Aachen: Hangeweiher: Sanierung läuft auf Hochtouren

Aachen: Hangeweiher: Sanierung läuft auf Hochtouren

Dass man im Hangeweiher kurz vor Weihnachten auf gutes Wetter hofft, kommt auch nicht alle Jahre vor. Doch diesmal ist alles anders. Denn weil Aachens betagtes Freibad ausgesprochen marode ist und außerdem im vergangenen Sommer wegen eines Befalls mit gefährlichen Pseudomonaden-Bakterien kräftig in die Negativ-Schlagzeilen geraten war, hat man sich bei der Stadt zur großen Sanierung entschlossen.

Die ist im Spätsommer angelaufen und ist zum einen teuer — rund 4,8 Millionen Euro soll das Ganze insgesamt kosten — und muss zum anderen dann passieren, wenn Freibäder gemeinhin geschlossen sind: im Winter. Und deswegen hofft man nun kurz vor Weihnachten auf gutes Wetter und einen milden Winter.

„Das ist sportlich“, kommentiert Klaus Schavan, Technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, das Vorhaben, den ersten Bauabschnitt der Sanierung bis zum Beginn der Badesaison Anfang Mai zu bewältigen. „Normalerweise fängt man eine Baustelle nicht im Winter an, doch hier sind wir saisonabhängig und auf die Pausen im Badebetrieb angewiesen.“ Man will den Aachenern ihr einziges Freibad möglichst nicht nehmen, will aber sicher auch nur ungern auf Einnahmen verzichten, sollte der Sommer schön werden.

Ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann, ist jedoch ungewiss. „Vielleicht müssen wir im kommenden Jahr auch einen Monat später öffnen“, bittet die Leiterin des Fachbereichs Sport, Petra Prömpler, die Schwimmer schon mal vorsorglich um Verständnis. Eine längere Frostperiode würde nämlich schnell einen Strich durch die Rechnung machen — schließlich könne man dann beispielsweise keinen Beton gießen, ergänzt Schavan.

Allerdings ist seit September auf der Großbaustelle Hangeweiher auch schon eine Menge passiert, wie Martin Lambertz, der zuständige Projektleiter beim Gebäudemanagement, aufzählt: Die alte Wassertechnik von 1961 wurde demontiert, das Filtergebäude umgebaut, Zwischenwände eingezogen, Betonmauern saniert. Draußen steckt man derzeit „in der Pratsch“: Denn die Pumpenanlage und die Schwallwasserbehälter — eine technische Neuerung im Hangeweiher — werden gegenüber dem Technikgebäude in einer unterirdischen Kammer untergebracht. „Hier wird das Geld verbuddelt, davon sieht der Besucher später so gut wie nichts mehr“, erläutert Schavan.

Zurzeit laufen die Arbeiten mit schwerem Gerät: Ein großer Bohrer lockert die Erde neben dem Schwimmerbecken, die dort sehr fest ist, wie der Projektleiter erklärt. Danach werden Spundwände in den Boden getrieben, damit keine Erde nachrutscht, dann wird ausgebaggert und schließlich eine Betonkammer für die Technik gegossen. Im bisherigen Technikgebäude werden derweil die neuen Filteranlagen installiert: „Sandfilter mit einer gut eineinhalb Meter dicken Sandschicht — ein einfaches Prinzip, aber hocheffizient“, erklärt Lambertz. Mit dem ersten Bauabschnitt wäre dann — im Idealfall pünktlich zum 1. Mai — der erste Bauabschnitt der Sanierung abgeschlossen. Dann wäre die Technik wieder auf dem aktuellen Stand der Zeit und würde gängigen DIN-Normen entsprechen. Und 2,1 Millionen Euro wären verbaut.

Mit dem zweiten Bauabschnitt will man sich dann Zeit lassen bis zur Freibadpause 2016/17. Der Grund für die Wartezeit ist simpel: Früher lassen sich die dann fälligen 2,7 Millionen Euro im knappen städtischen Haushalt schlicht nicht auftreiben. Dann ist geplant, in die bisherigen Schwimmbecken Bassins aus Edelstahl einzubauen. Außerdem sollen die kompletten Rohrsysteme erneuert werden.

Letzte Sanierung anno 1970

Die letzte große Sanierung des Freibads Hangeweiher, dessen 100. Geburtstag die Stadt vor ein paar Jahren beging, fand anno 1970 statt. Seitdem wurde nur aus- und nachgebessert, bis die Situation im vorigen Sommer, als das Bad wegen Bakterienbefalls eine gute Woche schließen musste, unhaltbar wurde: Filter waren verrostet, Wasserrohre zerfressen und zum Teil so dünn wie Papier. Immerhin soll die Sanierung im Endeffekt nicht nur Geld kosten, sondern auch Kosten senken: Rund 75 000 Euro will man künftig pro Jahr bei den Energiekosten sparen. Eine ernsthafte Alternative zur Sanierung gab es ohnehin nicht — abgesehen von der Schließung. Aber den Aachenern ihr einziges Freibad wegnehmen, das wollte bei der Stadtniemand.

(acp/os)
Mehr von Aachener Zeitung