Gruppenvergewaltigung im Aachener Pontviertel

Gruppenvergewaltigung im Pontviertel : Die kriminellen Karrieren der vier Verdächtigen

Vier junge Männer sollen sich in Aachen an einer Frau vergangen haben. Schon zuvor sind sie durch Gewaltdelikte, Diebstahl, Raub und andere Straftaten aufgefallen.

Die vier Männer, die in der Nacht von Montag auf Dienstag eine junge Frau in Aachen vergewaltigt haben sollen, sind zum Teil bereits vorbestraft und haben Haftstrafen verbüßt. Einer der Männer wird bei der Polizei als sogenannter Intensivtäter geführt, wie die Aachener Polizei am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Die vier Männer sollen am Dienstag gegen 3 Uhr morgens im Pontviertel, dessen Clubs, Kneipen und Cafés oft auch unter der Woche gut besucht sind, gemeinsam eine junge Frau vergewaltigt haben. Nach dem Stand der Ermittlungen kannte das Opfer zumindest einen der Männer flüchtig. Passanten verständigten nach der Tat die Polizei, die Männer konnten noch in derselben Nacht festgenommen werden. Seit Mittwoch sitzen sie in Untersuchungshaft.

Die Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren seien bereits durch Gewalt- und Drogendelikte, Diebstahl, Raub und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte aufgefallen, erklärte Polizeisprecherin Petra Wienen am Freitag. Drei von ihnen wohnen in Aachen, einer wohnt in Alsdorf. Alle vier seien in Deutschland geboren und aufgewachsen, teilte die Polizei mit. Die Aachener Staatsanwaltschaft ergänzte am Freitagnachmittag, dass ein 17 und ein 18 Jähriger deutsche Staatsbürger seien, ein 20-Jähriger nigerianischer Staatsbürger. Die Nationalität eines weiteren 20-Jährigen sei ungeklärt. Möglicherweise ist er staatenlos.

Welche Indizien gibt es?

Möglicherweise war die kriminelle Vergangenheit der Männer einen weiterer Grund, aus dem das Amtsgericht Aachen innerhalb nur weniger Stunden einen Haftbefehl gegen alle vier ausgestellt hat. Grundsätzlich sind Richter mit dem Ausstellen von Haftbefehlen desto defensiver, je jünger die mutmaßlichen Täter sind. Dass bei dringendem Tatverdacht schwerer Straftaten dennoch auch Jugendliche in Untersuchungshaft genommen werden, ist andererseits nicht unüblich.

Trotzdem stellt sich in vorliegendem Fall die Frage, aufgrund welcher Indizien das Amtsgericht einen dringenden Tatverdacht angenommen und die Haftbefehle ausgestellt hat. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte die Polizei, dass es eine Aussage des Opfers gebe. Dass aber aufgrund einer einzigen Zeugenaussage gleich vier Haftbefehle ausgestellt werden, zumal gegen solch junge Tatverdächtige, ist zumindest ungewöhnlich.

Zwar wurden die vier mutmaßlichen Täter mit Hilfe von Videoaufzeichnungen identifiziert. Doch das Tatgeschehen selbst habe die Kamera nicht aufgezeichnet, wie die Polizei erklärte. Ob es Augenzeugen der Tat oder andere Indizien gibt, die die Männer belasten, wollte die Polizei mit Verweis auf die andauernden Ermittlungen am Freitag noch nicht mitteilen.

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