Aachen: Heinrichs erklärt seinen Rückzug

Aachen: Heinrichs erklärt seinen Rückzug

„Unsere Arbeit wird nicht von Sensationen begleitet werden”, sagte Horst Heinrichs im August 2002, als er die Präsidentschaft bei Alemannia Aachen von Kurzzeit-Präsident Theo Lieven in stürmischen Zeiten übernahm.

Dem darf man getrost widersprechen, es sei denn, man bezeichnet ein DFB-Pokal-Finale, ein glorreiches Kapitel Uefa-Cup, einen Aufstieg in die 1. Bundesliga und den Neubau eines Stadions als normal. Vier Stationen, die Horst Heinrichs´ Präsidentschaft nachhaltig markieren werden.

Um diese Reihe zu erweitern, müssten die Kicker in dieser Saison noch aufsteigen, denn die Präsidentschaft des Professors für Maschinenbau ist nach Stand der Dinge am 29. Juni zu Ende. Für jenen Montag ist die nächste Mitgliederversammlung terminiert und der Verwaltungsrat hat Heinrichs´ Kandidatur abgelehnt.

Am Freitag trat Horst Heinrichs so etwas wie den geordneten Rückzug von seiner Kandidatur an: „Ich bedauere, dass ich diesen Weg jetzt nicht mehr fortsetzen kann. Gleichwohl respektiere ich die Entscheidung des Verwaltungsrates.” Und er ergänzt: „Im Sinne der Alemannia hoffe ich, dass die Entscheidung des Gremiums gegen meine Kandidatur keine Entscheidung gegen meinen grundsätzlichen Kurs darstellt.” Dass er nichtsdestotrotz enttäuscht ist, will der Aachener gar nicht verschweigen: „Natürlich ist man in so einer Situation enttäuscht. Ich habe sieben Jahre lang für die Alemannia mein Kreuz hingehalten - jetzt will ich nicht, dass die Alemannia beschädigt wird.” Ihm komme es jetzt darauf an, eine Schlammschlacht zu vermeiden.

Diese könnte zum Beispiel eintreten, wenn die Mitglieder einen alternativen Kandidaten des Verwaltungsrates ablehnen. Nur dieses Gremium darf laut Satzung Kandidaten festlegen. Heinrichs war allerdings der Wunschkandidat der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fanklubs. Deren Sprecher Dirk Heinhuis will aus Heinrichs´ Erklärung hingegen noch keinen endgültigen Rückzug herauslesen. Ganz im Gegenteil: „Wir werden zeitnah eine Erklärung abgeben und am Montag zum Spiel gegen den MSV Duisburg erste Aktionen pro Heinrichs starten.”

Ob dies noch Sinn macht, darf bezweifelt werden. Schließlich hat der Präsident auch dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Hubert Herwartz, und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Alemannia GmbH, OB Dr. Jürgen Linden, seine Erklärung zukommen lassen. Heinrichs habe, so Herwartz, unbestrittene Verdienste um die Alemannia. Doch gebe es aus Sicht des Verwaltungsrates unterschiedliche Gründe, warum ein Wechsel an der Vereinsspitze notwendig sei und man habe ihm diese in einem Gespräch mitgeteilt. „Dezidiert hat mir diese niemand genannt”, sagte allerdings Heinrichs dazu. Dennoch betonen beide Seiten, „in verantwortungsvoller Weise mit dieser Thematik umgegangen zu sein” (Herwartz) beziehungsweise „immer mit offenen Karten gespielt zu haben” (Heinrichs).

Wie geht es weiter? „Es gibt Überlegungen, aber es ist noch zu früh, konkrete Namen zu nennen”, skizziert Herwartz den weiteren Verlauf. Man werde jetzt mit verschiedenen Leuten sprechen, stehe aber nicht unter Zeitdruck. Letztlich hat der Verwaltungsrat bis Ende Mai Zeit, Kandidaten zu benennen. Diese Zeit wolle man nutzen, um Gespräche zu führen. Horst Heinrichs: „Ich erwarte die Nominierung eines Kandidaten mit Spannung.”