Hede Commes kommt seit 65 Jahren zum CHIO

Das Reitturnier früher und heute : Als Kind unterm Zaun auf die Picknickwiese gemogelt

Die 84-jährige Hede Commes hat die Entwicklung des CHIO beinahe ihr ganzes Leben lang verfolgt. Auch heute noch fühlt sie sich pudelwohl in der Soers.

Wann genau sie zum ersten Mal beim CHIO gewesen ist, das weiß Hede Commes nicht mehr so genau. „Es muss 1953 oder 1954 gewesen sein“, sagt die 84-jährige Aachenerin. Seitdem kommt sie jedes Jahr zum Reitturnier. Einzig bei ihrer Silberhochzeit haben sie und ihr Mann ein Jahr ausgesetzt. Aber ihr erster Besuch in der Soers liegt noch weiter zurück.

„Ach, als Kind bin ich schon unterm Zaun durchgekrochen, um auf die Picknickwiese zu kommen. Mit einem Butterbrot dabei, das mir meine Mutter geschmiert hat“, sagt sie. Und warum: „Weil hier was los war.“ Und das hat sich in all den Jahrzehnten nicht geändert. „Es ist toll, wie sich das Turnier weiterentwickelt hat“, sagt Hede Commes. Ihr verstorbener Mann Rolf hatte 1961 die Gemeinschaft der Starter-, Ziel- und Hindernisrichter beim CHIO, besser bekannt als die „Pferdeschwänze“, mitgegründet und war deren langjähriger Präsident. Spätestens seitdem war Hede Commes ganz nah dran am Turniergeschehen.

Sicher, in der Vergangenheit gab es auch schöne Dinge. Dinge, die sie geschätzt hat und die sich verändert haben. „Der Kontakt zu den Reitern war enger. Gefallen hat mir, dass viele Reiter mehrere Jahre hintereinander mit denselben Pferden nach Aachen gekommen sind“, erinnert sie sich. Teils haben sich Freundschaften oder zumindest lockere Verbindungen aufgebaut, „etwa zu Hans Günter Winkler, den d’Inzeo-Brüder oder auch Fritz Thiedemann“. Einmal sei sogar die komplette Schweizer Equipe im Hause Commes zu Gast gewesen. Auch zu den Kutschen in den Aachener Wald sei sie gerne gegangen. „Und die Weltmeisterschaft 1955 war einfach traumhaft.“ Aber die 84-Jährige, die nach dem Tod ihres Mannes an seiner Stelle Mitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) wurde, fühlt sich auch heute zwischen Zeltstadt, Champions Circle und Reitertribüne pudelwohl. „Das Turnier hat sich verbessert und verschönert in allen Bereichen“, sagt sie.

„Ach du liebe Zeit!“

„Die Stadien sind größer und komfortabler. Die Gräben und Wälle sind weg, es ist alles schön übersichtlich.“ Und es gebe mehr Höhepunkte im Laufe eines Turniers. „Und wenn ich an das erste VIP-Zelt hier denke... ach du liebe Zeit!“, sagt sie und schüttelt lächelnd den Kopf.

Die Kritik, dass der Rummel beim CHIO zu groß werde, mehr und mehr Promis die Pferde und Sportler in den Hintergrund rücken könnten, teilt sie nicht. „Es ist doch toll, dass Zuschauern und Teilenehmern hier so viel geboten wird.“ Auch glaubt sie nicht, dass die Volkstümlichkeit des CHIO angesichts von Kommerz und Glamour leiden könnte. „Dann wären doch hier nicht immer alle Tribünen so gut besucht“, stellt sie fest. Und ein Blick ins Springstadion gibt ihr Recht.