Aachen: Grundschulsystem: Einige Kinder müssen abgewiesen werden

Aachen : Grundschulsystem: Einige Kinder müssen abgewiesen werden

Zusammengefasst lauten die Ergebnisse des nun vorgelegten Schulentwicklungsplans für die Aachener Grundschulen: Der Standort Barbarastraße wird geschlossen. Sechs Züge an sechs Standorten sollen wegfallen, zwei Züge kommen an anderen Standorten dazu.

Und das Montessori-Angebot wird wegen großer Nachfrage um drei Züge ausgeweitet. Aber der Reihe nach: Für den Standort Barbarastraße gibt es keine Rettung. Es gab bloß neun Anmeldungen für das neue Schuljahr. Mitte 2015 ist dort Schluss. „Das tut richtig weh, Rothe Erde verliert damit einen Schule. Und wir haben erst vor wenigen Jahren in das Schulgebäude investiert“, sagt Schuldezernent Wolfgang Rombey.

Dass nur ein Standort geschlossen wird, liegt daran, dass Grundschulen nach dem Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ für alle Kinder erreichbar sein sollen. Die Grundschulen in Horbach und Bildchen profitieren: Die KGS Bildchen bekommt als einzige Aachener Schule keine Obergrenze für die Größe künftiger erster Klassen auferlegt. Sonst wäre die Schülerzahl auf unter 92 geschrumpft. Damit hätte sie qua Gesetz nur noch als Teilstandort weitergeführt werden können. In Horbach konnte man die Eigenständigkeit der KGS nicht sichern. Sie rutscht unter die 92-Schüler-Marke. Da sie mehr als 46 Schüler hat, braucht die Stadt sie nicht dicht zu machen, sondern kann sie als Teilstandort der GGS Richterich weiterführen.

An sechs Schulen (EGS Annastraße, KGS Auf der Hörn, GGS Driescher Hof, GGS Brühlstraße, GGS Am Haarbach und KGS Marktschule) fällt laut Plan ein Zug weg — es gibt dort also künftig eine erste Klasse weniger als bisher. Das ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass es dort zu wenige Anmeldungen gibt. Ingesamt sind die Grundschülerzahlen in den vergangenen Jahren bereits stark zurückgegangenen. Laut Prognose sollen sie weiter sinken. Im Schuljahr 2003/04 gab es in Aachen noch knapp 9000 Grundschüler, 2012/13 sind es rund 7500, 2018 sollen es weniger als 7200 sein.

Erhöht werden die Zügigkeiten lediglich an den Montessorischulen Eilendorf und Mataréstraße. An der Reumontstraße wird die Montessoripädagogik auf den einzügigen katholischen Standort ausgeweitet. Montessorischulen sind bei Eltern beliebt, dem trage man damit Rechnung.

Da die Stadt nach dem 8. Schulrechtsänderungsgesetz nun die Möglichkeit hat „Klassenfrequenzen“ — sprich die Größe der ersten Klassen — festzulegen, könne es dazu kommen, dass an einigen Schulen mehr Kinder abgewiesen werden müssen, sagt Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Normalerweise soll eine Klasse maximal 29 Kinder stark sein. Liegt die Schule in einem sozialen Brennpunkt, dürfen maximal 25 Kinder in eine Klasse. Findet an der Schule „Gemeinsamer Unterricht“ (mit behinderten Kindern) statt, liegt die maximale Klassengröße bei 24. Bei „Gemeinsamem Unterricht“ im sozialen Brennpunkt sogar bei 23 Kindern pro Klasse.

Weniger I-Dötzchen in eine Klasse

Eine Schule an der wohl viele Kinder abgewiesen werden müssen, ist die Grundschule Passstraße. Dort wurden im vergangenen Jahr 60 Kinder, verteilt auf zwei Klassen angenommen — und trotzdem mussten noch Kinder abgewiesen werden. Da es sich um eine Brennpunktschule handelt, wird sie künftig nur noch 48 I-Dötzchen aufnehmen. Da könnte Ärger im Anmarsch sein.

Doch die Eltern seien stets für kleinere Klassen gewesen, verteidigt Rombey die Regelung. „Es ist sicher der richtige Weg, kleinere Klassen zu bilden. Die Eltern müssen dann in Kauf nehmen, dass der Schulweg für einige Kinder etwas weiter wird, wenn wir die Klassen verkleinern“, sagt er.