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Spendenaktion in der Corona-Krise: Hilfe aus Aachen für ein Dorf auf Madagaskar

Spendenaktion in der Corona-Krise : Hilfe aus Aachen für ein Dorf auf Madagaskar

Mehr als 15.000 Euro haben die gebürtige Aachenerin Maria Bester und ihr Mann während der Corona-Pandemie gesammelt, um Menschen im tropischen Regenwald Madagaskars in der Krise zu helfen.

Als die Aachenerin Maria Bester – damals hieß sie noch Pümpel mit Nachnamen – 2009 ihrer Heimatstadt den Rücken kehrte, um mit einem umgebauten Eiswägelchen 33.000 Kilometer durch Osteuropa, den mittleren Osten und dann die ostafrikanische Küste entlang bis nach Südafrika zu fahren, hätte sie nicht gedacht, dass erst die Coronavirus-Pandemie sie wieder nach Aachen zurückbringen würde. Im südafrikanischen Kapstadt lernte die damals 25-Jährige ihren südafrikanischen Mann Pierre Bester kennen, mit dem sie in den folgenden zehn Jahren eine Ferienanlage im Inselstaat Madagaskar vor der afrikanischen Südostküste aufbaute und leitete.

Die Lodge in einem Naturschutzgebiet war sehr beliebt bei Touristen in Madagaskar. Dann kam Corona, und im April 2020 wurden alle Unterkünfte geschlossen. Reisen in das Land sind auch aktuell nicht möglich. Neun Monate steht das Familienunternehmen bereits ohne Einkommen und ohne staatliche Hilfe da. Mit seinen beiden Kindern kehrte das Ehepaar vorerst nach Aachen zurück.

Trotzdem gelang es Pierre und Maria Bester, 20 ihrer Angestellten weiterzubeschäftigen, etwa in der Instandhaltung. „Unsere Gebäude sind aus Naturmaterialien und müssen regelmäßig gewartet werden. Sehr arbeitsaufwändig ist es, neue Dächer aus Palmblättern zu knüpfen, und das muss alle zwei bis drei Jahre gemacht werden. Da wir über 20 solcher Dächer haben, hatte unser Team einige Wochen zu tun“, erklärt Maria Bester. Einige Angestellte überwachten anstelle ihrer normalen Arbeit als Koch oder Gärtner das umliegende Regenwaldgebiet mit GPS-Geräten. „In Zeiten wie diesen, in denen viele Menschen ihre Arbeit verlieren, ist der Wald bedrohter als sonst. Es ist wichtig sicherzustellen, dass nicht illegal abgeholzt und gewildert wird“, sagt Pierre Bester.

Für mehr als 40 Angestellte aber gibt es seit vergangenem Frühjahr keine Arbeit mehr. Ihre Familien wurden und werden mit Lebensmittelspenden unterstützt. Dafür bat das Ehepaar Bester im April 2020 über die amerikanische Crowdfunding-Webseite „Gofundme“ um Spenden. Über Maria Besters Familie wurde das Projekt auch in Aachen bekannt. Mehr als 15.000 Euro sind bereit szusammengekommen. „Wir waren überwältigt von der Spendenbereitschaft der Aachener. Letztlich kamen über 60 Prozent der Spenden aus meiner Heimatstadt“, freut sich Maria Bester.

Das Geld reichte aus, um acht Monate lang eine monatliche Lebensmittelspende zu organisieren. „Reis ist eine wichtige Grundlage für die tägliche Ernährung auf Madagaskar“, sagt Maria Bester. Aus dem Spendenaufkommen konnte jeder Familie ein 50-Kilo-Sack Reis pro Monat zur Verfügung gestellt werden. Auch der Kindergarten, den Pierre und Maria 2017 gegründet hatten, kann mit den Spenden weiter geöffnet bleiben.

Gerne würde die Familie ihre Unterstützung weiter aufrechterhalten, bis die Reiseeinschränkungen aufgehoben werden. „Dann werden wir in Madagaskar wieder Touristen empfangen und unsere Servicekräfte wieder einstellen können“, hofft Pierre Bester. Einige Aachenerinnen, berichtet das Ehepaar, hätten mit besonderen Aktionen zum Erfolg des Projekts beigetragen: Barbara Mommertz, die sonst selbstgenähte Spielzeuge auf dem Weihnachtsmarkt anbietet, nähte und verkaufte diesmal Masken und spendete den Erlös an das Projekt. Die Künstlerin Vera Sous stellte eines ihrer Werke zu einem reduzierten Preis mit der Bedingung zum Verkauf, dass der Käufer das Hilfsprojekt unterstützt. Und Dorothea Pümpel machte das Projekt weiter bekannt.

Maria Bester ist tief beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Unterstützer: „Wir bedanken uns für die Kreativität der Menschen und die zahlreichen Spenden. Dies bestärkt uns darin, der Krise zu trotzen und das Projekt weiter voranzutreiben.“

Gespendet werden kann über Gofundme: https://de.gofundme.com/f/Masoala-Forest-Lodge-helping-the-local-communities. Kontaktieren kann man Maria Bester über die Webseite ihrer Lodge www.masoalaforestlodge.com, per E-Mail an maria.masoalaforestlodge@gmail.com sowie telefonisch unter 017670692791.

(mg)