Hauptbahnhof: Neuer Südausgang wird konkret

Schluss mit Schneckentempo : Startschuss für Südausgang des Hauptbahnhofs

Über einen Südausgang des Aachener Hauptbahnhofs in Richtung Burtscheid wurde schon im vorigen Jahrtausend eifrig diskutiert – ohne dass davon bislang irgendetwas zu sehen ist. Doch jetzt scheint tatsächlich Bewegung in das Projekt zu kommen: In der nächsten Woche soll die europaweite Ausschreibung veröffentlicht werden.

Manchmal lassen einen Verwaltungsdokumente tatsächlich schmunzeln. „Derzeit wird der südliche Bahnhofsausgang als Durchstich zwischen Hauptbahnhof und Kasinostraße geplant“, heißt es in einer nicht-öffentlichen Vorlage für den Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, in der es um den Verkauf des Bunkers an der Kasinostraße geht.

Wer das Projekt kennt, weiß: Statt mit „Derzeit“ könnte man diesen Satz auch mit „Seit vielen Jahren“ beginnen. Oder mit „Seit etwa einem Vierteljahrhundert“. Ungefähr so lange jedenfalls wird die Idee eines solchen Südausgangs in der Politik diskutiert. Mindestens.

Allerdings scheint „derzeit“ tatsächlich sehr intensiv geplant zu werden. Denn nach vielen Jahren des Stillstands und etlichen Verzögerungen kommt nun endlich Bewegung in das Projekt: „Die Leistungsbeschreibung ist zusammengestellt, in der nächsten Woche soll die europaweite Ausschreibung freigeschaltet werden“, teilt Harald Beckers vom städtischen Presseamt auf Anfrage mit.

Gesucht wird dabei ein Unternehmen, das einerseits einen Entwurf erstellt, der auch von Deutscher Bahn und Eisenbahnbundesamt abgesegnet wird, und das andererseits auch die Bauleitung übernimmt.

Dabei geht es jedoch zunächst nur um eine Art ersten Bauabschnitt. Zu den Leistungen in der Ausschreibung gehören laut Beckers der Tunneldurchstich, also der Durchbruch der Stützwand am Ende der Personenunterführung im Hauptbahnhof, die Treppen hinauf in Richtung Kasinostraße und eine Aufzugsanlage. Um den Südausgang wie bisher geplant zu komplettieren, benötigt man jedoch noch zwei weitere Maßnahmen, die nicht Teil der aktuellen Ausschreibung sind.

Endlich soll Bewegung in das Projekt Südausgang kommen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Zum einen muss der unter Denkmalschutz stehende Hochbunker an der Kasinostraße ebenfalls „durchstochen“ werden, um Platz zu schaffen für eine neue zweispurige Zufahrt für Auto- und Radfahrer. Während der Bunker selbst an den Aachener Architekten Gerd Wittfeld verkauft werden soll, der dort auf dem Dach Wohnraum schaffen will, wird die Stadt den aufwendigen Durchstich in Eigenregie vornehmen. Wegen der damit verbundenen Schadensrisiken für das Betonbauwerk, so heißt es in der Vorlage, werde der Verkauf erst nach dem Durchstich vollzogen. Geplant ist dies für das Jahr 2021.

Münden soll die Zufahrt durch den Bunker hindurch in einen kleinen Bahnhofsvorplatz mit Taxiständen, Kurzzeitparkplätzen, überdachten Abstellmöglichkeiten für Radfahrer und einer Velocity-Station. Von dort aus geht es dann per Aufzug oder über eine trapezförmig angelegte Treppe, die oben 25 Meter breit sein wird, rund zehn Meter tief hinab zu den Gleisen. Außerdem ist vorgesehen, auch von der Burtscheider Brücke aus am Hang entlang oberhalb der Gleise einen Fuß- und Radweg zum Südeingang anzulegen.

Zuschlag erst im Herbst

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Wenn die Ausschreibung nächste Woche freigeschaltet wird, haben die Bewerber laut Stadt 30 Tage Zeit, um sich anzumelden und Referenzen vorzulegen. Aus diesem Kreis sollen dann maximal fünf ausgesucht werden, die konkrete Angebote vorlegen können. Frühestens im Herbst, so Beckers, könne man dann damit rechnen, dass ein Bewerber den Zuschlag erhalte.

Die öffentliche Ausschreibung des Bauprojekts steht in der nächsten Woche bevor. Foto: ZVA/Harald Krömer

Daran würden sich dann eine konkrete Detailplanung, die Abstimmungen mit Eisenbahnbundesamt und Bahn, die politischen Beratungen und einiges mehr anschließen, ehe man von tatsächlichen Arbeiten vor Ort etwas sehen kann. „Das wird bestimmt noch zwei Jahre dauern, und dann steht da wahrscheinlich noch kein Bagger“, prophezeit Beckers.

Die neuerlichen Verzögerungen – eigentlich schien man im Frühjahr vorigen Jahres schon fast so weit wie heute zu sein – begründet man bei der Stadt mit den immer wieder schwierigen Abstimmungen mit der Bahn. Wobei die Frage nach einem Haltepunkt für den ICE nach London, die die Diskussion um einen Südausgang vor Jahren einmal kräftig befeuert hatte, aktuell offenbar keine Rolle mehr spielt.

Die eigenen Pläne stünden dem nicht entgegen, außerdem gebe es in dieser Sache nichts Neues, heißt es bei der Stadt lediglich – verbunden mit dem Hinweis, dass die mit dem Brexit einhergehende große Unsicherheit vermutlich auch bei diesem Thema eine lähmende Wirkung habe. Dagegen will man bei der Stadt am Südausgang des Hauptbahnhofs nun vom Schneckentempo auf Durchstarten umschalten. Derzeit jedenfalls.

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