Aachen: Herbert Sliwinski und das aufblasbare Parkhaus für den Tierpark

Aachen: Herbert Sliwinski und das aufblasbare Parkhaus für den Tierpark

Bis zu 400.000 Besucher zählt der Tierpark pro Jahr. Aber darauf will sich der Euregiozoo keinesfalls ausruhen, wie Herbert Sliwinski, Vorsitzender des Fördervereins Tierparkfreunde Aachen, im AZ-Samstaginterview erzählt. Es geht um aufblasbare Parkhäuser und kuschelige Patenschaften...

Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Welches ist denn Ihr Lieblingstier?

Sliwinski: Eindeutig der Panda.

Ein nachtaktives Tier, Einzelgänger. Ihre Reviere durchstreifen die Katzenbären auf festen Wechseln, sowohl am Boden als auch in den Bäumen. Die Reviergrenzen werden mit einem stark nach Moschus riechenden Sekret aus ihren Analdrüsen markiert. Den heißesten Teil des Tages verschlafen die hitzeempfindlichen Tiere in schattigen Baumkronen oder Baumhöhlen... Sieht Ihnen gar nicht ähnlich.

Sliwinski: (lacht) Danke. Brav aus Wikipedia zitiert. Gratuliere.

Danke. Also der Panda-Bär...

Sliwinski: Ja, ein attraktives, ruhiges Tier. Auch die Größe kommt ungefähr hin — und die Behäbigkeit und der Niedlichkeitsfaktor stimmen auch (lacht). Der Panda passt wirklich perfekt. Zudem ich da auch eine berufliche Verbindung habe, weil der Panda das Patentier der Aachener Parkhausgesellschaft ist, deren Geschäftsführer ich bin.

Manche Tiere sind also beliebter als andere. Muss man sich da Sorgen machen?

Sliwinski: Nein, natürlich nicht. Der Direktor des Aachener Tierparks, Wolfram Graf-Rudolf, und sein fantastisches Team setzen alle Tiere gleichermaßen wundervoll in Szene. Der Tierpark hier ist ein Generationentierpark. Das begeistert die Kleinsten, die Eltern und Oma und Opa genauso. Dank der hervorragenden und sehr abwechslungsreichen Wegeführung werden die Besucher an allen Bewohnern vorbeigeführt. Das ist wirklich klasse. So entdeckt man alle Ecken auf dem Gelände rund um den Weiher, das ist immer spannend.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Tierpark weiterentwickelt; inwiefern?

Sliwinski: Ja, das kann mann wohl sagen. Obwohl der etwa 90.000 Quadratmeter große Tierpark ja räumlich durch die umliegenden Wohngebiete beschränkt ist, was seine Ausdehnung an, hat sich unglaublich viel getan. Das augenscheinlichste Projekt der vergangenen Jahre ist da sicherlich das große Geparden-Gehege. Das ist phänomenal gelungen.

Und auch bei den Geparden ist das Tierpark-Team seinem Konzept treu geblieben. Das heißt: Jedes Tier hat Rückzugsmöglichkeiten im eigenen Gehege — zum Beispiel durch Hügel und Felsen. Wenn ein Tier mal keine Lust auf Besucher hat, dann kann es sich selbstständig ein unbeobachtetes, ruhiges Plätzchen suchen. Das ist sehr wichtig.

Die Konzept, auch verbunden mit dem erstaunlichen Platz- und Spielangeboten für die Tiere, hat über Aachens Grenzen hinaus Schlagzeilen gemacht.

Sliwinski: Ja, und darauf dürfen Wolfram Graf-Rudolf und seine Mitarbeiter auch zu Recht sehr stolz sein. Vergangenes Jahr hat der Aachener Tierpark — insbesondere wegen des gerade mal drei Jahre alten Geparden-Geheges auf 2500 Quadratmetern inklusive afrikanischer Bambushütte den sogenannten „Biber“ des Berufsverbandes der deutschen Zootierpfleger bekommen.

Diese Auszeichnung gilt als eine Art Oscar der Branche. Das ist wirklich eine herausragende Auszeichnung. Das zeigt, wie genial die Raubkatzen im Aachener Freigehege ein neues artgerechtes Zuhause gefunden haben.

Dabei ist die Zahl der Aufgaben und auch die Zahl der Tiere in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Hat dieses Jahr schon so eine Art „Volkszählung“ stattgefunden?

Sliwinski: Wir stehen als Förderverein mit der Leitung des Tierparks natürlich ständig in engem Kontakt. Deswegen weiß ich, dass derzeit 887 Tiere im Aachener Tierpark leben — wobei Kleinsäuger wie Mäuse und Co. nicht mitgezählt sind. Da verändert sich die Population ja schnell. Insgesamt gibt es hier 200 Arten zu bewundern.

Damit alle satt werden, gibt es — unter anderem — den Förderverein. Denn — anders als viele glauben — gehört der Tierpark keineswegs der Stadt Aachen.

Sliwinski: Genauso ist es, das wissen wohl nur die wenigsten. Der Tierpark gehört tatsächlich nicht der Stadt, er wird von der Stadt auch nur zu geringen Teilen finanziell unterstützt. Der Tierpark ist eine gemeinnützige AG. Wir leben von den Eintrittsgeldern und den Fördergeldern des Vereins.

