Heftige Auseinandersetzung in der Bezirksvertretung Aachen-Richterich

Streitpunkt Richtericher Dell : Bau der Dell-Umgehung verzögert sich erneut

Die Verwaltung will die Trassenführung der Ortsumgehung für das geplante Wohngebiet Richtericher Dell in eine Mittellage verschieben und erntet dafür massive Kritik der Richtericher Bezirksvertreter. Der CDU-Vorsitzende Holger Brantin wirft der verwaltung „halbherziges Handeln“ vor.

„Es gibt in der Verwaltung keinen Bremser“, stellte Niels-Christian Schaffert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, klar, als die Bezirksvertretung Richterich jetzt wieder einmal über das geplante Baugebiet Richtericher Dell und die entsprechende Erschließungsstraße beriet. Denn mit dem Projekt geht es so gar nicht voran, und das brachte die Politiker nun endgültig auf die Palme.

Dass die Verwaltung die Trasse der geplanten Umgehungsstraße im Baugebiet jetzt noch einmal geändert hat, kam bei den Politikern gar nicht gut an. Die zahlreichen Bürger auf den Zuschauerplätzen dagegen schienen das gesamte Baugebiet mehrheitlich für völlig überflüssig zu halten. Ihre Einwände zentrierten sich zum einen in den zu erwartenden Erschließungskosten, zum andern sehen sie in Richtericher Dell keinen geeigneten Baugrund und fürchten entsprechende Folgekosten.

Die sind ihrerseits über die Verzögerungen mit Blick auf die Umgehungsstraße erbost. „Denn die ist auch ohne Baugebiet notwendig und hätte eigentlich schon in diesem Jahr fertig sein sollen“, betonte Holger Brantin (CDU). Stattdessen reihe sich ein Hemmnis ans andere. Diesmal sind es laut Schaffert Schwierigkeiten beim Ankauf der notwendigen Grundstücke, die dazu führen, dass die ursprüngliche Trasse der Erschließungsstraße am Rand des geplante Wohngebiets nicht beibehalten werden kann. Und da keine Aussicht bestehe, in den Besitz der notwendigen Grundstücke zu gelangen, hätten die Stadt- und Verkehrsplaner nach Alternativen zur Randlage gesucht. Doch von einer Straße mitten durchs Wohngebiet wollten die Politiker nichts wissen und pochten darauf, die ursprüngliche Trasse unbedingt beizubehalten.

„Wann kommt diese Umgehungsstraße? Er hängt so viel davon ab“, fragte Holger Brantin (CDU). Das weiß offenbar auch die Verwaltung, doch dennoch sieht sie keinen Weg, die Angelegenheit zu beschleunigen. „Auch eine Grundstücksenteignung als allerletztes Mittel würde viel Zeit kosten“, führte Schaffert aus. Seit Jahren schon habe man gewusst, dass die Straße gebaut werden soll, monierte Brantin. „Warum haben Sie sich nicht rechtzeitig um den Kauf der Grundstücke gekümmert?“, fragte er erbost und warf der Verwaltung „halbherziges Handeln“ vor. Die gibt als neues Datum für die Umgehungsstraße jetzt zwar das Jahr 2024 an, doch darauf scheinen die Bezirksvertreter nicht wirklich zu vertrauen.

Für die Zukunft wünschen sie sich eine Aufstellung aller Hemmnisse, die mit Blick auf das Baugebiet und die Umgehungsstraße noch zu erwarten sind, und entsprechende Zeitangaben. „Und wir erwarten, dass die Verwaltung auf uns zukommt, wenn es Probleme gibt“, forderte Ralf Dautzenberg (SPD). Außerdem fordert die Bezirksvertretung, dass die Straße mit höchster Priorität angegangen wird. Eine neue Trasse der Erschließungsstraße durchs Baugebiet (Mittellage) lehnten sie mehrheitlich ab.

„Junge Familien wandern ab“

Die Einwände der Bürger, die das Baugebiet für völlig überflüssig befinden, konnten die Bezirksvertreter allerdings nicht teilen. Geschlossen betonten sie immer wieder, dass das Baugebiet für die Entwicklung von Richterich und der Stadt Aachen unbedingt erforderlich sei.

„Junge Familien wandern schon nach Kohlscheid und Herzogenrath ab, weil sie hier keinen Wohnraum finden“, sagte beispielsweise Holger Brantin. Der Bedarf an Wohnraum sei heute aktueller denn je, ergänzte Marlis Köhne (CDU). Und auch die Grünen befürworten diese Pläne. „Es ist zwar nicht schön, dass in Richtericher Dell gebaut wird, aber der Bedarf ist da“, betonte Friedrich Werner Feil (Grüne). Und laut Horst Werner (SPD) bleibt Richterich trotz des Baugebiets Aachens grüner Norden.

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