Aachen: Herz gegen Verstand: Theaterschule Aachen zeigt „Der Menschenfeind“

Aachen: Herz gegen Verstand: Theaterschule Aachen zeigt „Der Menschenfeind“

Ein Leben ohne Heuchelei und den Druck, ständig eine Rolle zu spielen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden — ein Ideal, das heute noch so aktuell ist wie es zu Molières Zeiten war. Die Schüler der Theaterschule Aachen für Schauspiel, Regie und Musical zeigen ab 27. Januar ihre Interpretation von „Der Menschenfeind“.

„Der Menschenfeind oder der verliebte Melancholiker“, so lautet der volle Titel von Molières Werk, das 1666 uraufgeführt wurde. Protagonist Alceste ist hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Polen, zwischen dem Ideal, nicht mehr zu heucheln und seiner adligen Abstammung, ob derer er sich gesellschaftlichen Konventionen beugen sollte.

Molière, Der Menschenfeind, die Schauspieler Christopher Gollan, Lydia Bur, Thilo Metzger Foto: Andreas Hermann

Die faszinierende Tragweite und Aktualität des Stoffes haben Regisseur Mehdi S. Benjdila dazu bewegt, Molières Komödie für seine Abschlussarbeit zu wählen: „In unserem Alltag begegnen uns allen Menschen, die denken, ständig Fassaden aufbauen zu müssen, um durchs Leben zu kommen. Es ist sehr schwer, sich davon zu lösen, immer eine Rolle zu spielen“. Und das Stück biete die Möglichkeit, sich dieser eher schweren Thematik der Wahrhaftigkeit in Form einer Komödie zu nähern.

Das neunköpfige Ensemble probt seit dem Sommer mehrmals in der Woche. Alle Darsteller sind Schauspielschüler aus dem Abschluss- oder einem der mittleren Semester. Gemeinsam mit solch einem großen Ensemble den Entwicklungsprozess der Proben und der Figuren zu erleben, sei sehr spannend gewesen, so Hannah Sophia Küpper, die Alcestes Verehrerin Arsinoé spielt. Mit Regierassistent Tobias Kulka hat Benjdila eine eigene Textfassung des Klassikers erarbeitet und setzt auf eine modernisierte Dramaturgie, was unter anderem an der Sprache bemerkbar ist.

Auch Kostüme und Bühnenbild haben einen Prozess durchlaufen: nach viel Herumexperimentieren ist beides aufwendig und auffällig geworden, mit viel Glitzer, an einigen Stellen mit Hang zum Kitsch und mit einem männlichen Darsteller, der die Éliante verkörpert. „Eine gemäßigte Form der Camp-Ästhetik“, nennt es Benjdila. Den wiederkehrenden Konflikt zwischen Herz und Verstand stellt das Ensemble dann auch künstlich überhöht dar, mit vielen Emotionsausbrüchen und einer großen Körperlichkeit.

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