach der Aids-Hilfe Aachen und dem Queer-Referat der Aachener Hochschulen geht. Vor ungefähr einem Jahr haben sie deshalb das Projekt „Test 2 Multiply“ ins Leben gerufen.

Für fünf Euro kann man sich bei „Test 2 Multiply“ in den Räumlichkeiten des Queer-Referats, Trichtergasse 14, auf die drei sexuell übertragbaren Krankheiten HIV, Syphilis und Hepatitis C testen lassen, und zwar völlig anonym. Innerhalb von 15 Minuten bekommt man das Ergebnis, eine Beratung gibt es auf Wunsch noch dazu. Was als Pilotprojekt begann, soll nun fortgeführt werden, denn die Resonanz des Projekts ist groß.

„Wir haben im vergangenen Jahr elf Testtermine angeboten und insgesamt 120 Personen getestet“, sagt Daniel Beer im Gespräch mit unserer Zeitung. Das, was Beer gefällt: Alle Teilnehmer seien „negativ“ getestet worden, also nicht erkrankt. Was ihm weniger gefällt: „Die Menschen, die sich im Rahmen des Projekts haben testen lassen, sind vornehmlich junge Leute“, so Beer. Doch es gebe auch viele ältere Menschen, beispielsweise bisexuelle Männer, die zur Risikogruppe gehören, die sich noch nicht haben testen lassen. „Wir überlegen derzeit noch, wie wir diese Gruppe besser erreichen können.“

Wichtig sei das Testen auch deswegen, weil Krankheiten im Umlauf sind, die, anders als das HI-Virus, wieder auf dem Vormarsch sind: Syphilis und Hepatitis C kommen, auch in der Region, eher häufiger als seltener vor. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass sich Menschen durch die sogenannte „Prep“ (Prä-Expositions-Prophylaxe) genügend geschützt fühlen, obwohl diese lediglich präventiv gegen den HI-Virus schützt.

Um mehr Menschen zu erreichen, gibt es für „Test 2 Multiply“ kleine, bunte Kärtchen im Scheckkartenformat – entweder in Regenbogenfarben oder in Blau. Diese Kärtchen kann man im Queer-Referat mitnehmen und an Bekannte verteilen, denen man ebenfalls zu einem Test raten möchte. „Die Karten sind im vergangenen Jahr in der ganzen Region verteilt worden, auch über die Landesgrenzen hinaus“, weiß Daniel Beer.

Auch Heribert Knechten, einer der Pioniere im Kampf gegen HIV und Aids, zieht ein positives Fazit nach einem Jahr „Test 2 Multiply“: „Wir haben ein zusätzliches Testangebot geschaffen, das angenommen wird“, sagt er. Viele Menschen hätten Hemmungen, sich beim Gesundheitsamt oder in einer Arztpraxis testen zu lassen – aus Angst, stigmatisiert zu werden. Denn auch wenn sich in Sachen HIV- und Aids-Behandlung viel getan hat in den letzten Jahrzehnten, so sehen sich viele von Knechtens und Beers Patienten immer noch vielen Vorurteilen ausgesetzt.

Öffentlich sollen die Ergebnisse der Pilotphase am Donnerstag, 4. April, um 19 Uhr im Queer-Referat, Trichtergasse 14, vorgestellt werden. Der nächste Abend, an dem man sich testen lassen kann, findet am Donnerstag, 21. Februar, in der Zeit von 19 bis 21 Uhr statt.