Hellmich beseitigt Baumängel am Aachener Tivoli-Stadion

Außergerichtliche Einigung wird umgesetzt : Hellmichs Handwerker kehren an den Tivoli zurück

Jahrelang haben sich die Stadt und der Bauunternehmer Hellmich über die Baumängel am Aachener Tivoli gestritten, im vergangenen Sommer wurde dann eine außergerichtliche Einigung erzielt. Die wird jetzt umgesetzt.

Hellmichs Handwerker kehren ins Stadion zurück und sollen bis Ende des Jahres eine Liste mit über 40 Punkten abarbeiten.

Dass die Angelegenheit trotz der im vergangenen Sommer erzielten außergerichtlichen Einigung immer noch eine gewisse Brisanz hat, zeigt die Zurückhaltung, mit der sich die beteiligten Parteien äußern. „Vereinbarungsgemäß gibt nur die Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft mbH öffentliche Erklärungen ab“, betont Stefan Reischl, Prokurist der Hellmich-Gruppe, auf Anfrage unserer Zeitung. Und auch auf städtischer Seite will man nicht zu sehr ins Detail gehen. Immerhin aber wird bestätigt: Das Unternehmen, das für den Bau des neuen Aachener Tivolis verantwortlich war, hat mit der Beseitigung zahlreicher Mängel begonnen.

Damit wird das vermutlich letzte Kapitel dieser nun nicht mehr unendlichen, aber doch sehr langen Geschichte aufgeschlagen. Begonnen hatte sie schon kurz nach der Eröffnung des rund 50 Millionen Euro teuren Fußballtempels im August 2009, als sich erste Mängel an dem Neubau offenbarten. Bei genauerem Hinsehen summierten sie sich auf über 60. Geschätzter Gegenwert: 2,1 Millionen Euro.

Das war dann auch der Streitwert, den die städtische Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft (ASB) - mit ihr waren seinerzeit die Baukredite umgeschuldet worden - im Herbst 2014 juristisch gegen den Duisburger Bauunternehmer Hellmich geltend machte. Es war auch allerhöchste Eisenbahn. Wenige Tage später wäre die Gewährleistungsfrist abgelaufen gewesen. Zu diesem Zeitpunkt lief über die „Alemannia Aachen Stadion GmbH“ noch das Insolvenzverfahren. Im Januar 2015 kaufte die Stadt das Stadion zum symbolischen Preis von einem Euro. Zum Verfahren vor dem Aachener Landgericht kam es dann im Dezember 2015. Ein Urteil gab es damals nicht, ebenso wenig wie eine außergerichtliche Einigung. Die wurde erst knapp vier Jahre später erzielt.

Bestandteil der Vereinbarung ist neben einer Einmalzahlung von 224.000 Euro für von der ASB bereits übernommene Arbeiten, dass Hellmich am Tivoli noch etwa 40 größere Mängel mit einem Gegenwert von rund 1,3 Millionen Euro beseitigen wird. „Gemeinsames Ziel ist, dass dies bis zum Ende des Jahres erledigt sein wird“, erklärt Harald Beckers vom städtischen Presseamt gegenüber unserer Zeitung.

Die Umsetzung sei für so lange Zeit veranschlagt worden, weil die Arbeiten aufgrund von Veranstaltungen immer wieder unterbrochen werden müssten. „Zum Beispiel während der Euregio Wirtschaftsschau und des Reitturniers, aber auch, wenn die Alemannia ihre Heimspiele austrägt“, erläutert Beckers. „Das liegt daran, dass zum Teil auch großflächig gearbeitet werden muss.“

Bei der Frage, um welche Maßnahmen es konkret geht, kommt dann wieder die erwähnte Zurückhaltung zum Tragen. Die immer wieder thematisierten Wasserschäden dürften dazu gehören. Nicht so das zu kurz gebaute Dach unter dem man in den vorderen Reihen je nach Wetter buchstäblich im Regen sitzt.

Hier gab es vor Gericht nämlich Hinweise darauf, dass die Alemannia dies einst so akzeptiert hatte. Die niemals fertiggestellte Geschäftsstelle, die – hinter dem Gebäude der Firma Trianel – ein trauriges Dasein als Bauruine fristet, ebenfalls nicht. „Das Grundstück und möglicherweise auch der Rohbau sollen veräußert werden“, berichtet Harald Beckers.

Vollzug kann allerdings noch nicht vermeldet werden. Das soll in Sachen Tivoli-Reparaturen am Ende des Jahres anders sein, wie der Pressesprecher betont: „Dann wird sichergestellt sein, dass die Nutzung des Stadions und der umliegenden Flächen in Zukunft uneingeschränkt möglich ist.“ Ende gut, alles gut? Nach ziemlich genau zehn Jahren könnte es tatsächlich so kommen.