Gut besuchte Gedenkfeier zur Befreiung Aachens durch die Alliierten

Kriegsende in Aachen : Als die Kanonen endlich schwiegen

„Es war ein Tag der Befreiung, als die Alliierten vor 75 Jahren Aachen einnahmen – und keineswegs eine Niederlage“, betonte Thomas Oppermann, Vizepräsident des Deutschen Bundestags. Der anhaltende Applaus im Krönungssaal bewies, dass die Aachener das ebenso sehen.

Sie verstehen die Alliierten zweifelsohne als Retter, die die Stadt und ihre Bewohner vom Naziregime befreiten. 75 Jahre nach diesem denkwürdigen 21. Oktober erinnerte Oberbürgermeister Marcel Philipp gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Krönungssaal im Rathaus war dabei gut besucht.

Panzer in den Straßen

Es ist schließlich noch gar nicht so lange her, dass durch Aachens Straßen die Panzer rollten, Häuser und Fabriken in Brand gesetzt wurden und bewaffnete Soldaten das Straßenbild prägten. Ein Film lieferte den Gästen Bilder aus eben jener Zeit und machte das Grauen noch einmal spürbar. „Eine dramatische Stille lag plötzlich über der Stadt, als die Kanonen nach Tagen zum ersten Mal schwiegen“, hieß es in dem Film.

Nach dem Film hätte man im Krönungssaal tatsächlich eine Stecknadel fallen hören können. Am 21. Oktober um 12.04 Uhr kapitulierten die deutschen Truppen in Aachen. „Das ist der Beginn einer neuen Zeit“, führte Marcel Philipp aus. Und dass während der Gedenkveranstaltung Niederländer, Belgier, Franzosen und Amerikaner zu den Ehrengästen zählten, versteht er als Beweis für eine eine neue gemeinsame Erinnerungskultur.

„Für viele war dieser 21. Oktober ein Tag mit ganz gemischten Gefühlen“, führte Philipp aus. Mit Blick auf die Zukunft herrschten demnach Angst, Sorge und Unsicherheit, aber eben auch Hoffnung und Zuversicht und ein allgemeines Aufatmen. „Für viele war es die Befreiung aus einem selbstgebauten Kerker“, sagte Philipp. Und er betonte, wie wichtig es sei, die im Anschluss gewonnene Demokratie zu verteidigen.

Ein Symbol mit historischer Bedeutung: An vielen Stellen der Stadt wurden die weißen Flaggen gehisst. Foto: Andreas Herrmann

Das sieht auch Oppermann so. Es sei der klugen Politik der Amerikaner zu danken, dass Deutschland sich nach dem Krieg zu einer starken Demokratie entwickeln konnte, betonte er. Dass aus einem kriegszerrütteten und zerstörten Europa eine funktionierende Europäische Gemeinschaft werden konnte, sei keine Selbstverständlichkeit. Die Annäherung an die Franzosen, die Verabschiedung des Grundgesetzes und die Wertschätzung der Demokratie durch eine handlungsfähige Zivilgesellschaft sind laut Thomas Oppermann die Säulen, auf denen Deutschland seine Zukunft aufbauen konnte.

Um diese starke Demokratie zu erhalten und rechtsextremen Angriffen zu begegnen, hält es Oppermann für unerlässlich, dass jeder einzelne einen entsprechenden Beitrag leistet. Am besten verteidige man die Demokratie, wenn man mit Hoffnung und Zuversicht von ihr spreche. „Wir lassen uns die Errungenschaften nicht nehmen“, sagte er abschließend unter großem Beifall.

Mehr von Aachener Zeitung