Aachen: Hauptbahnhof: Verlängerung der Unterführung nach Burtscheid kommt voran

Aachen : Hauptbahnhof: Verlängerung der Unterführung nach Burtscheid kommt voran

Kindergarten, Grundschule, Abitur, Studium: Wäre die Idee, durch einen Südausgang eine bessere Anbindung des Hauptbahnhofs an den Stadtteil Burtscheid zu schaffen, ein Menschenleben, dann wäre dieses mittlerweile erwachsen, würde erste Berufserfahrungen sammeln und womöglich sogar schon an die Familienplanung denken — so lang ist das Projekt bereits in Aachen Thema.

Auch am Donnerstag stand der geplante Südausgang im Mobilitätsausschuss erneut auf der Tagesordnung. Nur dass den Kommunalpolitikern dieses Mal auch konkrete Pläne vorlagen.

Ein Vierteljahrhundert nach den ersten Gedankenspielen nehmen die Pläne Gestalt an. Weiterhin geplant ist der Tunneldurchstich in Richtung Kasinostraße. Dort, wo die Personenunterführung im Hauptbahnhof aktuell noch unter Gleis 9 mit einer Stützwand endet, soll es also weitergehen, und zwar ziemlich genau um zwölf Meter. Der verlängerte Tunnel soll dann in eine trapezförmige Treppenanlage, die einen Höheunterschied von zehn Metern überbrücken soll, und einen Aufzug münden. Dass dies bautechnisch umsetzbar ist, hat eine Machbarkeitsstudie bereits im Jahr 2014 bestätigt.

Bis die Burtscheider jedoch von der Kasinostraße aus über den neuen Vorplatz den Bahnhof ansteuern können, wird das Projekt noch etwas reifen müssen. Im günstigsten Fall könne, so die Verwaltung, der Südausgang samt Vorplatz Mitte 2020 fertiggestellt sein. Nach den aktuellen Plänen soll dieser Vorplatz als Vorfahrt mit Wendemöglichkeit für Kiss & Ride dienen und Platz für mehrere Taxistände und Kurzzeitparkplätze bieten. Vorgesehen sind darüber hinaus überdachte Abstellplätze für Fahrradfahrer sowie eine Velocity-Station. Auf lange Sicht plant die Verwaltung auch, entlang der Gleise einen neuen, etwa drei Meter breiten Fuß- und Radweg zwischen Burtscheider Brücke und Kasinostraße anzulegen. Die dafür nötigen Grundstücke müssen laut Verwaltung aber noch erworben werden.

Ob der Südausgang aber wirklich bereits 2020 fertiggestellt wird, daran scheint selbst die Verwaltung so ihre Zweifel zu haben. Denn insbesondere der Tunneldurchstich bereitet den Planern Kopfzerbrechen. Zunächst hatte ein privater Investor geplant, den Bunker umzubauen, dort Wohnungen und Lagerflächen zu schaffen und in einem Aufwasch auch den Durchbruch durch den denkmalgeschützten Hochbunker herzustellen. Inzwischen haben sich die Pläne jedoch geändert. So soll nach Überzeugung der Verwaltung der Durchstich besser in Eigenregie durch das städtische Gebäudemanagement erfolgen. Und das, obwohl das Gebäudemanagement „keinerlei eigene Erfahrungen in der Abwicklung von Bunkerdurchbrüchen“ habe.

Das ist jedoch nicht der einzige Umstand, den die Verwaltung als Risikofaktor für unangenehme Überraschungen erkennt. So seien die Bahnhofsbauten extrem schlecht dokumentiert. Nicht absehbar sei zudem, welche Sicherheitsvorkehrungen für die Abstützung des Bahnsteigdachs getroffen werden müssen. Außerdem sei es durchaus möglich, dass sich die Baumaßnahme durch mögliche Proteste infolge zu erwartender Lärmbelästigung bei den Bauarbeiten verzögert.

Insgesamt rechnet die Stadt allein für den Bunkerdurchbruch mit Kosten von rund 900.000 Euro, wobei diese Summe — je nach dem, mit welchen Überraschungen die Bauarbeiter womöglich konfrontiert werden — durchaus steigen kann. Insgesamt ergibt sich laut Verwaltungsvorlage eine geschätzte Investitionssumme in Höhe von rund 6,9 Millionen Euro. Die Bauzeit wird mit rund 19 Monaten veranschlagt.

Nachdem der Planungsausschuss bereits Ende März grünes Licht für die Vergabe der Planung gegeben hatte, folgten am Mittwoch die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und am Donnerstag nun auch die Mitglieder des Mobilitätsausschusses. Das Projekt „Südausgang“ biegt zwar noch nicht auf die Zielgerade ein, aber der erste Schritt ist getan.