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Gegenwind für Alemannia: Heftiger Streit um neuen Namen für den Aachener Tivoli

Gegenwind für Alemannia : Heftiger Streit um neuen Namen für den Aachener Tivoli

Gegenwind für die Alemannia-Spitze: Deren Überlegungen, mit einer Stadion-Umbenennung höhere Einnahmen zu erzielen, haben Politik und Verwaltung in Aachen überrascht und verärgert.

Da scheint Alemannia-Geschäftsführer Sascha Eller etwas zu forsch gewesen zu sein. Mit seiner Ankündigung, den Stadionnamen Tivoli für eine sechsstellige Summe im Jahr vermarkten zu wollen, hat er die Aachener Politik und Verwaltung überrascht und verärgert. „Hier hat einer den Knall nicht gehört“, sagt Bernhard Deil, Geschäftsführer der Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft ASB, der sich von dem Alemannia-Alleingang komplett überrumpelt fühlt.

Die ASB, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Aachen, ist bekanntlich Eigentümerin des Tivoli, die Alemannia lediglich Mieterin. Rund zwei Millionen Euro lässt sich die Stadt den Betrieb und Erhalt des Tivoli jährlich kosten. Und so lange Alemannia in der Regionalliga spielt, wird sich daran nicht viel ändern. Die Miete ist gestaffelt und richtet sich nach Ligazugehörigkeit und Zuschauerzahlen. Vor allem aber: Eine Namensänderung ist laut Deil ohne städtische Zustimmung gar nicht möglich.

Was Eller bewogen hat, vom Trainingslager in der Türkei aus seine Vermarktungspläne zu verkünden, fragt sich nicht nur Deil. „Das ist der falsche Weg“, sagt er. Und er warnt bereits vor einem „Rückfall in alte Zeiten“, als der Traditionsverein allzu selbstbewusst davon überzeugt war, Forderungen an die Stadt stellen zu können. Schon während der Insolvenzverfahren hat das immer wieder für böses Blut zwischen Politik und Verein geführt.

Anfang der Woche hatten Eller und Alemannia-Aufsichtsratsvorsitzender Marcel Moberz erklärt, in Kooperation mit der im Tivoli ansässigen Merkur-Spielbank eine Umbenennung des Stadions in „Tivoli-Merkur“ zu erwägen. Schon im März könnten die Verträge unterschrieben werden, kündigten sie an. Der Fanbeirat sei bereits informiert.

Doch vergessen haben sie offenbar die Besitzverhältnisse und die reguläre Vorgehensweise. Denn ohne Zustimmung des ASB-Aufsichtsrats geht hier gar nichts. Zwar hat Alemannia die Namensrechte am „Tivoli“, aber das Stadion könne sie trotzdem nicht umbenennen. So stehe es auch im Mietvertrag, sagt Deil.

Daher gilt es, den ASB-Aufsichtsrat davon zu überzeugen, dass eine Umbenennung ein guter Weg ist, so Deil. Zu klären ist ja immerhin, dass die aus dem Namenssponsoring erzielten Einnahmen anschließend auch „in die richtigen Taschen“ fließen. Denn während Alemannia in erster Linie darauf hoffen dürfte, die Mannschaft zu stärken und in die nächste Liga zu führen, hat die Stadt auch ein Interesse daran, die Kosten fürs Stadion zu senken.

„Wir helfen gerne“, sagt Deil, „aber wer die Verantwortung hat, muss auch die Entscheidung treffen. Und das ist die ASB.“ So sieht das auch die Ratsfraktion „Die Zukunft“, die sich am Freitag bereits per Pressemitteilung äußerte. Es sei „skurril, dass uns nun ein Mieter den Namen unserer Immobilie aufdiktiert“, so Fraktionssprecher Jörg Bogoczek. „Sollte es wirklich zur Veräußerung der Namensrechte kommen, werden wir eine entsprechende Anpassung im kommenden Mietvertrag fordern."

Die anderen Fraktionen wollen sich mit dem Fall in der kommenden Woche befassen. Carsten Schaadt, Fraktionssprecher der Grünen, bezeichnet es jedoch ebenfalls als „happig, dass sich die Alemannia ein Schlückchen gönnen möchte, ohne die Stadt einzubeziehen“. Schaadt hat ohnehin seine Zweifel, ob die Fans Gefallen an einer Umbenennung finden und mitziehen.

Ein Verkauf der Namensrechte an einen Sponsor ist am Tivoli seit Jahren ein umstrittenes Thema. Umgesetzt wurden die Pläne bis heute nicht – teils mangels Interesse von Sponsoren, teils weil das Alemannia-Management zu häufig wechselte. Ob die aktuelle Führungsspitze mehr Erfolg hat? „Der Weg ist entscheidend“, sagt Deil. Man müsse sich halt an die bekannten Regeln halten, in den entscheidenden Gremien für die Pläne werben und vor allem nicht voreilig plaudern.

Auch ein Gespräch mit Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen hat die Alemannia-Spitze bislang offenbar nicht für nötig gehalten. Dabei zeigt auch sie sich „gerne bereit, mit der Alemannia über neue Finanzierungsmodelle zu sprechen“, wie sie auf Anfrage mitteilt. „Dass die Zuschauerzahlen derzeit rasant steigen, zeigt das Potenzial der Alemannia, macht sie attraktiv für Sponsoren und kann somit dazu beitragen, die ausstehenden Mieten gegenüber der Stadt zu begleichen.“

Nach der Rückkehr der Alemannia aus dem Trainingslager im türkischen Belek scheint es am Tivoli jedenfalls erhöhten Gesprächs- und Klärungsbedarf zu geben.