Aachen: Guildo Horn in der „Kathedrale des Frohsinns“

Aachen: Guildo Horn in der „Kathedrale des Frohsinns“

Die Gitarre fetzt, das Schlagzeug treibt, der Bass pumpt. Die Melodie: „Papa was a rolling stone“. Doch Guildo Horn singt dazu „Papa ist der Weihnachtsmann“, und das Publikum jubelt. Es dauerte keine zwei Lieder, da hatten Horn und seine Begleitcombo, die Orthopädischen Strümpfe, aus dem Saal im „Franz“ eine Rock-Pop-Schlager-Weihnachtsfeier gemacht.

Wenn Horn, der von seinen Fans nur „Meister“ gerufen wird, ein Konzert „Schlager unser — das Weihnachtskonzert“ nennt, kann man sicher sein, dass es sich um kein gewöhnliches handeln wird. Da war Bachs „Toccata“ als Einmarschmusik nur eine von vielen ironischen Randnotizen...

Noch in Weihnachtsmannmütze, Schal und Sonnenbrille gewandet, versprach Horn, er werde das „Franz“ in eine „Kathedrale des Frohsinns“ verwandeln. Und genau das tat er: Weltberühmte Melodien aus Rock und Pop transferierte er in neue Lieder mit Weihnachtsbezug: Da wurde aus „YMCA“ „Es weihnachtet sehr“, aus dem „Grease“-Hit „You’re the one that I want“ ein fetziges „Die Weihnacht ist toll“, und der Beatles-Song „With a little help from my friends“, der Joe Cocker zu ewigem Ruhm verholfen hat, bekam „Träumt zu zweit im Advent“ zum Titel. Aus Europes „The final countdown“ machte Horn kurzerhand eine Westernpolka namens „Dieser feine Christbaum“. Sensationell, als er Elvis‘ „In the ghetto“ in ein samtweiches „In der Krippe“ verwandelte.

Auch wenn sich im „Franz“ nicht, wie von Horn vermutet, „gefühlte 5000 Leute“ versammelt hatten: Die Energie, die der „Eurovision Song Contest“-Siebte von 1998 und seine Band dort erzeugten, hätte locker für diese Menge Publikum gereicht. Seine Jünger hatte der „Meister“ zu jeder Zeit im zärtlichen Griff. Nach jedem Stück die Frage an die Fans: „Könnt ihr noch?“, „Mehr?“ oder „Habt ihr euch noch im Griff?“ Ein Blick in die beseelten Gesichter hätte als Antwort gereicht, die begeisterten Zurufe wären nicht nötig gewesen.

Lametta der Liebe

Sein Publikum umhüllte Horn mit dem Lametta der Liebe, während er am musikalischen Adventskalender Törchen um Törchen öffnete. Eine Pause gab es im mehr als zweistündigen Konzert nicht, wohl aber eine Zäsur, als er aus dem weihnachtlichen in den weltlichen Teil wechselte. Da waren es dann Horns Versionen bekannter Schlager, die die Fans entzückten: „Wunder gibt es immer wieder“, „17 Jahr“, „Tanze Samba mit mir“, Maffays „So bist du“ als Rockversion. Die Euphorie und den Geist der Liebe im Saal nutzte Horst Köhler, wie Horn mit Geburtsnamen heißt, um kurzerhand von der Bühne aus Claudia und Jochen miteinander zu vermählen — es hätten sich noch mehr Freiwillige gefunden…

„Guildo hat euch lieb“ und „Mein Freund, der Tannenbaum“ zu ABBAs Melodie „The winner takes it all“ waren nur zwei der etlichen Zugaben. Doch mehr als diese euphorisierte die Zuschauer Horns Ankündigung, im kommenden Jahr wiederzukommen ins „Franz der Liebe“.