Aachen: Hangeweiher: Angler warnen vor Schlauchboot-Invasion

Aachen: Hangeweiher: Angler warnen vor Schlauchboot-Invasion

Damit den Schlauchboot-Kapitän kein Haken im Nacken wurmt, fordert der Aachener Angelsportverein, das Befahren des Hangeweihers mit privaten Gummibooten zu verbieten. Hier hört für den ansonsten durchaus wohlgelaunten Angelfreund der Spaß auf.

Der Vorsitzende des „1. ASV Forelle Aachen 1965 e.V.“, Herbert Brandt, weist vorsorglich darauf hin, dass die Köder, Haken und Leinen seiner Anglerfreunde zuweilen 40 bis 50 Meter weit auf das Gewässer geschleudert werden. „Das dürfte böses Blut geben“, sieht Brandt Ärger programmiert, wenn gleichzeitig der 17.000 Quadratmeter große Teich noch öfter von Privatleuten in eigens dafür herangekarrten Schiffchen bepaddelt wird.

Das Presseamt der Stadt Aachen hatte das Befahren mit privaten Schlauchbooten, Kanus etc. nämlich ausdrücklich nicht untersagt, nachdem im Kaiser-Friedrich-Park der Tretbootverleih für dieses Jahr auf dem Trockenen liegt. Das Bootshaus soll erst 2017 wieder geöffnet werden, wenn das angeblich komplett marode Dachgebälk für 100.000 Euro saniert wurde — was je zur Hälfte der benachbarte Restaurant-Pächter und die Stadt zahlen sollen.

Was indes die zuweilen ausschweifende private Schlauchboot-Flotte — vor allem nachts an Wochenenden — die Natur kostet, zählt ASV-Forelle-Chef Brandt auf: „Ich kam mir hier vor wie bei ‚Rursee in Flammen‘“, schildert der Angler. „Auf mehreren Booten, die lichterloh mit Kerzen beleuchtet waren, schipperten junge Leute trinkend und grölend über den Hangeweiher. Den ganzen Müll konnten wir dann am nächsten Tag am Uferrand aufsammeln.“ Brandt betont, dass das Verhältnis seines Vereins zur Stadt immer „vom Allerfeinsten“ war. „Aber so geht das nicht. Hier kommen wir uns ins Gehege.“ Was bislang kein Problem war.

Denn sobald der Tretbootverleih öffnete, packten die Angler ihre Ruten ein. „Wir haben uns immer prächtig verstanden; aber mit den privaten Gummibooten — das funktioniert nicht.“ Der ASV zahle zudem an die Stadt einige hundert Euro Pacht, um Karpfen, Rotfedern, Brassen und Zander aus dem Teich zu fischen. „Und wir sorgen dafür, dass alles astrein sauber hinterlassen wird“, sagt Brandt.

Wegen der privaten Gummiboote sieht der benachbarte Modellbootclub „Modellbauskipper Euregio Aachen e.V.“ hingehen weniger Probleme. „Aber ein Surfer, der mit seinem Board über den Hangeweiher fährt, hat mich dann doch überrascht“, räumt der Vorsitzende Rolf Walkenhorst ein. Und er wundert sich: „Wieso dürfen irgendwelche Privatleute mit ihrem Schlauchboot einfach auf den Hangeweiher, während wir mit unseren kleinen Booten eine Extra-Genehmigung der Stadt benötigen?“ Die Nutzung des Hangeweihers ist für die 35 Vereinsmitglieder streng geregelt. Erlaubt sind nur Elektro- oder Segelantrieb — bei einer Höchstgeschwindigkeit von acht Stundenkilometern.

Daran müssen sich Enten und Schwäne allerdings nicht halten. Das Gefieder sei — genauso wie der Fischbestand im durchschnittlich gut zwei Meter tiefen Kahnweiher — absolut schützenswert, betonen Modellbauer und Angler. Letztere zählen im Verein rund 100 Mitglieder. Die meisten müssen derzeit mit ihrem Hobby an den Hangeweiher ausweichen, weil ihr bevorzugtes Gewässer — der Kupferbach — wegen Sanierungsarbeiten zu wenig Wasser führt. Dutzende wollen sich deshalb am kommenden Samstag zum ersten großen Event 2016 am Rande des Hangweihers treffen: Da steht die Eröffnung der Nachtangelsaison an.

Sollten dann private Schlauchboote vor den Angelruten auftauchen, ist Vorsicht geboten. Gegebenenfalls will man das Ordnungsamt einschalten. Bloß: Bestraft werden können die privaten Schlauchbootkapitäne nicht — es existiert bislang kein Paddelverbot für Privatboote. Auch das ist der Haken an der Sache.

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