Der wurde übrigens im Dezember 1960 gegründet — also sechs Jahre, bevor eine Aachener Bürgerinitiative um den Hauptschullehrer Wilhelm Coenen und den Verleger Hans Limberg die Trägerschaft für den jetzigen Aachener Tierpark übernahm, der nun seit 50 Jahren existiert. Übrigens kann man schon für 15 Euro pro Jahr Mitglied werden; mittlerweile zählen wir über 500 Mitglieder des Fördervereins — und es dürfen gerne noch mehr werden.

Weil man damit die Existenz des Aachener Tierparks und dessen weitere Entwicklung fördert. Gibt es noch mehr Vorzüge für Fördervereinsmitglieder?

Sliwinski: Ja, selbstverständlich. Viele Gehege und Volieren, Spielplätze und Bänke konnten im Euregiozoo mit Unterstützung der Tierparkfreunde realisiert werden. Darunter sind das neue Zuhause für Steinkauze und Uhus, das Schildkrötenhaus und die Karawanserei. Unterstützt wird daneben auch die Arbeit im Kinderbauernhof — da waren neue Arbeitsklamotten für die Kinder nötig — und das therapeutische Reiten, das uns sehr am Herzen liegt. Und wir bieten zum Beispiel spezielle Themenführungen durch den Tierpark an. „Die Tiere der Bibel“ war beispielsweise eine wirklich überaus interessante Führung. Es sind aber auch abendliche Besuche im Tierpark dabei.

Dann ergeben sich auch für Tierpark-Kenner ganz neue Perspektiven — was für mich als Hobby-Fotograf einen besonderen Reiz hat. Für dieses Jahr sind noch zwei bis drei Führungen und auch spezielle Vorträge geplant. Außerdem unternehmen wir jedes Jahr eine Reise. Vergangenes Jahr führte diese — und das war absolut außergewöhnlich — nach Südafrika. Dieses Jahr bieten wir eine zweitägige Tour an: zum Frankfurter Zoo und zum Opelzoo für 149 Euro inklusive Eintrittspreise, Führungen und Vier-Sterne-Hotel. Wer Interesse hat, kann sich beim Tierpark oder direkt beim Förderverein melden. Es sind nur noch wenige Plätze frei.

Apropos Platz: Der ist für Besucher und vor allem deren Autos zuweilen knapp. Es gibt Menschen in Aachen, man habe Sie als Apag-Geschäftsführer zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt, damit die Parkplatz-Situation an besucherstarken Tagen durch ein neues Parkhaus an der Oberen Drimbornstraße entspannt wird?

Sliwinski: (lacht) Natürlich! Wir entwickeln bei der Apag gerade ein aufblasbares Parkhaus, dass wir bei Bedarf mal eben vor dem Euregiozoo aufpusten. Nein, ganz ernsthaft: Großartig ist zunächst, dass die Besucherzahlen in den vergangenen tagen stetig gewachsen sind. Zwischen 360.000 und 400.000 Menschen kommen mittlerweile pro Jahr in den Aachener Tierpark. Natürlich sind es besonders viele, wenn am Wochenende das Wetter schön ist. Dann brummt‘s. Aber das betrifft nur eine Handvoll Wochenenden im Jahr. Mit Schildern weisen wir daraufhin, dass nur wenige Gehminuten vom Hauptparkplatz entfernt weitere kostenlose Parkplätze am Alleenring zur Verfügung stehen.

Wir unternehmen alles, damit die knappen Parkplätze in den angrenzenden Wohngebieten nicht von Tierparkbesuchern überbelegt werden — zeitweise setzen wir sogar Verkehrskadetten ein. Wir machen alles, was geht. Aber wir wünschen uns natürlich auch etwas Verständnis von den Anwohnern und Nachbarn. Auch am Tivoli und beim Reitturnier in der Soers gibt es veranstaltungsbedingt manchmal Engpässe. Damit muss man doch leben können. Der Tierpark besteht an dieser Stelle schließlich seit 50 Jahren.

Also wird alles so weitergehen, wie bisher?

Sliwinski: Das muss man abwarten. Die Umweltplakette für Aachen könnte sich tatsächlich zu einem echten Problem für uns entwickeln. Wir haben den Eindruck, dass weniger Niederländer und Belgier kommen. Der Tierpark liegt in der Umweltzone. Und viele auswärtigen Besucher, deren Autos keine Plaketten haben, sind abgeschreckt. Andersherum ist es so, dass tatsächlich die Park & Ride-Parkhäuser der Apag mehr denn je genutzt werden — zum Beispiel am Tivoli. Nur das hilft dem Tierpark wenig. Man muss sehen, ob wir in diese Richtung auch als Förderverein eine Aktion ins Leben rufen, um dem entgegenzuwirken. Das wird sicher auf der nächsten Hauptversammlung ein Thema werden.

Wann steigt die Party zum 50-jährigen Jubiläum?

Sliwinski: Jeden Tag. Manfred Kutsch, früher AZ-Redakteur, hat dazu eine gigantische Jubiläumsfestschrift entwickelt, die es im Tierpark gibt. Da stehen superspannende Geschichten drin — vieles, dass selbst wir als Tierpark-Insider so noch nicht wussten. Und im Jubiläumsjahr 2016 wird erstmals die Jahreshauptversammlung der deutschsprachigen Zoodirektoren in Aachen stattfinden — auch eine tolle Auszeichnung für uns.

Was wünscht sich der Vorsitzende des Fördervereins für den Tierpark?

Sliwinski: Dass die Entwicklung der Aachener Tierparks weiter so erfolgreich läuft und wir finanziell gesund bleiben — und uns neue Gesetzgebungen der EU das Leben im Tierpark nicht noch schwerer machen.