Aachen: Hauptschule Burtscheid droht die Schließung

Aachen : Hauptschule Burtscheid droht die Schließung

Die Tage der Hauptschule Burtscheid sind wohl gezählt: Seit Jahren bereitet die Schule an der Malmedyer Straßen den Kommunalpolitikern Kopfzerbrechen. Nun haben sich die schulpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen dafür ausgesprochen, den Schulbetrieb auslaufend einzustellen.

Bereits zum neuen Schuljahr sollen keine neuen Fünftklässler mehr aufgenommen werden. Wie Holger Brantin, schulpolitischer Sprecher der CDU, am Freitag auf Anfrage bestätigte, habe die Lenkungsgruppe, in der neben der Politik auch die Schulaufsicht und die Verwaltung vertreten ist, die entsprechende Empfehlung bereits vor einigen Wochen festgezurrt. Noch vor den Osterferien sei die Schulleitung informiert worden, nach den Feiertagen dann auch die Schulkonferenz. Offiziell beraten und beschlossen wird die Schulschließung am 3. Mai in der nächsten Sitzung des Schulausschusses. Dann steht noch die Zustimmung der Bezirksregierung Köln aus.

„Seit mehreren Jahren sind die Anmeldezahlen für die Eingangsklassen so gering, dass wir immer wieder händeringend mit der Bezirksregierung eine Lösung finden mussten“, sagte Brantin. Gerade mal 15 Anmeldungen zählte die Hauptschule zum Stichtag im März. Zu wenig, um nach Ansicht der Schulexperten den Erhalt von drei Hauptschulen in Aachen rechtfertigen zu können. Denn, wie Bernd Krott als schulpolitischer Sprecher der SPD am Freitag auf Anfrage betonte: „Eine Hauptschule muss im Regelfall mindestens zweizügig sein, um den Unterricht angemessenen gestalten zu können.“

Die 15 Schüler sollen nun auf die verbleibenden Hauptschulen verteilt werden, die, so Krott, ausreichende Kapazitäten dafür haben. Auf die aktuelle Schülerschaft soll die drohende Schulschließung indes keine Auswirkungen haben. Erst wenn der letzte Jahrgang die Schule verlässt, wird die Hauptschule Burtscheid — die im Jahr 2020 ihr 125-jähriges Bestehen feiern will — dicht machen.

Monika Schüttert bedauert die Empfehlung der Schulexperten. Seit einem Jahr leitet sie die Hauptschule Burtscheid, ihr Stellvertreter ist nur wenige Monate länger im Amt. „Wir hatten nicht ausreichend Zeit, Kontakte zu knüpfen“, sagte sie am Freitag auf AZ-Anfrage. „Wenn wir ein Jahr mehr Zeit gehabt hätten, glaube ich, dass wir den Erhalt der Schule geschafft hätten“, ist sie überzeugt und verweist darauf, dass der Beschluss über die Schulschließung noch aussteht. Denn gerade in den höheren Jahrgängen sei die Schülerzahl an der Malmedyer Straße durch sogenannte Rückläufer von Real- und Gesamtschulen hoch. „Ab Jahrgang acht sind wir in der Regel dreizügig.“

Eine aussterbende Schulform

Dass die Hauptschule zumindest dem Elternwunsch zufolge wohl als eine aussterbende Schulform betrachtet werden kann, bestätigte jüngst eine Elternbefragung im Primarbereich zur Wahl der weiterführenden Schulen. Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Tochter oder ihren Sohn am liebsten auf dem Gymnasium sehen würden. Knapp 29 Prozent wählten die Gesamtschule als Wunschschule. Nur elf Prozent entschieden sich für die Realschule — die Hauptschule kam auf nicht mal zwei Prozent. Mehrfachnennungen waren erlaubt.

Nicht nur die Zukunft der Hauptschule wird den Schulpolitiker in den kommenden Monaten genug Stoff für Diskussionen liefern. So steht seit Jahren die Forderung nach einer fünften Gesamtschule im Raum. Abzuwarten bleibt allerdings, wie sich langfristig die Anmeldezahlen entwickeln, wenn die Gymnasien wie erwartet zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren. Wie Bernd Krott sagt: „Die Schulentwicklungsplanung bleibt spannend.“

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