Aachen: Gutes Personal dringend gesucht: Stadt geht neue Wege

Aachen : Gutes Personal dringend gesucht: Stadt geht neue Wege

Der Fachkräftemangel hat auch den Arbeitgeber Stadt Aachen längst erreicht — und das nicht nur in öffentlichkeitswirksamen Bereichen wie Kitas, Rettungsdiensten und Feuerwehr. Auch qualifizierte Verwaltungsmitarbeiter, IT-Fachkräfte, Ärzte, Elektro- und Bauingenieure sowie Architekten werden in der hiesigen Stadtverwaltung mittlerweile händeringend gesucht. .

Schon heute könnten vorhandene Planstellen in diesen Bereichen „nicht mehr oder nur noch verzögert besetzt werden“, heißt es bei der Verwaltung

Und die Situation wird sich in den nächsten Jahren massiv verschärfen, wie eine aktuelle Altersstrukturanalyse belegt. Demnach wird die Zahl der „altersbezogenen Regelaustritte“ — also der Mitarbeiter, die in Ruhestand gehen — von knapp 50 in diesem Jahr auf mehr als 150 im Jahr 2023 ansteigen. Der absolute Höhepunkt ist dann mit mehr als 180 Abgängen für das Jahr 2034 zu erwarten.

Kein Wunder, dass angesichts solcher Zahlen im Rathaus längst die Alarmglocken geschrillt haben. Denn die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Die Stadtverwaltung wird sich in den kommenden Jahren mehr denn je und in einer verstärkten Konkurrenz mit der Privatwirtschaft um Auszubildende, Fach- und Führungskräfte bemühen müssen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Und sie muss sich dabei als möglichst attraktiver Arbeitgeber präsentieren, der sich in einer ungewohnten Situation wiederfindet — sich nämlich selber bei potenziellen Mitarbeitern „bewerben“ zu müssen.

Wie das künftig aussehen könnte und welche teils ungewohnten Wege man dazu beschreiten will, steht in einem Konzept mit dem Titel „Strategie zur nachhaltigen Personalgewinnung und -bindung“, das der Politik morgen im städtischen Personal- und Verwaltungsausschuss präsentiert wird. Und dahinter verbirgt sich eine umfangreiche Sammlung von Ideen und Ansätzen, wobei gleich einmal eine Sparmaßnahme aus dunklen Zeiten der knallharten Haushaltskonsolidierung gestrichen werden soll. Denn die Verwaltung schlägt vor, die Wiederbesetzungssperre für vakante Stellen, die seit 2010 gilt, zu kippen. Daran weiter festzuhalten, würde „angesichts der Notwendigkeit einer optimierten Personalgewinnungsstrategie einen Widerspruch in der strategischen Ausrichtung“ darstellen, heißt es in der Vorlage.

Um aber potenzielle Bewerber überhaupt auf die Stadt als Arbeitgeber aufmerksam zu machen, hat man unter anderem das Geld als zuverlässiges Lockmittel entdeckt. So sollen finanzielle Anreize — beispielsweise Zulagen für IT-Kräfte und Fachärzte — den Wechsel in die Stadtverwaltung versüßen. Von einer stärkeren leistungsbezogenen Bezahlung durch Zusatzprämien ist in dem Konzept ebenfalls die Rede. Und auch die oft Bewerber abschreckenden befristeten Beschäftigungsverhältnisse will man „für Berufsgruppen mit positiver Verwendungsprognose“ in unbefristete Einstellungen umwandeln. Nicht zuletzt soll auch der komplette Bereich Ausbildung noch stärker als bisher im Fokus stehen.

Die Liste der weiteren Ideen ist lang: Externe Stellenausschreibungen will man forcieren, eine Karriereseite und ein Bewerberportal einrichten, „Social Media“-Kanäle wie Facebook, Xing und Instagram nutzen und vieles mehr. Und auch die eigenen Mitarbeiter sollen mitmachen — im Idealfall als glückliche „Markenbotschafter, die neue Kollegen anwerben. Das könnte sich lohnen. Denn wenn sich die Personalnot verschärft, seien auch „Anwerbeprämien“ denkbar. In München zahlt man diese bereits.